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Badeunfall in Leer: Was trieb die Familie ins tiefe Wasser?

Nach dem tödlichen Badeunglück im ostfriesischen Leer am Sonntag bleibt die Frage: Wieso ging die Mutter mit ihren drei Kindern ins tiefe Wasser? Nach Angaben des Vaters konnte keiner von ihnen schwimmen. Jetzt untersucht die Polizei eine mögliche Schuld der Bademeisterin.

Nach dem tödlichen Badeunfall in einem Hallenbad im ostfriesischen Leer prüft die Staatsanwaltschaft ein mögliches Verschulden der Bademeisterin. Dabei soll geklärt werden, ob sie "durch bessere Beaufsichtigung, durch früheres Einschreiten" den Tod des achtjährigen Mädchens hätte verhindern können.

Die vietnamesische Frau, ihr siebenjähriger Sohn und zwei Töchter im Alter von fünf und acht Jahren waren am Sonntagnachmittag im Hallenbad von Leer leblos am Boden des Beckens entdeckt worden. Sie konnten von Badegästen und Bademeistern geborgen und erfolgreich reanimiert werden. Das ältere der beiden Mädchen starb dann in einer Spezialklinik in Oldenburg.

Vater: Keiner von ihnen konnte schwimmen

Der siebenjährige Junge und das fünfjährige Mädchen schweben weiter in Lebensgefahr. Die Mutter ist am Dienstag aus dem Koma erwacht. Körperlich gehe es ihr zwar besser, "aber sie weiß jetzt auch, dass ihre Tochter tot ist", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Werner Kramer in Aurich. An die näheren Umstände des mysteriösen Unfalls kann sich die Verletzte nicht erinnern. "Die Ärzte haben Hoffnung, dass sich ihr Zustand weiter bessert", sagt Kramer. Doch so lange bleiben die Details im Dunkeln.

Nach Angaben des Vaters, der seine Frau und die Kinder von ihrem Besuch im Hallenbad hatte abholen wollen, konnten die vier nicht schwimmen. Zeugen hatten die Leeraner Familie vor dem Unglück im Nichtschwimmerbecken gesehen. Warum sich Mutter und Kinder dann ins Schwimmerbecken begaben, ist immer noch unklar. Hinweise auf Selbstmordabsichten gebe es nicht, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es hätten sich allerdings neue Zeugen gemeldet, die möglicherweise die Umstände des Badeunfalls klären könnten.

Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei kamen die Mutter und ihre drei Kinder am Sonntag gegen 15.15 Uhr und damit eine Dreiviertelstunde vor Badeschluss in das Hallenbad der Stadt und gingen ins Schwimmbecken. Gegen 15.35 Uhr wurden ihre Körper in rund zwei Meter Tiefe am Boden liegend gefunden. "Es gab keinen Hilferuf, kein lautes Planschen - es gab nur eine seltene Stille", sagte der Geschäftsführer des Hallenbads. Er stellte sich öffentlich vor die Bademeisterin und erklärte, sie sei sofort ins Wasser gesprungen und habe die vier Bewusstlosen nacheinander aus dem Wasser gezogen. Zu dem Zeitpunkt waren 20 bis 30 Kinder sowie zehn Erwachsene in dem Becken.

AFP/DPA/AP / AP / DPA
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