Bischof Mixa gibt Ohrfeigen zu "Diese Heuchelei ist unerträglich"


Der Augsburger Diözesanrat wirft seinem Bischof Walter Mixa wegen der Prügelvorwürfe Heuchelei und Feigheit vor. Mixa, der stets bestritten hatte, Kinder geschlagen zu haben, hat inzwischen zugegeben, Ohrfeigen verteilt zu haben. Nun werden Rücktrittsforderungen laut.

Die Augsburger Diözesanrätin Elisabeth Mantlik hat ihrem Bischof Walter Mixa Heuchelei vorgeworfen. Mixa hätte sich zu den Prügelvorwürfen von Heimkindern gleich offen und ehrlich äußern sollen, auch wenn es peinlich und schmerzlich gewesen wäre. "Diese Heuchelei ist unerträglich und auch ein Stück Feigheit", sagte Mantlik am Rande der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in München. "Das Ganze ist ein einziges Trauerspiel." Eine Lösung sei nicht in Sicht. "Wir haben noch einen ganz schwierigen Leidensweg vor uns."

Der Augsburger Bischof Walter Mixa gab mittlerweile zu, Heimkinder geohrfeigt zu haben. Mixa stand bisher durch Vorwürfe unter Druck, früher als Pfarrer im Kinderheim St. Josef in Schrobenhausen Kinder geschlagen zu haben. In neuen Aussagen macht er nun einen Unterschied zwischen Prügel und Ohrfeigen. "Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watsch'n von vor zwanzig oder dreißig Jahren natürlich nicht ausschließen kann", teilte Mixa schriftlich mit. "Das war damals vollkommen normal und alle Lehrer und Schüler dieser Generation wissen das auch."

SPD-Politiker Maget fordert Mixas Rücktritt

Der SPD-Politiker und Landtagsvizepräsident Franz Maget forderte Mixas Rücktritt. In seiner Funktion als Vorsitzender des Münchner Vereins Kirche und SPD forderte er, dass Mixa sein Amt zumindest bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Kindesmisshandlung und möglicherweise finanzieller Unregelmäßigkeiten ruhen lasse. "Jeder Bischof hat das Recht, jederzeit sein Amt niederzulegen, davon sollte Bischof Mixa jetzt Gebrauch machen, um weiteren Schaden von der katholischen Kirche abzuwenden", sagte Maget.

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth verlangt den sofortigen Rücktritt Mixas. In einem Interview mit der "Leipziger Volkszeitung" sagte Roth: "Bischof Mixa, der als selbst ernannter Hüter des reinen christlichen Herzens auftritt, muss zurücktreten." Ein Bischof der Lüge, sei als katholischer Repräsentant untragbar. Der oberste Laienvertreter der deutschen Katholiken, Alois Glück, wies Rücktrittsforderungen gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa hingegen als "gegenwärtig grundfalsch" zurück. "Jetzt muss bedingungslose Klarheit geschaffen werden über den tatsächlichen Sachverhalt. Dann kann man sich ein Urteil bilden", forderte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Rücktrittsforderungen zum jetzigen Zeitpunkt wären kontraproduktiv und könnten zu falschen Legenden beitragen.

Der vom Kinder- und Jugendhilfezentrum in Schrobenhausen beauftragte Sonderermittler Sebastian Knott bestätigte unterdessen Tätlichkeiten Mixas als damaliger Stadtpfarrer. In einer eidesstattlichen Erklärung habe ein ehemaliges Heimkind erklärt, ihm sei im Jahr 1976 vom damaligen Stadtpfarrer "mit voller Wucht ins Gesicht" geschlagen worden. Das berichtete Knott am Freitag in Schrobenhausen. Der Betroffene sei als 16-Jähriger vom Heim weggelaufen und von der Polizei zurückgebracht worden. Ein anderes Heimkind berichtete, im Zeitraum von 1990 bis 1997 von Mixa eine Ohrfeige bekommen zu haben.

Nie körperliche Gewalt gegenüber Kindern angewandt

Der Bischof hatte stets bestritten, Kinder geschlagen zu haben. Dabei bleibe er auch, was mehr als Ohrfeigen betreffe. "Zu den Vorwürfen wegen schwerer körperlicher Züchtigungen, die gegen mich erhoben worden sind, habe ich von Anfang an klar gesagt, dass ich zu keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewandt habe."

Bei diesen Prügelvorwürfen sei es um schwere körperliche Züchtigungen gegangen. "Solche hat es durch mich nie gegeben", teilte Mixa wörtlich mit. "Falls es zu Ohrfeigen gekommen sein sollte, bedauere ich das heute aufrichtig. Meine Einladung zum Gespräch an die Frauen und Männer, die Vorwürfe gegen mich erhoben haben, bleibt bestehen."

Mixa soll Antiquitäten zu überhöhten Preisen gekauft haben

Auch die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Verwendung von Mitteln der Waisenhausstiftung in der Zeit, in der Mixa Stiftungsratsvorsitzender und Vorstand war, haben sich erhärtet. Auch von Mixa sei Geld stiftungsfremd verwendet worden, sagte Knott, unter anderem zum Kauf von Antiquitäten, die Mixa teils zu deutlich überhöhten Preisen gekauft haben soll. Später habe Mixa zwar der Waisenhausstiftung für 69.300 Mark die meisten der Kunstgegenstände abgekauft, dem Heim sei aber ein Schaden von schätzungsweise rund 10.000 bis 15.000 Mark entstanden, erklärte Knott.

Zudem soll es zwei unklare Zahlungen über 40.000 beziehungsweise 15.000 Mark gegeben haben. Eine davon verweist laut Knott auf den Ankauf "diverser Wertgegenstände", die andere auf Ausstattung und Erneuerung einer Kapelle. Eine sei zweifelsfrei von Mixa unterschrieben, bei der anderen werde dies vermutet. Mixa hatte Anfang der Woche eingeräumt, es sei zu "finanztechnisch unklaren Zuordnungen von Ausstattungsgegenständen zwischen der Waisenhausstiftung und der Pfarrkirchenstiftung gekommen".

DPA/APN DPA

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