Angriff auf Köhler Eine gefährliche Umarmung


Wie kann es sein, dass es einem Mann gelingt, einfach so, ohne größere Schwierigkeiten, auf offener Straße mit dem Bundespräsidenten auf Tuchfühlung zu gehen? Eine Antwort darauf gibt es nicht - wohl aber eine darauf, was der Angreifer im Sinn hatte, und ob er seine Aktion geplant hatte.

Verletzen wollte er das Staatsoberhaupt nicht. Das sagte jetzt jener 44 Jahre alte Ingenieur aus Offenbach der "Bild"-Zeitung, der Bundespräsident Horst Köhler angegriffen hatte. "Der Bundespräsident kam aus der Kirche. Es waren nur sehr wenige Menschen da. Da habe ich ihn umarmt. Ich hätte ihn auch verletzen können, aber das wollte ich nicht". Laut "Bild"-Zeitung hatte der Mann Probleme mit seinem Vermieterund einer angeblich überhöhten Nebenkostennachzahlung. Da eine Klage des verheirateten Ingenieurs vor Gericht scheiterte, wollte der Mann Bundespräsident Horst Köhler um Hilfe bitten.

Ein Flehen um Aufmerksamkeit

"Die Richter haben in meinem Fall gegen das Gesetz verstoßen! Ich sehe keine andere Möglichkeit mehr, auf meinen Fall aufmerksam zu machen", sagte der Angreifer. Offenbar hat der Mann aber nicht im Affekt gehandelt, sondern den Übergriff auf Köhler geplant. Er sei schon mehrfach zum Bundespräsidialamt nach Berlin gefahren, sagte er, jedoch immer wieder vertröstet worden. Dabei soll er auch schon einmal über den Zaun des Amtes gesprungen sein und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs bekommen haben. Der Hausfriedensbruch sei nach Ansicht des 44-Jährigen ein "Alarmsignal" gewesen: "Der Staat sollte mir helfen!". Nach dem Zwischenfall vor der Frankfurter Paulskirche war der Ingenieur festgenommen worden, kam aber nach einigen Stunden wieder auf freien Fuß.

DPA/and DPA

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