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Diskussion auf Twitter: Eine Frau twittert übers Stillen und öffnet mit einem Detail vielen Menschen die Augen

"Jemand hat mir gerade erzählt, dass sie etwa 4866 Stunden ihres Lebens mit Stillen verbracht hat", twitterte eine amerikanische Professorin – und folgerte daraus etwas, worauf viele Eltern vermutlich bisher noch nicht gekommen sind.

Eine Mutter stillt ihr Baby

Das Stillen ist definitiv eine feine Sache für Babys – aber gratis ist es nicht

Unsplash

Fast jeder frischgebackenen Mutter wird Stillen direkt als beste Option für die Ernährung ihres Babys empfohlen. Es schafft eine enge Bindung zwischen Mutter und Kind, ist gesund und kostet nichts. Im Gegensatz zu Milchpulver, für das Eltern reichlich Geld in den Drogerien und Supermärkten dieser Welt lassen, wenn es mit dem Stillen nicht klappt, die Mutter es nicht möchte oder es aus pragmatischen Gründen eben nicht geht. Aber ist der finanzielle Aspekt ein echtes Argument? Mit einem einzigen Tweet hat die amerikanische Geschichtsprofessorin Kera Lovell diese Idee ins Wanken gebracht.

"Jemand hat mir gerade erzählt, dass sie etwa 4866 Stunden ihres Lebens mit Stillen verbracht hat und dass Muttermilch nur dann gratis ist, wenn man die Zeit und die Körper von Frauen sowie ihre Erziehungsarbeit nicht wertschätzt", schreibt sie. 4866 Stunden! In der Tat, wenn man sich mal einen durchschnittlichen Stundenlohn für diese Zeit – in der man wohl keiner Lohnarbeit nachgehen kann – zusammenrechnet, käme da eine ordentliche Summe zusammen.

Natürlich muss eine junge Mutter nicht konkret Geld ausgeben – außer für Still-BHs und Stilleinlagen –, um stillen zu können. Aber es ist auch Arbeit. Denn in dieser Zeit kann die Frau nichts anderes tun. Und trotzdem fühlen sich manche Frauen sogar noch schlecht, wenn der Mann abends von der Arbeit nach Hause kommt und sie das Gefühl haben, den ganzen Tag "nichts getan" zu haben.

"Eine Runde Stillen dauerte eine Stunde und 10 bis 12 Mahlzeiten am Tag bedeuten, dass das mehr als ein Vollzeitjob war", schreibt etwa Cecily Buell. "Ich fühlte mich schuldig, den ganzen Tag nichts geschafft zu haben, aber dann fiel mir ein, dass mein Job ja war, ein Baby zu füttern."

Gareth Owen fügt hinzu: "Es ist genauso gratis wie Arbeit im Haushalt, Rasenmähen, Regale aufbauen. Die Währung hier ist Zeit und nicht Geld. Also ja, es ist gratis in dem üblichen Sinn, in dem wir das Wort 'gratis' benutzen, aber nicht, wenn man die Kosten ganzheitlicher betrachtet."

Eine Mutter namens Katherine Mobbs hat die Zeit, die sie gestillt hat, ebenfalls grob überschlagen: "Ich habe etwa 690 Stunden mit Stillen verbracht, und darin ist die Zeit, die ich fürs Abpumpen investiert habe, nicht eingerechnet. Es ist eine Menge, aber eine Herzensaugabe."

Andere Frauen wiesen darauf hin, dass in Norwegen arbeitende Mütter täglich zwei Stunden frei bekommen, um zu Hause oder auch im Büro ihre Babys zu stillen oder für sie Milch abzupumpen.

Zeit ist bekanntlich Geld. Und die Zeit, die Mütter mit dem Füttern ihrer kleinen Kinder verbringen, sollte nicht einfach hingenommen oder ignoriert werden. Stillen ist toll – aber gratis ist es nicht.

Quellen: Twitter / "Indy100"

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wt
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