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Interview

Moderatorin und Mama: Enie van de Meiklokjes: "Ich wollte nie eine Helikoptermutter werden"

Schon seit Jahren ist Enie van de Meiklokjes aus dem deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Für ein Projekt verbrachte die zweifache Mutter nun einige Zeit in Kenia – und hat sich bei den Müttern dort ein bisschen was abgeschaut.

Von Michaela Puschmann

Enie van de Meiklokjes

Enie van de Meiklokjes ist Moderatorin, Backfee, Stil-Ikone – und Mutter von Zwillingen

Picture Alliance

Sie ist Moderatorin, Backfee, bunt gekleidete Stil-Ikone und Mutter von einjährigen Zwillingen. Was viele nicht wissen: Seit über zehn Jahren engagiert sich Enie van de Meiklokjes für das Deutsche Kinderhilfswerk und ist aktuell Aktionsbotschafterin für die Initiative "1 Packung = 1 lebensrettende Impfdosis" von Pampers für Unicef. Diese Arbeit führte sie im Juni nach Kenia, um den Kampf gegen Tetanus in Entwicklungsländern vor Ort zu unterstützen. Im Rahmen eines Presselunches in Hamburg berichtete Enie von der Situation in Kenia und ihren ganz persönlichen Eindrücken. Bei der Gelegenheit sprach sie mit Nido über schicke Mütter, den Geruch von Nairobi  – und darüber, was wir von afrikanischen Eltern lernen können.

Enie van de Meiklokjes

Enie bei ihrer Ankunft in Kerinkani

Nido: Bevor man Kinder hat, malt man sich oft aus, wie man als Mutter gerne sein möchte – um hinterher doch alles ganz anders zu machen als geplant. War das bei dir auch so?

Enie: Also, ich hatte Angst davor so eine Helikoptermutter zu werden - so eine ganz furchtbare, die den ganzen Tag nur auf ihr Kind fokussiert ist, bei der sich alles um die richtigen Windeln und das richtige Essen dreht. So wollte ich nie sein und bin es zum Glück auch nicht geworden.

Auf Instagram posten viele Mütter unter dem #momconfessions lustige Geständnisse aus ihrem Mama-Alltag, beispielsweise, dass sie beim Vorlesen eine oder mehrere Seite auslassen. Was hältst du davon und fällt dir eine #momconfessions-Situation ein?

Ich lese auf Instagram sehr gerne mit und finde, Humor und Mutterrolle widersprechen sich überhaupt nicht. Meine #momconfession: Ich habe es genossen, während der Reise in Kenia ein paar Nächte am Stück durchschlafen zu können.

Wie ließ sich deine Reise nach Kenia denn mit deinem Familienalltag vereinbaren?

Die Frage, wie man alles unter einen Hut bekommt, finde ich generell Quatsch: Es geht immer irgendwie – man darf sich nur nicht zu viele Gedanken machen. Schließlich gibt es ja auch noch die Väter und viele von denen sind tatsächlich die besseren Mütter. Wenn Väter auf Dienstreise gehen, sagt ja auch keiner was, aber Mütter müssen sich andauernd rechtfertigen. Bei uns gibt es so etwas nicht.

In Nairobi hast du Kinder gesehen, die in Slums leben und im Müll spielen. Hat sich dein Blick auf unsere Wohlstandsgesellschaft dadurch verändert, bist du kritischer geworden?

Klar war es komisch, als ich zum ersten Mal unmittelbar in den Slums von Nairobi stand und mir bewusst wurde, dass das jetzt keine Filmkulisse ist. Aber ich war mir bereits vorher im Klaren darüber, was mich dort erwarten wird und ich bin der Meinung, dass man die zwei Welten auch nicht miteinander vergleichen sollte – die Menschen leben dort unter ganz anderen Bedingungen und haben für vieles auch ein ganz anderes Verständnis als wir. Wie gesagt, das kann man nicht vergleichen und man kann seine Kinder auch nicht so erziehen, als würde man in Afrika leben.

In einer Hinsicht bin ich aber doch etwas kritischer geworden: Seit ich die Müllflüsse in den Slums gesehen habe, hinterfrage ich mein eigenes Wegwerf-Verhalten noch mehr als vorher. Ich komme aus dem Osten, da hat man einmal pro Woche den Müll runtergebracht – heute machen wir das jeden Tag. Das muss nicht sein, man sollte sich gut überlegen, wie viel Müll man eigentlich produziert. Ich glaube, daran krankt unsere Gesellschaft noch ein bisschen. Ansonsten ist mir der krasse Geruch bis heute in der Nase geblieben – es riecht überall nach verbranntem Holz, für mich definitiv der Duft von Afrika. So etwas habe ich vorher noch nie gerochen und ich habe eine sehr sensible Nase. Ach ja, und ich habe festgestellt, dass ich wohl eher eine afrikanische Mama bin.

In welcher Hinsicht?

Naja, da war so ein Selbstverständnis zwischen Müttern und ihren Kindern. Die Kinder sind immer dabei, hüpfen neben der Mutter her oder sind auf ihren Rücken gebunden – und trotzdem unterhält sich die Frau ganz entspannt. Deutsche Mütter legen ja oft so eine anstrengende Überfürsorge an den Tag. Ich habe entdeckt, dass ich auch eher so ticke wie die afrikanischen Mamas. Bei mir ist es genauso: die Kinder spielen und erst wenn's blutet, komme ich. Kinder müssen Erfahrungen machen und dafür brauchen sie Raum.

Erzähl mal, was machen afrikanische Mütter denn anders?

Naja, da wird halt nicht fünfmal überlegt, ob das Kleine jetzt in der richtigen Position im Wickeltuch sitzt. Solange es dem Kind gut geht und man ihm ganz viel Liebe gibt, ist alles fein. Die Mütter haben dort eine ganz andere Herzlichkeit. Mir ist aufgefallen, dass sie ihre Kinder gar nicht küssen, so wie wir das hier kennen. Sie haben dann andere liebevolle Gesten, um ihre Zuneigung auszudrücken. Ich finde es sowieso immer interessant, auf Mutterschaft in anderen Ländern zu gucken. Überhaupt war es beeindruckend zu sehen, wie die Frauen in Kenia untereinander vernetzt sind.

Enie van de Meiklokjes

Enie im Gespräch mit Mutter Emily

Wie hat sich das denn geäußert?

Zum Beispiel haben sie sich beim Impfen gegenseitig Mut gemacht und sich untereinander ausgetauscht. Ich habe gesehen, wie viele Informationen über dieses Frauennetzwerk weitergegeben werden. Das hat viele positive Auswirkungen, weil die Jüngeren von den Erfahrungen der Älteren profitieren, aber auch Nebenwirkungen, zum Beispiel wenn die Großmutter davon überzeugt ist, dass man durchs Impfen erst recht krank wird.

Für deinen ausgefallenen Look bist du ja bekannt – da hat sich also nichts geändert, seit die Zwillinge da sind?

Nein, überhaupt nicht! Nur weil ich Kinder habe, bin ich ja immer noch die gleiche Frau und möchte mich schick machen für meinen Mann (lacht). Und natürlich für mich selber – das erhöht einen ja und gibt einem einfach ein gutes Gefühl, wenn man gut aussieht. Jetzt noch den Mann und die Kinder schick anziehen und alles ist gut! Ich sage immer: "Es kotzt sich viel schöner auf Designer-Klamotten als auf Einheitsmode." Außerdem kann man doch alles waschen – ist doch ganz egal, ob das Kind auf Lena Hoschek göbelt, für alles gibt es einen Fleckenteufel.

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