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Attentate von Norwegen: Rechtsextremist hatte Kontakt zu Behring Breivik

Ein ehemaliger Aktivist der rechtsextremen "British Defence League" behauptet, Online-Kontakte zu Anders Behring Breivik gehabt zu haben. Der 35-jährige Paul Ray, der sich als ein Mentor des Attentäters bezeichnet, in einem "Times"-Interview: "Was er getan hat, ist das pure Böse."

Erstmals hat ein britischer Rechtsextremist zugegeben, Verbindungen zum Oslo-Attentäter Anders Behring Breivik gehabt zu haben. Ein früherer Aktivist der extrem rechten Gruppierung British Defence League sagte der Zeitung "The Times", seine strikte Anti-Muslim-Ideologie habe Breivik möglicherweise inspiriert. Sollte dies so gewesen, tue ihm das leid.

Er habe direkten Online-Kontakt mit Breivik gehabt, sagte der 35 Jahre alte Paul Ray in einem Interview mit der Zeitung, das nach Angaben des Blattes auf Malta geführt wurde. Er habe sich aber verbeten, von Breivik als "Freund" auf der Social-Media-Plattform Facebook aufgeführt zu werden. Ray gehörte der britischen Tempelritter-Bewegung an.

"Ich gehöre zu seinen Mentoren. Ich kann für ihn mit Sicherheit eine Inspiration gewesen sein", behauptete der Rechtsextremist. "Aber was er getan hat, ist das pure Böse." "Was er getan hat, passt nicht zu irgendetwas von dem, womit ich zu tun habe", sagte Ray.

Zurechnungsfähigkeit soll untersucht werden

Breivik war am Freitagmorgen unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen in einem schwarzen Jeep hinter abgedunkelten Fenstern von der Haftanstalt Ila nach Oslo gebracht worden. In der dortigen Polizeizentrale wurde er zum zweiten Mal ausführlich von Ermittlern verhört.

Polizeisprecher Pål Hjort Kraby bezeichnete den geständigen Attentäter als weiter "ausgesprochen ruhig". Kraby sagte: "Er ist mehr als willig, alles zu erklären." Zwei norwegische Rechtspsychiater sollen Breivik auf seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen und bis 1. November ihr Gutachten vorlegen.

Ein Polizeisprecher gab weiter an, dass bei dem zweiten Verhör des 32-Jährigen keine neuen Angaben zu erwarten waren. Die Ermittler waren lediglich das Protokoll des ersten Verhörs nach der Festnahme durchgegangen.

Unterdessen ist das erste von Behring Breiviks Opfern beerdigt worden: Die 18-jährige Bano Rashid war eine von 600 Teilnehmern des Sommerlagers der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF, die der Attentäter am vergangenen Freitag angegriffen hatte.

Behring Breivik hatte weitere "konkrete Anschlagspläne"

Nach Angaben seines Anwalts hatte Anders Behring Breivik bei den Anschlägen noch umfassendere Pläne. Verteidiger Geir Lippestad zur norwegischen Zeitung "Aftenposten": "Er hatte an diesem Freitag noch mehrere Pläne in unterschiedlicher Größenordnung." Diese seien "genau so konkret" gewesen wie die Bombe im Osloer Regierungsviertel und das Massaker auf der Insel Utøya.

Über den Verlauf sagte Lippestad: "Es sind an dem Tag Dinge geschehen, auf die ich nicht eingehen kann. Sie hatten zur Folge, dass alles etwas anders verlief, als er sich vorgestellt hatte." Konkret nannte der Anwalt in "Aftenposten" Breiviks Absicht, zwei weitere Gebäude "zu bombardieren".

Polizei hat alle Opfer identifiziert

Die Polizei gab am Freitag ebenfalls bekannt, dass nach dem Massaker auf der norwegischen Insel Utøya keine Menschen mehr vermisst werden. Bisher galt die Zahl von 68 Opfern des rechtsradikalen Attentäters Anders Behring Breivik galt bisher noch als unsicher.

Bereits am Donnerstag hatte die Polizei 24 weitere Namen von Opfern des Massakers veröffentlicht. Zu den Toten von der Insel gehört auch eine 22-jährige Frau aus Georgien. Darüber hinaus hat die Polizei drei Namen von den acht Opfern der in Oslo vom Attentäter platzierten Autobombe bekanntgegeben. Die Veröffentlichung von Namenslisten nach größeren Katastrophen ist in Norwegen üblich.

"Ich habe mit diesem Terroristen nichts zu tun"

Unterdessen hat sich Behring Breiviks Vater erneut von seinem Sohn distanziert: In einem nach seinen Angaben "letzten" Interview mit den Medien sagte Jens Breivik der südfranzösischen Zeitung "La Dépêche du Midi", er wolle nicht mehr über seinen Sohn sprechen. Er habe "mit diesem Terroristen nichts mehr zu tun". Sein Sohn hätte besser Selbstmord begangen, statt "so viele Menschen zu töten", sagte der 76-jährige ehemalige Diplomat weiter.

Jens Breivik verbringt seinen Lebensabend in dem kleinen südfranzösischen Dorf Cournanel. Seinen Sohn hat er seit dessen 15. Lebensjahr nicht mehr gesehen. Das Dorf sei nun sein "Asyl", sagte der 76-Jährige dem Blatt. "Ich werde niemals nach Norwegen zurückkehren können". Seine Gefühle ließen sich mit Worten nicht beschreiben, sagte der alte Mann weiter, den die Zeitung als "zutiefst traurig" beschrieb.

be/ins/DPA/AFP / DPA