"Maersk Alabama" FBI verhandelt mit Piraten über entführten Kapitän


Das Ringen um den von Piraten gekidnappten Kapitän des Frachters "Maersk Alabama" hält an. Inzwischen hat sich die US-Bundespolizei FBI in die Lösegeld-Verhandlungen mit den vier Piraten eingeschaltet. Ein US-Zerstörer überwacht die Situation, die für die Kidnapper auch aus einem anderen Grund immer ungemütlicher wird.

Mit einem US-Schiffskapitän als Geisel, aber ohne Benzin an Bord versuchen vier somalische Piraten nach einem fehlgeschlagenen Überfall auf das Containerschiff "Maersk Alabama", doch noch Lösegeld zu erpressen. "Dem Rettungsboot ist offensichtlich das Benzin ausgegangen", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton am Donnerstag zu dem Fall. Die Seeräuber hatten das Schiff am Mittwochmorgen 500 Kilometer vor der somalischen Küste gekapert. Der 20-köpfigen Crew gelang es jedoch noch am Abend, das Schiff zurückzuerobern. Doch die vier Seeräuber konnten mit Kapitän Richard Philipps (53) als Geisel auf einem Beiboot entkommen.

In die Verhandlungen mit den Piraten hat sich jetzt die US- Bundespolizei FBI eingeschaltet. Ein Behördensprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht des TV-Senders CNN. "Wir verfolgen die Entwicklung sehr genau", sagte Clinton am Donnerstag zu dem Fall, ohne aber Einzelheiten zu nennen.

"Die Sicherheit des Kapitäns hat höchste Priorität", sagte ein Sprecher der US-Reederei Maersk. Oberstes Ziel sei ein "friedliches Ende". Nach den jüngsten Kontakten mit den Piraten gehe man davon aus, dass der Kapitän unverletzt sei.

Zugleich zeigte sich die Reederei erleichtert, dass das US-Kriegsschiff "USS Bainbridge" am Donnerstag die "Maersk Alabama" vor der somalischen Küste erreicht hat. "Die Lage auf dem Schiff ist unter Kontrolle", sagte der Sprecher. Die Reederei habe Kontakt zu dem Schiff, das nun wieder Kurs auf den kenianischen Hafen Mombasa genommen hat.

Unterdessen wollend die US-Streitkräfte ihre ihre militärische Präsenz am Horn von Afrika innerhalb der nächsten 48 Stunden ausbauen. Das erklärte der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Mittleren und Nahen Osten, General David Petraeus, am Donnerstag im US-Staat Florida. Die USA wollten sicherstellen, dass für die nächsten Tagen alle möglicherweise gebrauchten Ressourcen vorhanden seien, erklärte Petraeus.

Nach Informationen des britischen Rundfunksenders BBC haben die Piraten an Bord des Beibootes Wasser und Lebensmittel für eine Woche. Die vier Seeräuber verlangen Lösegeld für die Freilassung des Kapitäns, sagte der Zweite Offizier der "Maersk Alabama", Ken Quinn, in einem Telefongespräch mit dem US-Nachrichtensender CNN. Das Boot der Piraten war bei dem Überfall gesunken.

Ein Sprecher der Reederei Maersk betonte, nun, da der US-Zerstörer vor Ort sei, sei die Navy für die Verhandlungen mit den Piraten zuständig. Zuvor hatte Quinn erklärt, die Besatzung stehe mit dem Kapitän und den Seeräubern per Funk in Verbindung. "Wir bieten ihnen an, was wir können. Aber es läuft nicht so gut." FBI-Sprecherin Denise Ballew sagte, FBI-Krisenvermittler seien von der Marine gebeten worden, bei den Verhandlungen mit den Piraten zu assistieren

Die Entführung des 155 Meter langen Containerschiffes war der sechste Piratenüberfall innerhalb einer Woche vor der somalischen Küste - ungeachtet aller Sicherheitsvorkehrungen und Patrouillen internationaler Marineeinheiten. Die "Maersk Alabama" ist ein 17 000- Tonnen-Schiff. Nach Reederei-Angaben hatte der Frachter 400 Container mit Nahrungsmitteln an Bord, unter anderem für das Welternährungsprogramm WFP. Das Schiff war im Liniendienst auf der Fahrt nach Mombasa.

Ungewiss ist auch weiterhin das Schicksal der fünf Deutschen, die sich zusammen mit 19 anderen Seeleuten auf dem von Piraten gekaperten Frachter "Hansa Stavanger" befinden. Das vor einigen Tagen im Indischen Ozean entführte Containerschiff ist nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" nicht mehr auf hoher See. Es habe in der Bucht Harardere unmittelbar vor dem somalischen Festland Anker geworfen. Piraten bewachten den Frachter der Hamburger Reederei "Leonhardt und Blumberg". Von offizieller Seite war am Donnerstag in Berlin zu dem Bericht keine Stellungnahme zu erhalten.

Bei den deutschen Staatsbürgern handelt es sich nach Angaben des "Spiegel" um den Kapitän und vier leitende Schiffsoffiziere. Der Frachter war am vergangenen Samstag von den Seeräubern geentert und - offenbar beobachtet von mehreren Kriegsschiffen - Richtung Somalia gefahren. Aus sicherer Entfernung werde der Frachter nun von der Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern" beobachtet.

GSG 9 auf dem Weg nach Kenia?

Das Magazin berichtete weiter, dass der Krisenstab im Auswärtigen Amt zunächst eine gewaltsame Befreiung der Besatzung erwogen habe. Außer den Deutschen sind weitere 19 Personen aus verschiedenen Nationen an Bord. Ferner soll ein Vorauskommando der Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei bereits auf dem Weg nach Kenia sein. Neben dem deutschen Frachter liegen offenbar weitere Schiffe in der Bucht, für die Lösegeld verlangt werde. Laut "Spiegel" haben sich die Piraten am vergangenen Dienstag telefonisch bei der Hamburger Reederei gemeldet und ein Lösegeld in Millionenhöhe gefordert.

Der Piraten-Experte Michael Stehr vom Deutschen Marine Institut in Bonn sieht in der Verlagerung der Piratenüberfälle weg von der eigentlichen somalischen Küste und dem Golf von Aden einen Erfolg der Patrouillen internationale Kriegsschiffe. "Nun müsste man dieses Modell übertragen auf die Hauptschifffahrtslinie Asien-Kapstadt, die zugleich auch die Regionalsschifffahrtslinie Ostafrika ist", sagte er dem Rundfunksender MDR. Als Alternative biete sich eine "ganz enge See-Blockade der somalischen Piratennester" an.

DPA/AP AP DPA

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