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Polen Abtreibungsverbot: Schwangere stirbt an Folgen von Totgeburt

Gegner des Abtreibungsverbots protestieren in Warschau
"Ihr habt Blut an euren Händen" steht auf den Schildern von Demonstranten in Warschau. Im vergangenen Herbst protestieren Tausenden gegen das Abtreibungsverbot (Archivbild).
© Czarek Sokolowski / DPA
Das Abtreibungsverbot in Polen hat offenbar erneut ein Todesopfer gefordert. Während der Schwangerschaft mit Zwillingen sei eine Frau an den Folgen einer Totgeburt verstorben, so ihre Angehörigen.

Das Abtreibungsverbot in Polen schreibt weiter traurige Geschichte. Am Dienstag ist offenbar erneut eine Frau an einem abgelehnten Schwangerschaftsabbruch verstorben. Die 37-Jährige sei mit Zwillingen schwanger gewesen und mit Schmerzen im Unterleib ins Krankenhaus gekommen, berichten ihre Angehörigen in einem Facebook-Post. Eine Untersuchung ergab, dass ein Fötus im Mutterleib gestorben war.

Abtreibungsverbot: Schwangere stirbt an Blutvergiftung

Eine Operation und Entfernung des verstorbenen ungeborenen Kindes wäre in einem solchen Fall eigentlich zwingend erforderlich, doch das ist in Polen strengstens verboten. Stattdessen hätten die Mediziner acht Tage lang darauf gewartet, dass sich die Vitalfunktion des Zwillings von selbst stabilisiert. 

Die Frau starb infolgedessen an einer Blutvergiftung.

Ihr Tod sorgte bei der polnischen Opposition und bei Frauenrechtsaktivistinnen für Entsetzen. 

Die erzkonservative polnische Regierung hat das Abtreibungsverbot vor etwa einem Jahr verabschiedet. Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International und Human Rights Watch ziehen nun eine vernichtende Bilanz: Das Verbot habe "verheerende Auswirkungen auf das Leben von Frauen gehabt", so die Organisationen. Die ohnehin schon "extremen Hürden" seien für Schwangere noch höher geworden, dies habe "tragische Folgen" für die Frauen und ihre Familien gehabt.

Bis heute hätten sich etwa 1000 Polinnen an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gewandt, um das Gesetz der national-konservativen Regierungspartei anzufechten – bisher ohne Erfolg. 

Das Oberste Gericht in Polen hatte im Oktober 2020 die Abtreibung von schwer fehlgebildeter Föten für verfassungswidrig erklärt und damit das ohnehin schon strenge Abtreibungsrecht nochmals verschärft. 

Abtreibungsverbot in Polen schon lange ein Reizthema

Zum Jahrestag im Jahr 2021 demonstrierten tausende Frauen in Polen und anderen Ländern für mehr Selbstbestimmung und das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch. Damals schlug die Organisation "Abortions without borders" Alarm: Allein im ersten Jahr hätten etwa 34.000 polnische Frauen illegal abgetrieben. Der stern berichtete.

Dies sei allerdings nur ein Bruchteil der tatsächlichen Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Polen. Durch das verschärfte Gesetz ist eine Abtreibung in Polen nur noch legal, wenn die Schwangerschaft durch Inzest oder eine Vergewaltigung entstanden ist, oder die Gesundheit der Mutter gefährdet ist. Oftmals werden die Gefahren durch Komplikationen von Medizinern heruntergespielt, einige weigerten sich sogar, eine Diagnose zu stellen, mit der eine Abtreibung möglich wäre, erklärte Mara Clarke, Gründerin von "Abortions without borders" dem britischen "Guardian". 

Abtreibungen waren im erzkatholischen Polen bis 1932 komplett verboten. Anschließend wurde das Gesetz aufgeweicht – bis zur erneuten Verschärfung 2020. Schon in der Zeit davor wurden nur etwa 2000 legale Schwangerschaftsabbrüche jährlich vorgenommen. Frauenrechtsorganisationen schätzen jedoch, dass jedes Jahr etwa 200.000 polnische Frauen illegal abtreiben. 

Quellen: Facebook-Post, stern, mit Material von AFP


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