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Ausschreitungen in Belgrad Mit Molotowcocktails gegen Homosexuelle


Mit massiver Gewalt haben sich rechtsextreme Randalierer in Belgrad eine Straßenschlacht mit der Polizei geliefert. Grund war ein Umzug von Homosexuellen in der serbischen Hauptstadt. Der Verteidigungsminister spricht von einem "unerhörten Ausbruch von Hass".

Nach dem ersten Umzug von Homosexuellen in der serbischen Hauptstadt Belgrad ist es am Sonntag zu massiven Ausschreitungen rechtsgerichteter Gruppen gekommen. Die Demonstranten riefen "Tod den Homosexuellen" und warfen Molotowcocktails, Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper auf die Sicherheitskräfte. Mehrere geparkte Autos wurden angezündet, Fensterscheiben gingen zu Bruch, Geschäfte wurden geplündert. Mehr als 120 Menschen wurden verletzt, die Polizei meldete fast 190 Festnahmen. Tausende Polizisten hatten den Veranstaltungsort umstellt, einen Park in der Innenstadt von Belgrad. Die rechtsgerichteten Demonstranten versuchten mehrfach, den Sicherheitsring zu durchbrechen. Sie beschossen den Sitz der in Serbien regierenden Demokratischen Partei und schleuderten Brandbomben auf das Gebäude. Das Parkhaus ging in Flammen auf. Auch Gebäude anderer Parteien und des staatlichen Fernsehens wurden angegriffen. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Vor den rund 1.000 Teilnehmern der Parade sprach der Leiter der EU-Mission in Serbien, Vincent Degert. "Wir sind hier, um diesen wichtigen Tag zu feiern, um die Werte der Toleranz, der Meinungsfreiheit und der Versammlungsfreiheit zu feiern", sagte Degert in seiner Rede. Die Parade dauerte nur 15 Minuten, danach zogen die Teilnehmer weiter zu einer Party. "Wir waren erfolgreich", riefen manche. Der serbische Staatspräsident Boris Tadic verurteilte den "Vandalismus" auf den Straßen Belgrads und erklärte, die Täter würden bestraft. Serbien garantiere die Achtung der Menschenrechte für alle seine Bürger, betonte Tadic. Bürgermeister Dragan Djilas erklärte, der Sachschaden belaufe sich Schätzungen zufolge auf mehr als eine Million Euro. Rechte hatten bereits 2001 einen Schwulen-Umzug gesprengt und im vergangenen Jahr die Absage der Veranstaltung erzwungen. Sie vertreten die Ansicht, die Veranstaltungen stünden im Widerspruch zu den religiösen Werten in Serbien.

Die Unruhen seien ein "unerhörter Ausbruch von Hass" durch eine "faschistische Gruppe", sagte Verteidigungsminister Dragan Sutanovac: "Das ist ein sehr trauriger Tag für Serbien".

AP/kmi AP

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