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Prügelstrafe teilweise legal: US-Schule bittet Eltern schriftlich um Erlaubnis, ihren Kindern den Hintern zu versohlen

Eine Schule in Georgia sorgt für Schlagzeilen, weil sie Kinder mit einem Holzpaddel schlagen möchte. Tatsächlich sind Prügelstrafen in vielen US-Staaten legal. Der Schulleiter verteidigt seinen Vorstoß.

Das Holzwerkzeug für das Schlagen von Kindern an der Schule in Georgia muss 61 cm lang, 15 cm breit, und knapp 2 cm dick sein

Das Holzwerkzeug für das Schlagen von Kindern an der Schule in Georgia muss 61 cm lang, 15 cm breit, und knapp 2 cm dick sein

Getty Images

"An dieser Schule nehmen wir Disziplin sehr ernst", sagt Schulleiter Jody Boulineau gegenüber dem Lokalsender WRDW TV. Die Georgia School for Innovation and the Classics (GSIC), der er vorsteht, habe vor Kurzem ein Formular an die Eltern ihrer Schüler geschickt. Der Inhalt: Die Schule bittet um die Erlaubnis, die Kinder bei Fehlverhalten körperlich zu züchtigen. Die Ausbildung an der GSIC im kleinen Städtchen Hephzibah beginnt im Kindergartenalter und geht bis zur neunten Klasse.

Im Wortlaut heißt es US-Medienberichten zufolge in dem Schreiben: "Der Schüler wird in ein Büro hinter geschlossenen Türen verbracht. Der Schüler wird seine Hände auf seine Knie oder ein Möbelstück legen und ihm wird mit einem Paddel auf den Hintern gehauen." Nicht mehr als drei Schläge soll es geben und ein "erwachsener Zeuge" müsse anwesend sein. Auch die genauen Maße des Schlagwerkzeugs sind dem Bericht zufolge festgelegt: 61 cm lang, 15 cm breit, knapp 2 cm dick und aus Holz soll es sein.

19 US-Staaten erlauben Prügelstrafe

Was aus deutscher Sicht geradezu aberwitzig klingt, ist in den USA zwar auch nicht alltäglich - wie die vielen Reaktionen und Medienberichte zeigen. Aber tatsächlich ist die Prügelstrafe an öffentlichen Schulen in 19 US-Staaten auch heute noch erlaubt. Neben Georgia dürfen Lehrer etwa auch in Mississippi, Texas, Alabama, Arkansas, Oklahoma und Louisiana zuhauen. Dass es dafür aber solch ein formelles Prozedere samt Einverständniserklärung gebe, sei sehr ungewöhnlich, heißt es in US-Medien.

Einer Studie der Society for Research in Child Develpoment aus dem Jahr 2016 zufolge erhielten im Schuljahr 2013/14 in den USA mehr als 160.000 Schüler eine Prügelstrafe, zumeist mit einem Holzbrett oder -paddel. Rund zehn Jahre davor seien es noch 270.000 Schüler gewesen. Bis zu 20.000 davon hätten anschließend medizinisch behandelt werden müssen, etwa wegen Hämatomen, Prellungen oder gebrochenen Knochen.

Im Jahr 1977 hatte der Oberste Gerichtshof der USA entschieden, dass die Prügelstrafe nicht gegen die Verfassung verstoße. Damals war die Praktik noch in 48 von 50 Staaten legal. Zuletzt verbot 2011 New Mexico das Schlagen von Kindern aus angeblich erzieherischen Gründen.

Prügelstrafe trifft vermehrt Schwarze und Behinderte

Die Autoren der oben genannten Studie bemängeln, dass in den 19 Staaten, in denen die Prügelstrafe weiter erlaubt ist, ein Mitarbeiter der Schule Straffreiheit für etwas genießt, für das die Eltern des Kindes angezeigt werden könnten. Zudem hätten Untersuchungen gezeigt, dass die Prügelstrafe ungleichmäßig angewendet werde. So hätten etwa schwarze Kinder in Alabama und Mississippi eine mindesten 51 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit als weiße Kinder, getroffen zu werden. In acht Staaten seien Jungen einem fünffach höheren Risiko ausgesetzt, von Lehrkräften verhauen zu werden. Auch Kinder mit Behinderungen, darunter auch Autismus und Tourette, würden in südöstlichen Bundesstaaten deutlich öfter in der Schule geprügelt.

Kürzlich sorgte ein Fall aus North Carolina für Schlagzeilen. Dort schaffte einer der letzten beiden Schulbezirke die Prügelstrafe ab. Kurioserweise gegen den einhelligen Widerstand der Eltern. Mit Blick auf eine Studie aus 2017 ist das nicht mal überraschend. Damals hatten rund drei Viertel der US-Amerikaner angegeben, es sei "manchmal notwendig, ein Kind zu verhauen".

Schulleiter: Ich sehe das eher als Abschreckung

Im beschaulichen Hephzibah in Georgia ist auch Schulleiter Boulineau von seiner Neuerung überzeugt. "Es gab eine Zeit, in der körperliche Züchtigung in Schulen so ziemlich die Norm war, und damals hatte man nicht die Probleme, die man heute hat", wird Boulineau zitiert.

Etwas mehr als 100 Formulare habe die Schule bereits zurückerhalten. Rund ein Drittel der Eltern hätten ihr Einverständnis für die Prügelstrafe gegeben. Die Reaktionen seien unterschiedlich ausgefallen. Manche hätten den Schritt begrüßt, andere hätten nicht glauben können, was die Schule da mache. Aber die Eltern hätten schließlich die Möglichkeit, ihre Zustimmung zu verweigern. Bei einem entsprechenden Fehlverhalten würden ihre Kinder dann eben fünf Tage suspendiert. "Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das viel eingesetzt wird", so Boulineau. Er sehe die Prügelstrafe eher als eine Methode zur Abschreckung.

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fin / tis