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"Peta"-Aktion: "Gipfel der Geschmacklosigeit"

Provokante Sprüche sind für "Peta" nichts Neues - jetzt macht die Tierschutzorganisation mit der neuen Anti-Fleisch-Kampagne "Gegen den Holocaust auf deinem Teller" unangenehm von sich reden. Der Zentralrat der Juden prüft bereits eine Klage.

Die weltweit größte Tierschutzorganisation "Peta" will im März 2004 ihre umstrittene Anti-Fleisch-Kampagne "Gegen den Holocaust auf deinem Teller" aus den USA auf Deutschland übertragen. Die radikalen Tierschützer haben jetzt auch noch einen Brief an Paul Spiegel, den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, geschrieben und ihn um Unterstützung der Kampagne gebeten.

"Wir hatten in den letzten Tagen wegen der Hohmann-Affäre genug zu tun und noch keine Reaktion auf Peta vorbereitet", hieß es am Mittwoch aus dem Büro des Zentralrats in Berlin. Allerdings können die Peta-Aktivisten auch so genau wissen, was Spiegel von der Holocaust-Kampagne hält: In einem Interview der Zeitschrift "Bunte" nannte der Zentralrats-Präsident die geplante Aktion "menschenverachtend" und "eine Beleidigung aller Opfer des Holocausts". Der Jurist des Zentralrats prüft eine Klage.

Protest jüdischer Organisationen

Doch das dürfte den Tierschützern gar nicht ungelegen kommen - so wird die provokante Kampagne noch vor ihrem Start diskutiert. Auch in den USA protestierten jüdische Organisationen, und US-Sender weigerten sich, die Peta-Werbung auszustrahlen. Bei MTV Deutschland wurde der Holocaust-Spot dagegen schon gezeigt - mit einer Stimme im Hintergrund: "Sie holten uns in der Dunkelheit und trieben uns mit Schlägen in die Waggons."

Dennoch plant Peta für Deutschland eine "sanftere" Variante der US-Kampagne: keine großen Plakatwände, dafür aber eine Wanderausstellung, einen Internet-Auftritt und Flugblätter. Was die Peta-Kritiker am meisten aufbringt, ist eine Fotomontage von Menschen, die in Konzentrationslagern gequält werden, und Hühnern in Käfighaltung. Cynthia Kain, stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, hat auf diesen Fotos im Internet eine unerwartete Entdeckung gemacht.

Bekannte auf KZ-Fotos identifiziert

"In unserem Bekanntenkreis gab es einen älteren Herren, der sich auf diesen Bildern wiedererkannt hat", sagt Kain. "Ein Mensch, der auf diesem Foto drauf ist und sich einer Legebatterie von irgendwelchen Hennen gegenübergestellt sieht - ich finde, das ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit." Doch für den Stuttgarter Peta-Kampagnenleiter Harald Ullmann gibt es keine Unterschiede.

"Die Tiere haben genauso ein Recht auf ein unversehrtes und schmerzfreies Leben wie wir auch. Wir brauchen kein Fleisch für die menschliche Ernährung, wir brauchen kein Fleisch zum Überleben. Das Schlachten von Tieren ist eine moderne Form des Holocaust", sagt der Schwabe. Dabei beruft er sich ausgerechnet auf einen jüdischen Schriftsteller, der 1991 gestorben ist. "Das Konzept dieser Kampagne geht auf den jüdischen Nobelpreisträger Isaak Bashevis Singer zurück. Der sagte, wenn es um die Tiere geht, wird jeder zum Nazi. Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka", meint Ullmann.

Provokante Sprüche sind für Peta nichts Neues. In einem Brief an Palästinenserpräsident Jassir Arafat protestierten die Tierschützer unlängst gegen ein Selbstmordattentat - aber nicht wegen des Todes von Menschen, sondern weil der Sprengstoff auf einen Esel geladen war und mit dem Tier zu früh explodierte. "Wir sind eine Tierschutzorganisation. Wenn es um Massentierhaltung geht, wird auch nicht der Kinderschutzbund gefragt", sagt Ullmann dazu.

"Ungeheuerliche Anmaßung"

In Deutschland machte Peta vor allem durch eine Anti-Pelz-Kampagne von sich reden. Dafür ließen sich die Rocker von den "Toten Hosen" nackt fotografieren. Auch Moderatorin Nina Ruge, Model Nadja Auerbach und Rapper Thomas D. unterstützen die Aktion. Von der Holocaust-Kampagne hat sich Ruge aber scharf distanziert: "Das ist eine ungeheuerliche Anmaßung", sagte sie der "Bunten".

Ayala Goldmann