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Falsche Therapie Baby wird abhängig von Cortison-Salbe und zeigt starke Entzugserscheinungen

Ein Arzt untersucht ein Kind.
Nach dem Absetzen des Medikaments entdecken Ärzte bei einem Baby Entzugserscheinungen einer Cortison-Salbe (Symbolbild)
© Peter Gercke / DPA
Eigentlich versprach das Cortison-Präparat dem Baby eine schnelle Heilung. Doch beim Absetzen der Cortison-Creme zeigen sich starke Entzugserscheinungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de

Was machen Eltern, wenn ihre Kinder einen Ausschlag entwickeln, den sie sich nicht erklären können? Genau, sie fragen beim Arzt nach. So geht auch Kristi Chun aus Hawaii vor, als sie am Ohr ihres wenige Monate alten Sohnes Colby ein Ekzem entdeckt. Der Arzt verschreibt dem Kleinen eine Cortison-Salbe mit dem Wirkstoff Triamcinolon, die Kristi Chun nach dem Arztbesuch besorgt und von nun an regelmäßig auf die Babyhaut aufträgt. Was die Mutter da noch nicht ahnt: Ihr Sohn entwickelt in kurzer Zeit eine Abhängigkeit von der Creme – die in höllischen Schmerzen für den Säugling endet.

Haut des Babys zeigt heftige Reaktionen nach dem Absetzen der Salbe

Zunächst sieht es so aus, als würde das Ekzem schnell verheilen. Als der Ausschlag nach wenigen Tagen verschwunden ist, setzt Mama Kristi die Cortison-Creme wieder ab. "Der Unterschied war wie Tag und Nacht", erinnert sich Kristin im Interview mit "Jam Press". "Aber jedes Mal, wenn wir aufhörten, sie zu benutzen, kam der Ausschlag wieder und war schlimmer und viel größer als vorher oder trat an einer ganz anderen Hautstelle auf."

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Der Arzt habe ihr daraufhin geraten, die Dosierung des Mittels zu erhöhen - doch das hat schlimme Folgen. Die 38-Jährige muss dabei zusehen, wie der komplette Körper ihres Sohnes von einem extrem juckenden, nässenden Ausschlag übersät wird. Der Säugling hat so große Schmerzen, dass er ununterbrochen schreit und nicht mehr schlafen kann. "Nicht nur seine Haut wurde immer schlimmer, auch seine Lebensqualität", erinnert sich Kristi an die leidvolle Zeit zurück. Baby Colby fallen die Haare aus, seine Lymphknoten schwellen an, er verliert an Gewicht und seine Körpertemperatur schwankt. Die Mutter beginnt, um das Leben ihres Kindes zu bangen.

Zwei Monate Entzugserscheinungen

Durch Recherchen im Internet stößt Kristi darauf, dass es sich bei der Hautreaktion ihres Sohnes um Entzugserscheinungen durch den Cortison-Entzug handeln könnte, doch die Ärzte des Kindes hätten davon nichts wissen wollen. Stattdessen hätten sie ihrem Sohn Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Ichthyosis vulgaris, eine Verhornungsstörung, angedichtet. "Sie sagten, dass er das wohl den Rest seines Lebens haben würde", erinnert sich die Mutter.

Doch Kristi hat große Zweifel. Sie beschließt, die Cortison-Salbe abzusetzen. Zwei Monate lang leidet Colby noch unter den heftigen Entzugserscheinungen - dann beginnt seine Haut langsam zu heilen. Mit 20 Monaten sieht man seiner Haut die schlimmer Tortur endlich nicht mehr an. Doch die Mutter des heute Vierjährigen kann nicht vergessen, was ihrem Kleinen widerfahren ist. Sie will auf seine Geschichte aufmerksam machen - um andere Eltern vor den möglichen Folgen eines Cortison-Entzugs zu warnen.

Wie kam es zu den Entzugserscheinungen?

Hätte die Cortison-Salbe dem Säugling vielleicht gar nicht verschrieben werden dürfen? Wir fragen den Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht. Er sagt uns: Cortison-Salben mit dem Wirkstoff Triamcinolone werden auch in Deutschland regelmäßig verschrieben – auch zur Anwendung für Babys.

"Bei Ekzemen wirkt es wunderbar - quasi über Nacht gehen sie dann weg", bestätigt uns der Mediziner. Zu Problemen könne es aber kommen, wenn die Anwendung zu lange dauere. "Normalerweise sollte diese nicht länger als zwei Wochen dauern - wenn es geht, noch kürzer", sagt Dr. Specht. In seltenen Fällen könne es auch nach kurzer Anwendungsdauer schon zu solchen Entzugserscheinungen kommen wie bei Colby.

Generell, rät der Mediziner, sei es immer wichtig, mit dem behandelnden Arzt darüber zu sprechen, wie ein Cortison-Präparat angewendet und auf welche Weise es abgesetzt werden soll.

Trete dennoch eine Absetzreaktionen auf, dürfe man aber auf keinen Fall – wie das bei Baby Colby gemacht wurde – wieder das Cortison-Mittel benutzen, um die Symptome zu bekämpfen. Stattdessen könnten – natürlich in Absprache mit dem Arzt - Antihistaminika gegen die schlimmen Hautreaktionen eingenommen werden. Auch kalte Kompressen zum Kühlen der Haut könnten Linderung verschaffen, so Dr. Specht.

Wie wirkt Cortison im menschlichen Körper

Cortison ist ein körpereigenes Hormon, das als Medikament bei einer großen Anzahl von Krankheiten eingesetzt wird. Seine entzündungshemmenden Eigenschaften machen es zu einem der meistgenutzten Medikamente weltweit. Beispielsweise unterdrückt Cortison Allergien und lindert die Symptome von immunologischen Reaktionen. Bei schweren Fällen von Neurodermitis hilft ebenfalls häufig nur noch Cortison. Auch in der Behandlung von Krebs findet es in bestimmten Fällen Verwendung.

Der große Nachteil an der medikamentösen Gabe von Cortison: die vielen möglichen Nebenwirkungen. Dazu gehören ein Anstieg des Blutdrucks, Erhöhung der Blutfettwerte, erhöhte Anfälligkeit für Infekte, Wassereinlagerungen im Gewebe, Gewichtszunahme sowie Osteoporose. Durch den Eingriff in das körpereigene Hormonsystem kann dieses vor allem durch längeren Einsatz von cortisonhaltiger Medizin in seiner Funktionsfähigkeit gestört werden. Der Körper benötigt auch nach einer Absetzung nicht selten einige Zeit, bis die Hormon-Eigenproduktion wieder uneingeschränkt funktioniert.

dhe / ldh / RTL.de

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