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Abgabe für Kinderlose Kopulieren für die Volksgemeinschaft


Natürlich haben die jungen Wilden in der CDU sich nichts dabei gedacht. Jedenfalls nichts Gutes. Trotzdem muss man über ihren Vorschlag einer Kinderlosenabgabe nachdenken - und zwar konsequent!
Eine Glosse von Manuela Pfohl

Soso, Kinderlose sollen also eine Abgabe zahlen. Eine Sondersteuer, um die öffentlichen Kassen zu füllen. Geht es nach den jungen Wilden in der CDU, die diesen Vorschlag gemacht haben, wird er noch in dieser Legislatur zum Thema im Parlament. Machtwort von Merkel hin oder her. Natürlich schreit da die Lobby der Kinderlosen Zeter und Mordio - und was soll ich sagen, sie schreit zu Recht. Denn, liebe Freunde von Möhrenbrei und Kinderkacke, warum sollte ein kinderloser Mensch dafür zahlen, dass er keine Kinder hat?

Die jungen Wilden sagen, es ginge um die Schließung einer Gerechtigkeitslücke, weil die Menschen mit Kindern mehr für die Gesellschaft leisten als Menschen ohne Nachwuchs. Und weil sie dafür obendrein noch kräftig draufzahlen. Das klingt erstmal plausibel. Allein schon, wenn man bedenkt, wie viele Nächte ein Mensch im Laufe seiner Elternkarriere mit schreienden Babys und hysterisch kreischenden Teenagern zubringt, während der kinderlose Nachbar von nebenan mit seiner Schickse gemütlich in der Kneipe sitzt und Bier trinkt. Nur: Was haben die Eltern von einer Sondersteuer, die in die öffentlichen Kassen fließt, und dort still und bescheiden versickert? Ja, wenn es eine direkte Abgabe wäre, also der kinderlose Nachbar verpflichtet wird, Mutti und Vati mindestens zweimal die Woche zum Bier in die Kneipe einzuladen und in der Zeit schreiende Babys und kreischende Teenager zu hüten, dann könnte man darüber reden. Aber so?

Kopulieren für die Volksgemeinschaft?

Der Verdacht liegt ohnehin nahe, dass es in Wirklichkeit gar nicht um die Unterstützung der Eltern geht, sondern um etwas ganz anderes. Der Sprecher der Jungen Gruppe in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marco Wanderwitz, erklärt denn auch ganz unumwunden: "Unsere Sozialversicherungssysteme funktionieren nicht, wenn es zu wenige Kinder gibt." Damit ist die Katze aus dem Sack! Mehr Kinder sollen her, und wer nicht freiwillig und mit Erfolg für den Erhalt der Volksgemeinschaft kopuliert, muss Strafe zahlen. Und zwar - nach Meinung der jungen Wilden - ab dem Alter von 25 Jahren ein Prozent seines Einkommens.

Zeigt sich jemand einsichtig und steuert in angemessener Zeit wenigstens ein Kind zur demografischen Balance bei, muss er nur noch die Hälfte blechen. Das klingt nach fundamentaldiktatorischem Blödsinn - und ist es auch. Aber das ist schon okay. Das Problem ist nur, dass sich mit der Sondersteuer für Kinderlose der Anreiz nicht erhöht, sich eins, zwei, drei, vier oder gar fünf Kinder anzuschaffen. Liegt vielleicht daran, dass die Kinderlosen intellektuell nicht damit blockiert sind, mit ihrem Nachwuchs das kleine Einmaleins zu üben, sondern sich mit etwas anspruchsvollerer Wahrscheinlichkeitsrechnung beschäftigen können: Wie wahrscheinlich ist es, dass der kleine Wonneproppen, der der Nachbarin regelmäßig aufs frisch gebügelte Seidenblüschen kotzt, später mal so viel verdient, dass die Mutti sich davon in den Süden absetzen kann? Und wie wahrscheinlich ist es, dass mich die Zahlung einer Kinderlosensteuer immer noch billiger kommt als die Finanzierung des Nachwuchses, der womöglich aus lauter Daffke auch noch studieren will?

Die Rentner müssen ran!

Nein Freunde, mit der Kinderlosenabgabe kommen wir nicht weiter. Im Gegenteil: Wir brauchen eine Steuer für Menschen mit Kindern! Sagen wir jeweils ein Prozent des Einkommens von Mutti und Vati. Und mit jedem Kind steigt die Abgabe um jeweils ein halbes Prozent. Denn mal ehrlich, ist es gerecht, dass Kinderlose Steuern zahlen, von denen dann Kindergärten und Schulen gebaut werden, in denen die Brut nix anderes lernt als ihren kinderlosen Mitmenschen mit Pipi Langstrumpf oder Wir-wissen-alles-besser - Sprüchen auf die Nerven zu gehen.

Gar nicht zu reden von all den schönen innerstädtischen Nutzflächen, auf denen Parkplätze sein könnten, wenn nicht irgendwelche Familieninitiativen sie für Spielplätze missbrauchen würden. Oder nehmen wir nur die Krankenkassen: Hat mal jemand ausgerechnet, wie viel es den Staat kostet, all die unsinnigen Zahnspangen zu finanzieren, die Kinder heutzutage tragen sollen, aber selbstverständlich nie tragen, wenn die Eltern außer Sichtweite sind? An das ganze öffentliche Geld, das sonst noch für Kinder verpulvert wird, darf man gar nicht denken.

Nein, nein, will man das Problem an der Wurzel packen, müssen die jungen Wilden der CDU dafür sorgen, dass keine Kinder mehr geboren werden. Denn keine Kinder heißt keine Kosten für niemanden. Eine Gesellschaft in Glück und Seeligkeit. Vorausgesetzt allerdings, man löst noch das Rentnerproblem. Ich sage nur Altersheimkosten und Rollatorzuschüsse. Vielleicht hilft da eine Sonderabgabe für alle über 65-Jährigen, die sich bei irgendwelchen Kaffeefahrten amüsieren und ihre Rente für Hansi-Hinterseer-CDs aus dem Fenster schmeißen, statt freiwillig ihr Feld auf der bedrohlich wankenden Bevölkerungspyramide zu räumen. Eine Steuer in Höhe von einem Prozent der Rente. Und für jedes weitere Überlebensjahr wird ein zusätzliches halbes Prozent fällig. Das wäre gerecht und konsequent!


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