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Berliner Pergamon Museum: Sphinx zurück am Bosporus

Fast hundert Jahre war die rätselhafte Sphinx von Hattuscha in Berlin zu sehen, zuletzt im Pergamon Museum. Nach einem jahrzehntelangen Streit ist sie jetzt in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Türkei will weitere Artefakte aus europäischen Vitrinen einfordern.

Nach langem Streit hat Deutschland eine fast 4000 Jahre alte hethitische Skulptur an die Türkei zurückgegeben. Kulturminister Ertugrul Günay sagte laut Presseberichten vom Mittwoch, zunächst werde die Sphinx aus Hattusa, der ehemaligen Hauptstadt des Hethither-Reiches in Zentralanatolien, im Istanbuler Archäologischen Museum der Presse präsentiert. Ab dem 28. November soll die breite Öffentlichkeit die Sphinx bewundern können.

"Ich bin der Meinung, die Steine haben auch eine Seele", sagte der Minister bei einer Pressekonferenz in dem Museum. "Alle Stücke sollen an die Stelle zurück, wo sie hingehören." Die Werke seien "unglücklich" in einem anderen Land. Er begrüßte die Rückgabe der Sphinx, bekräftigte aber auch das Recht seines Landes auf Rückgabe von ungenehmigt ins Ausland gebrachten Stücken.

Im Ersten Weltkrieg hatten deutsche Forscher zwei steinerne Sphinx-Figuren aus Hattusa nach Berlin gebracht, um sie zu restaurieren. Die besser erhaltene Figur ging 1924 an Istanbul zurück, die andere - mehr Gips als Original - blieb in Berlin. Seit 1934 war sie zusammen mit einem Abguss ihres Gegenstücks im Pergamon-Museum zu sehen. 1938 forderte die Türkei erstmals die Rückgabe, seither war der Verbleib umstritten.

Türkei pocht auf weitere antike Stücke

Nach mehreren vergeblichen Vorstößen hatte der türkische Kulturminister im Frühjahr ultimativ eine Rückgabe bis Juni gefordert. Andernfalls dürften deutsche Archäologen nicht mehr an den Ausgrabungen in Hattuscha teilnehmen, drohte er. Im Mai verständigte sich eine Expertenkommission dann auf die Rückgabe. Ursprünglich war der Rücktransport erst bis Ende November vereinbart gewesen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte bei der Einigung mit der Türkei ausdrücklich betont, die Sphinx werde als "freiwillige Geste der deutsch-türkischen Freundschaft" an die Türkei übergeben. "Beide Seiten stimmten darin überein, dass es sich bei der Sphinx um einen Einzelfall handelt, der nicht mit anderen Fällen vergleichbar ist", hieß es damals.

Im Gegenzug sagte die Türkei zu, die kulturelle Zusammenarbeit mit Deutschland zu verstärken. Der Transfer sollte der Vereinbarung zufolge bis zum 28. November erfolgen. An diesem Tag vor 25 Jahren wurde die Ausgrabungsstätte der einstigen hethitischen Hauptstadt Hattuscha in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen.

Gezögert aus Angst um Nofretete

Auf deutscher Seite hatte es Befürchtungen gegeben, nach der Rückgabe der geflügelten Löwenfigur könne der Streit mit Ägypten um die weltberühmte Nofretete neu entfachen. Allerdings wurde die ägyptische Königinnenbüste, die im Neuen Museum in Berlin steht, Deutschland bei einer Fundteilung ausdrücklich zugesprochen. Die Bundesrepublik versteht sich deshalb als rechtmäßige Besitzerin. Bei der Sphinx gab es keine derartige Vereinbarung.

ono/AFP/DPA / DPA