Berlin Internationale Künstler modellieren Sandfiguren


Zehn Künstler aus acht Ländern bauen bis Sonntag beim Internationalen Sandskulpturen-Festival in Berlin Meter hohe Figuren aus brandenburgischem Sand.

Mit Spachteln, Zahnbürsten, Eisstielen, Fingernägeln und Wasserflaschen konkurrieren sie um den Titel: Zehn Künstler aus acht Ländern bauen bis Sonntag beim Internationalen Sandskulpturen-Festival in Berlin Meter hohe Figuren aus brandenburgischem Sand.

Aus 250 Kubikmetern Sand schnitzen sie Kunstwerke, die nach dem Reglement mindestens vier Meter hoch sein müssen. Unter den Konkurrenten um den Deutschen Sandskulpturenpreis sind der dreifache Weltmeister Pavel Zandanouk aus Russland und der Inder Sudarsan Pattnaik, der eine Schule für Sandkunst in Puri im Bundesstaat Orissa mit 50 Schülern führt. Zwei Jahre dauert ein Lehrgang bei ihm.

Sandschnitzen in Deutschland weitgehend unbekannt

Die internationale Szene der Sand-Bildhauer ist überschaubar. In Europa gibt es nach Schätzung des künstlerischen Leiters des Festivals, Martin Tulinius, etwa 200 Künstler, die im Sommer Sandskulpturen schaffen. Im Winter arbeiten sie als Bühnenbildner, Maler, Schauspieler, Software-Entwickler oder schnitzen Skulpturen aus anderen Materialien wie Stein und Holz, aber auch Schnee und Eis.

Einen professionellen deutschen Sandschnitzer gibt es Tulinius zufolge nicht. In Spanien, Dänemark und in den Niederlanden sei die Sandkunst dagegen inzwischen so populär, dass sie Tausende Besucher anziehe.

Spezialsand aus Brandenburg

Aus herkömmlichem Strandsand könnten die Kunstwerke kaum geschnitzt werden, erklärt Tulinius. Aus 20 Sandproben sei das Material für das Festival eigens aus einer Kiesgrube im brandenburgischen Niederlehme ausgewählt und nach Berlin gebracht worden. Wichtig sei, dass die Körner scharfe Kanten hätten und einen hohen Lehmanteil. Strandsand sei dagegen vom Meerwasser rund geschliffen und daher für die Künstler unbrauchbar.

Bereits die alten Ägypter hätten als Modelle für ihre Pyramiden Sandskulpturen gebaut, sagt Tulinius, der auch Intendant eines dänischen Theaters ist. Die Wurzeln der heutigen Sand-Bildhauer lägen aber in den Strandpartys der 60er Jahre in den USA, auf denen Sandskulpturen gebaut wurden. Später hätten Künstler sich davon inspirieren lassen. Vor etwa zehn Jahren sei diese Strömung nach Europa gelangt. Der Inder Pattnaik sieht seine Sandkunst dagegen in einer alten indischen Tradition, die nach seinen Angaben bis in das 14. Jahrhundert zurückreicht.

Zwei Monate Lebensdauer

Zwei Monate sollen die Werke am Spreeufer hinter einem verbliebenen Stück der Berliner Mauer stehen bleiben. Bei stabilen Temperaturen, etwa in Singapur oder in Teilen Chinas, hätten die Objekte sogar eine Lebensdauer von zwei Jahren. Regen fürchten die Künstler nicht. "Trockenheit ist ein größeres Problem", sagt Daniel Doyle, einer von drei professionellen Sandkünstlern in Irland.


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