Das linke Bündnis von Frederiksen lag in den letzten Umfragen neun Sitze vor dem rechten Bündnis. Es wird jedoch voraussichtlich keiner der beiden Seiten gelingen, die Mehrheit der 179 Sitze im Parlament, dem Folketing, zu erlangen. Außerhalb dieser traditionellen Blöcke steht die Mitte-Partei des derzeitigen Außenministers Lars Lökke Rasmussen, die zur Königsmacherin werden könnte.
Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen bezeichnete den Urnengang als "die wichtigste Wahl zum dänischen Parlament" in der Geschichte des Autonomiegebiets. "Wir leben in einer Zeit, in der eine Supermacht versucht, sich uns einzuverleiben, uns zu übernehmen, uns zu kontrollieren", sagte Nielsen der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf die USA. Grönland sei nach wie vor in einer "sehr angespannten Situation".
Die Autonomiegebiete Grönland und Färöer-Inseln stellen jeweils zwei Sitze im Parlament. Die beiden Überseegebiete könnten bei einem sehr knappen Wahlergebnis ausschlaggebend sein.
Frederiksen, die seit 2019 Regierungschefin ist, kommt bei der Wahl ihr Image als erfahrene Staatenlenkerin zugute. "Die Leute mögen sie vielleicht nicht wirklich, aber sie sehen sie als die richtige Führungsperson an", sagte Elisabet Svane, politische Analystin bei der dänischen Zeitung "Politiken". Die künftige Regierungszusammensetzung sei zwar ungewiss, "aber es ist wahrscheinlich, dass Frederiksen am Ende an der Spitze der Regierung stehen wird".
Durch ihren Umgang mit US-Präsident Trumps Drohungen, Grönland unter die Kontrolle der USA zu bringen, konnte Frederiksen bei vielen Dänen punkten. Der Wahlkampf konzentrierte sich zudem auf innenpolitische Themen wie die Inflation, den Sozialstaat und hohe Nitratwerte im Wasser und der Landwirtschaft.
Die Migrationspolitik wird in dem Land mit sechs Millionen Einwohnern weniger kontrovers diskutiert als andernorts in Europa. Ein restriktiver Umgang mit irregulärer Migration ist seit Jahren breiter Konsens in Dänemark. Die Sozialdemokraten streben eine weitere Verschärfung der Migrationspolitik an.
Die Wahllokale sollten um 20.00 Uhr schließen, kurz darauf sollten die ersten Hochrechnungen veröffentlicht werden.