Nach Angaben des österreichischen Gastgebers sollen neue Regeln die Israel-Skeptiker überzeugen, auch im nächsten Jahr am ESC teilzunehmen. Auf der Vollversammlung der EBU am 4. und 5. Dezember werde über diese Regeln "in einer großen Gemeinschaft" diskutiert. Wenn die Sorgen und Bedenken Ernst genommen und "mit Augenmaß" miteinander gesprochen werde, müsse eine konstruktive Lösung möglich sein. Er als ORF-Vertreter werde sich zu den neuen ESC-Regeln "ganz klar bekennen", sagte Weißmann. Welche Regeländerungen zur Diskussion stehen, wollte er allerdings nicht sagen.
Das Vorgehen Israels im Gazastreifen nach dem Angriff der Hamas im Oktober 2023 hatte in vielen Ländern eine Debatte über eine israelische Teilnahme am ESC ausgelöst. Mehrere Länder, darunter Spanien, Irland und die Niederlande, drohten mit einem Boykott des Wettbewerbs, sollte Israel auch im kommenden Jahr dabei sein. Deutschland und andere Länder sprachen sich allerdings gegen einen Ausschluss Israels aus. Eine ursprünglich für November vorgesehene Abstimmung unter den EBU-Mitgliedern über eine Teilnahme Israels wurde wegen der Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas abgesagt, nun soll im Rahmen der EBU-Vollversammlung Anfang Dezember über das Thema diskutiert werden.
Der Streit um Israel ist die wohl größte Zerreißprobe in der Geschichte des im kommenden Jahr zum 70. Mal stattfindenden, weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb. Neben der Debatte um Israels Vorgehen im Gazastreifen gab es auch Vorwürfe, Israel könne die Zuschauerabstimmung in diesem Jahr manipuliert haben. Die israelische Starterin Yuval Raphael hatte im ESC-Finale in Basel im Mai völlig überraschend das Publikums-Voting gewonnen. Hinweise auf Manipulationen fanden sich aber nicht, Israel könnte von einer aufwändigen Werbekampagne in sozialen Netzwerken profitiert haben. ESC-Sieger war in diesem Jahr nach Publikums- und Jury-Abstimmung der österreichische Countertenor JJ, weshalb Wien nun im kommenden Jahr Gastgeber ist.
Weißmann zeigte sich dabei offen für eine erstmalige Teilnahme Kanadas. Wenn Kanada bereit sei und die Kriterien erfülle, sei es "sehr willkommen", sagte er. Der ESC ist zwar ein europäischer Wettbewerb, mit der Rundfunkunion EBU verbundene Länder dürfen aber auch von außerhalb Europas dazu kommen. So schaffte es auch Australien zum ESC, seit dem Finale 2015 in Wien sind die Australier dabei. Der ORF bestätigte zudem, dass mit Rumänien, Bulgarien und Moldau gleich drei Länder wieder zum ESC zurückkehren, die zuletzt nicht dabei waren - dies hatten die jeweiligen Rundfunkanstalten bereits angekündigt.