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"Frühjahrsoffensive" der Taliban: Drei Polizisten in Afghanistan getötet

Jedes Jahr greifen die Taliban mit Ende des Winters wieder verstärkt an. Die radikalen Islamisten drohen mit einer neuen "Frühjahrsoffensive". Beim ersten Angriff sterben drei Polizisten.

Die radikalislamischen Taliban haben eine neue Frühjahrsoffensive in Afghanistan angedroht und gleich drei Polizisten getötet. In einer Mitteilung kündigten sie an, von diesem Sonntag an auf "systematische und koordinierte Weise" gegen internationale Truppen, Militärflughäfen und Botschaften vorzugehen. Ziel sei es, landesweit so viele Menschen wie möglich in ihre Gewalt zu bringen oder zu töten. Auch Polizisten, Armeeangehörige und andere Regierungsmitarbeiter seien im Visier.

Die sogenannte "Frühjahrsoffensive" ist Teil einer Strategie der Taliban. Demnach haben spektakuläre Terroraktionen Vorrang vor aufreibenden, stundenlangen Gefechten. Im vergangenen Jahr hatten die Taliban ihre Offensive mit einer blutigen Anschlagsserie begonnen.

Dieses Mal blieb es zunächst verhältnismäßig ruhig. Allerdings starben drei Polizisten, als ihr Fahrzeug im Südosten des Lands in eine Sprengfalle der Taliban geriet. Zwei weitere Polizisten seien bei der Explosion verletzt worden, sagte ein Sprecher der Provinz Ghasni am Sonntag.

"Frühjahrsoffensive" als "Propagandahülse"

Die Regierung in Kabul reagierte gelassen auf die Ankündigung der Taliban. Die afghanische Armee sei gut gerüstet, um jeden Angriff zu vereiteln, erklärte das Verteidigungsministerium am Samstag. Die Armee sei inzwischen für die Sicherheit in 90 Prozent des Landes zuständig und bereite sich darauf vor, die Verantwortung für das ganze Land zu übernehmen. Die "Feinde Afghanistans" fürchteten diese Entwicklung und wollten die öffentliche Meinung deshalb beeinflussen.

Auch das Verteidigungsministerium in Berlin hat schon wiederholt vor einer Überbewertung solcher Drohungen gewarnt. Im vergangenen Jahr hatte ein Sprecher den Begriff "Frühjahrsoffensive" als "Propagandahülse" bezeichnet.

Der 28. April markiert den Sturz der Regierung von Mohammed Nadschibullah im Jahr 1992, dem früheren kommunistischen Präsidenten Afghanistans. Dies gilt auch als Beginn des Bürgerkrieges. Die Vereinten Nationen hatten in dieser Woche mitgeteilt, dass es in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres nahezu 30 Prozent mehr zivile Opfer gegeben hat als im Vorjahreszeitraum.

jat/DPA / DPA
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