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Offenbar sterben acht Palästinenser bei Israel-Angriffen


Bei neuen israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen sind am frühen Samstag laut palästinensischen Rettungskräften mindestens acht Palästinenser getötet worden.

Bei neuen israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen sind am frühen Samstag laut palästinensischen Rettungskräften mindestens acht Palästinenser getötet worden. Drei von ihnen seien Mitglieder des bewaffneten Arms der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas gewesen, teilten palästinensische Sicherheitskräfte mit. Demnach hielten sie sich zum Zeitpunkt des Angriffs in einem Flüchtlingslager im Zentrum des Gazastreifens auf. Fünf weitere Palästinenser wurde Rettungskräften zufolge bei zwei Angriffen auf den Süden des Gazastreifens getötet.

Die israelische Luftwaffe setzte ihre seit Mittwoch andauernde Luftoffensive gegen die Hamas im Gazastreifen auch am Samstag weiter fort. Nach Angaben des Staatsfernsehens wurden während der Nacht etwa 180 Angriffe geflogen. Der Armee zufolge gab es seit Mittwoch mehr als 830 Angriffe auf den Gazastreifen. Die Hamas habe seither mehr als 350 Raketen abgefeuert, von denen mehr als 200 abgefangen worden seien, sagte eine israelische Militärsprecherin.

Seit der gezielten Tötung von Hamas-Militärchef Hamas-Militärchefs Ahmed al-Dschabaari am Mittwoch steuert der Dauer-Konflikt zwischen Israel und der islamistischen Bewegung, die seit 2007 den Gazastreifen kontrolliert, auf einen offenen Krieg zu. Auf ununterbrochene israelische Luftangriffe folgten hunderte Raketenangriffe auf israelisches Gebiet. Erstmals wurden auch Tel Aviv und Jerusalem beschossen, zu Schaden kam dabei jedoch niemand. Seit Mittwoch wurden drei Israelis und mindestens 30 Palästinenser getötet. Die Hamas zeigte sich weiter unbeugsam.

Unterdessen beschleunigte Israel die Vorbereitungen zu seiner angedrohten Bodenoffensive gegen die Hamas. Nach der Einberufung von 16.000 Reservesoldaten am Donnerstag und Freitag billigte das Kabinett am Freitagabend laut israelischem Fernsehen die Mobilisierung von bis zu 75.000 Reservisten. Korrespondenten berichteten von Panzern, gepanzerten Truppenfahrzeugen und Planierraupen, die in der Grenzregion zum Gazastreifen zusammengezogen würden. Diese wurde zum militärischen Sperrgebiet erklärt.

Israels früherer Botschafter in Deutschland, Avi Primor, warnte vor einer weiteren Eskalation im Konflikt zwischen seinem Land und der Hamas. Unter anderem die Mobilisierung von bis zu 75.000 israelischen Reservisten zeige, dass die Vorbereitungen für eine Bodenoffensive "sehr ernsthaft sind", sagte Primor im Deutschlandradio Kultur. Es könne sich zwar um ein psychologisches Druckmittel handeln, "weil man der Hamas zeigen will, dass man zu allem bereit ist". Auch ein "Krieg, den keiner haben will", sei aber möglich, sagte Primor.

Verantwortlich für den Ausbruch der Gewalt machte der ehemalige Botschafter "extremste fundamentalistische Gruppierungen", die innerhalb des Gazastreifens um die Macht kämpften. Die Hamas habe die Gewalt "nicht entfesselt", sagte Primor. Für Israel gehe es darum, dass die Hamas diese Gruppierungen unter Kontrolle bringe. Damit wäre für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auch ein glaubwürdiges Einlenken möglich, sagte Primor. Israel habe kein Interesse an einer Eskalation, weil die Bevölkerung Raketenbeschuss fürchte. Auch die Hamas und Ägypten hätten kein Interesse an einem Krieg.

Angesichts der wachsenden Gefahr einer Gewaltexplosion im Nahen Osten verstärkten die USA ihre Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Konflikts. US-Präsident Barack Obama telefonierte mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem ägyptischen Staatschef Mohammed Mursi, um nach Wegen zu suchen, die Lage zu entschärfen, wie das Weiße Haus mitteilte. Der Präsident bedauerte den Tod von Israelis und Palästinensern. Er lobte Mursis Bemühungen um eine Entspannung der Situation, bekräftigte aber gleichzeitig Israels Recht auf Selbstverteidigung.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta ließ sich unterdessen von seinem israelischen Kollegen Ehud Barack über den neuesten Stand informieren. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte einen Besuch der Palästinensergebiete an.

AFP AFP

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