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"How To Survive unter Müttern": So findet man Mütter, die man liebt, und wird jene wieder los, die sich an einen klammern

Die Geburt des Kindes katapultiert ­Frauen in einen neuen sozialen Kosmos: die Welt der Mütter. Aber nicht alle Mütter sind gut für uns, wir wollen weder Helikoptermama sein noch unser Kind vernachlässigen. Ein neuer, sehr humorvoller Ratgeber hilft, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Drei Mütter mit drei Babys im Arm

Als junge Mutter spürt man sehr schnell, welche Mütterfreunde einem gut tun und welche eine Belastung sind

Getty Images

zu werden bedeutet so etwas Ähnliches, wie den Aggregatzustand zu wechseln. Plötzlich haben wir eine neue Rolle und niemand hat uns beigebracht, wie wir sie richtig ausfüllen. Mit "How To Survive unter Müttern" bringt Schwarzkopf & Schwarzkopf einen Ratgeber heraus, der alles andere als belehrend ist. Mit viel Humor verrät Autorin Alexandra Gebel die Tricks und Kniffe, die man kennen muss, um unter anderen Müttern nicht durchzudrehen.

Nido darf das erste Kapitel aus "How To Survive unter Müttern" veröffentlichen. Viel Spaß beim Lesen!

Wie andere Mütter zum Maß aller Dinge werden

Die Geburt ist nicht nur die Ankunft des süßesten Babys überhaupt (ach, kommen Sie, alle anderen sind doch nur vom Mamaglück verblendet). Mit ihr erblickt auch Ihr neues Ich das Licht der Welt. Sie sind jetzt Mutter. Das verändert Ihr soziales Umfeld sofort, nachhaltig und grundlegend. Es wird nie wieder so sein, wie es vorher war. Darauf hat Sie niemand vorbereitet. Bestand Ihr Leben bisher aus einem Partner, der Freundesclique, Sportbekanntschaften, Arbeitskollegen und Chefs, gibt es ab sofort nur noch zwei Sorten von Menschen: Mütter und Nicht-Mütter. Die zweite Sorte können Sie sofort wieder vergessen. Sie zählen in der Welt, in der Sie mindestens die nächsten zehn Jahre leben werden, nicht. Es gibt nur noch Sie selbst und andere Mütter. Punkt.

"How To Survive unter Müttern" von Alexandra Gebel, Schwarzkopf & Schwarzkopf, 9,99 Euro. Das Buch erscheint am 1. Oktober. Hier bestellbar.

"How To Survive unter Müttern" von Alexandra Gebel, Schwarzkopf & Schwarzkopf, 9,99 Euro. Das Buch erscheint am 1. Oktober. Hier bestellbar.

Natürlich tauchen am Rande ihres Blickfeldes gelegentlich andere Menschen auf. Junge Kita-Erzieherinnen zum Beispiel, die selbst noch keine Mütter sind. Aber die nehmen Sie gar nicht richtig wahr, schon gar nicht ernst. Was weiß so eine Nachwuchspädagogin schon vom Abschiedsschmerz einer Mutter, wenn sie sich von ihrem Kind für mindestens volle vier Stunden trennen muss? Nichts. Kein Wunder, fehlt ihr doch die einzige Kompetenz, die für Sie fortan zählt, das Mutter-Sein. Gelegentlich blitzt das Bild des Kindsvaters auf – das ist der Mann, der bei Ihnen wohnt. Keine Angst, wenn Sie die Stilldemenz überwunden haben, werden Sie sich wieder an ihn erinnern. Aber, seien wir ehrlich, der Gute ist doch auch nur ein ema unter vielen, das Sie mit Ihren neuen besten Freundinnen, den ande- ren Müttern, besprechen müssen. Und er ist vermutlich noch nicht mal auf der Top-Ten-Liste der Dinge, die es im mütterlichen Expertinnen-Kreis ausführlich zu diskutieren gilt.

Das Maß aller Dinge sind ab sofort die anderen Mütter. Ihre kritischen Anmerkungen, ja, ihre gehobene Augenbraue genügt, dass Sie sich schlecht fühlen. Sei es, dass Sie nicht das von der Hebamme empfohlene Erstbrei-Rezept verwenden, Sie Ihrem Kind unverantwortlicher Weise Schuhe mit Sohle statt der obligatorischen Krabbelpuschen gekauft haben oder Sie gar leichtfertig äußern, dass Sie Ihr nicht im Wickeltuch tragen wollen, weil Ihnen das zu unbequem ist. Mit den anderen Müttern besprechen Sie fortan das Wichtigste im Leben, also alles rund ums Kind. Das reicht von der Autositz-Auswahl übers Töpfchen-Training bis zum Zettelschreiben für die Zahnfee. Später geht es um Schulisches wie Lese-Training, Hausaufgaben-Unlust und Pausenhof-Mobbing. Und wo Sie gerade schon mal beim Plaudern sind, reden Sie auch gleich noch über die Gartenarbeit, den Hauskauf und die Sexflaute.

Warum das so ist? Dafür gibt es drei sehr gute Gründe. Zum einen sind die anderen Mütter schlichtweg einfach da. Mit niemand anderem werden Sie in Zukunft mehr Zeit verbringen. Der Vater Ihres Kindes verlässt morgens mutmaßlich fröhlich pfeifend die Wohnung und ward bis abends nicht mehr gesehen (wenn er nicht gerade die inzwischen üblichen zwei Monate Elternzeit nimmt). Die bisherigen Arbeitskollegen wurden offensichtlich vom Kopierer eingesaugt, denn sie melden sich nach den ersten Gratulationen nicht mehr und verschwinden in der Versenkung. Und was ist mit den Mädels? Ausgeh-Abende mit Freundinnen bedürfen jetzt einer umfangreichen Planung. Dieser Aufwand wird Ihnen bald zu viel. Denn es ist längst nicht mehr so lustig wie vorher. Zumal Sie als Stillende keinen Alkohol trinken dürfen. Selbst der Charme durchtanzter Nächte lässt schnell nach, wenn Ihr kleiner Nimmersatt Sie morgens um 4 Uhr aus dem Bett brüllt, weil er Hunger hat, Sie aber erst eine Stunde zuvor erschöpft in die Kissen gefallen waren.

Damit sind wir schon bei Punkt zwei: Die absolut gleichen Interessen aller Mütter mit Kindern im selben Alter. In einer Mütterrunde gehen Ihnen nie die Gesprächsthemen aus. Denn parallel zur Entwicklung des Kindes wachsen, oder vielleicht sollte ich eher sagen: wuchern auch die Sorgen und Nöte der Mamas. Was gibt es nicht alles zu erörtern. Fragen wie beispielsweise Muss jedes Kind krabbeln? Wann soll das erste Wort gesprochen werden? Wie lange dauert die Trotzphase normalerweise und wie viele, verdammt noch mal, kommen davon noch? Die Liste ließe sich ins Unendliche fortsetzen. Natürlich lassen sich die Antworten auch im Internet, in Büchern oder Zeitschriften finden. Aber unter Müttern geht es um mehr als die pure Information. Es ist das Gefühl, das zählt. Denn nichts ist so beruhigend, wie die eigenen Ängste mit anderen Mamas zu teilen.

Und damit sind wir beim dritten und wichtigsten Grund für die große Bedeutung der anderen Mütter. Sie sind nicht nur da und in exakt der gleichen Situation, sie empfinden ebenso wie wir selbst. Diese Empathie lässt uns locker jegliche Grenzen überwinden, sei es die von Scham, Zeit und Raum (wobei uns Letzteres auch zu Wondergirls der Wissenschaft macht, aber das nur nebenbei). So haben meine beste Mama-Freundin und ich uns bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die verpackten Popos unserer Babys an die Nase gehalten, um die fachkundige Meinung der anderen zum Windelwechsel einzuholen. War es nur ein geruchsintensiver Pups oder doch eine größere Sache? In Cafés und Restaurants rückten daraufhin die um uns Sitzenden möglichst unauffällig ab. Uns tangierte das nicht. Waren wir doch Mütter im Einsatz. Und das in einer 24-Stunden-Schicht, sieben Tage die Woche. Nächtliche Telefonkonferenzen zählten zum Standard. Ob unruhiger Schlaf, Durchfall oder Fieber, fachkundige Diagnosen und First-Aid-Maßnahmen allein halfen nicht. Erst das Mitleiden der Co-Mama konnte unser bebendes Mutterherz wieder zur normalen Schlagzahl zurückführen. Denn niemand fühlt das, was wir fühlen, außer eben eine andere Mutter.

bal
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