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Julian Reichelt freigestellt "Ich selbst bin ja eine alte Print-Sau" – Alexandra Würzbach übernimmt vorerst "Bild"-Chefredaktion

Alexandra Würzbach folgt vorerst auf Julian Reichelt an der Spitze der "Bild"-Zzeitung
Alexandra Würzbach folgt vorerst auf Julian Reichelt an der Spitze der "Bild"-Zzeitung
© Walter Bieri / Keystone / APD Photo, Norbert Schmidt / Picture Alliance
Im Zwangsurlaub für "Bild"-Chef Julian Reichelt setzt das Verlagshaus Axel Springer auf Alexandra Würzbach – eine Frau mit pikanter Vergangenheit.

Ein paar Stunden, nachdem das Beben die "Bild"-Redaktion erschüttert hatte, nahm eine Frau auf dem Stuhl des vorerst freigestellten Chefredakteurs Platz: Alexandra Würzbach leitete am Sonntag früh ab zehn Uhr die Redaktionskonferenz. "Um die Arbeit der Redaktion nicht weiter zu belasten", so eine Verlagsmitteilung vom Vorabend, hatte ihr bisheriger Chef um Freistellung gebeten.

"Bild"-Chef Julian Reichelt nach Vorwürfen freigestellt

Julian Reichelt, bis Samstag amtierender "Bild"-Chefredakteur, sieht sich einem Compliance-Verfahren ausgesetzt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, seine Machtstellung gegenüber Mitarbeiterinnen missbraucht zu haben. Einige Details der Vorwürfe gelangten an die Öffentlichkeit. Reichelt bestreitet die Vorwürfe vehement. Nun warten alle Beteiligten auf das Ergebnis einer Untersuchung der Anwaltskanzlei Freshfields. Davon hängt ab, ob Reichelt zurückkehren kann (der stern berichtete).

In der Zwischenzeit springt Alexandra Würzbach ein, die Chefredakteurin der "Bild am Sonntag". Sie gilt als erfahrene Boulevard-Journalistin, die das Handwerk von der Pike auf gelernt hat. Im vergangenen Dezember saß sie noch an der Seite von Reichelt in einem Interview und lobte eine Video-Dokumentation über die Arbeit der "Bild"-Redaktion. In dem Interview sagte sie auch: "Ich selbst bin ja eine alte Print-Sau."

Alexandra Würzbach sorgte bei "Blick" für pikante Schlagzeilen

Bekannt geworden ist Alexandra Würzbach 2002 als Reporterin der Schweizer Boulevard-Zeitung "Blick", in der sie eine angebliche Sex-Affäre des Schweizer Botschafters in Deutschland, Thomas Borer, mit der Visagistin Djamile Rowe "enthüllte", die es allerdings so nie gegeben hatte. Würzbach soll Rowe "massiv unter Druck gesetzt" und zu Falschaussagen gezwungen haben.

Sie bestritt den Vorwurf energisch. Ihr damaliger Arbeitgeber, der Schweizer Ringier-Verlag, musste sich jedenfalls öffentlich entschuldigen, Borer bekam eine siebenstellige Entschädigungssumme, und Alexandra Würzbach verließ den Verlag. Sie machte Karriere im Hause Springer, wo sie nun die Spitzenposition der "Bild"-Chefredakteurin innehat.

In einem Interview sagte sie, von "Bild" erwarte sie, "dass wir uns nicht für irgendetwas schämen und es verstecken wollen".

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