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Blutbad in den Niederlanden: Sieben Tote nach Amokfahrt

Schockiert und voller Trauer haben die Niederländer auf den blutigen Auto-Anschlag reagiert, der die niederländische Königin Beatrix nur knapp verfehlte. Am Freitagnachmittag stieg die Anzahl der Toten auf sieben. Ein 55 Jahre alter Beamter der Militärpolizei erlag seinen schweren Verletzungen.

Trauer in den Niederlanden: Nach der Bluttat am Donnerstag, bei der ein 38-Jähriger während des traditionellen Umzuges zum Königinnentag mit Vollgas auf den Festbus der Königsfamilie zugerast war, waren bis zum Freitagnachmittag sieben Menschen ums Leben gekommen, darunter der Amokfahrer. Ein 55 Jahre alter Beamter der Militärpolizei erlag am Freitag seinen schweren Verletzungen. Die Niederländer reagierten noch immer geschockt auf den blutigen Anschlag.

Fassungslos legten Menschen am Ort des dramatischen Geschehens in Appeldoorn Blumen und Zettel mit Trauerbekundungen nieder. Tausende besuchten Andachten in zahlreichen Kirchen des Königreichs. Flaggen wurden auf halbmast gesetzt. Trotz des blutigen Anschlags will die Monarchin nach Angaben des Hofs schon bald wieder in die Öffentlichkeit gehen. Beatrix wird laut Angaben des Hofs in Begleitung des Thronfolgers Prinz Willem-Alexander und seiner Gattin Prinzessin Màxima an Veranstaltungen zum niederländischen Volkstrauertag am 4. Mai und zum Tag der Befreiung von der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg am 5. Mai teilnehmen.

Kritik an zu laxen Absperrungen

In Medien wurde unterdessen kritisiert, dass die Absperrungen in Apeldoorn "nur lax" gewesen seien. Bürgermeister Fred de Graaf erklärte, die Stadt sei "nicht Kamp Holland". So heißt die schwer bewachte Basis der niederländischen Truppen in Afghanistan. Mit erheblich schärferen Sicherheitsvorkehrungen als in Apeldoorn wird am kommenden Montag und Dienstag bei den Königinnen-Auftritten gerechnet.

Unterdessen wird immer mehr über den Täter bekannt - Zeitungen zufolge war der 38-Jährige verzweifelt, weil er seine Arbeit verloren hatte. Der Mann erlag nach Angaben der Staatsanwaltschaft in der Nacht zum Freitag im Krankenhaus einem schweren Schädel-Hirn-Trauma. Niederländischen Medienberichten zufolge war der Mann bereits seit Donnerstagabend klinisch tot gewesen.

König Beatrix, Kronprinz Willem Alexander und weitere Mitglieder der Königsfamilie hatten bei der Parade am Königinnentag mit Entsetzen verfolgt, wie der 38-jährige Karst T. mit seinem Wagen in die Zuschauermenge gerast und schließlich in ein Denkmal gekracht war. Den Ermittlern zufolge gestand der Amokfahrer noch am Tatort, dass seine Tat sich gegen die königliche Familie richtete. Anschließend soll er das Bewusstsein verloren haben.

Mit dem Tod des Amokfahrers wurden die Ermittlungen gegen ihn eingestellt, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Wim de Bruin. Allerdings werde weiter versucht, die Umstände der Amokfahrt aufzuklären. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Mannes im ostniederländischen Huissen seien keine Waffen oder Sprengstoff gefunden worden, sagte De Bruin.

Es gebe keine Hinweise auf mögliche Mittäter oder einen terroristischen Hintergrund. Die Staatsanwaltschaft habe auch keine Erkenntnisse über eine psychische Erkrankung oder frühere Straftaten des Mannes.

Amokfahrer hätte Wohnungsschlüssel abgeben sollen

Niederländische Zeitungen berichteten am Freitag, der Täter sei verzweifelt gewesen, weil er seine Arbeit bei einem privaten Sicherheitsdienst verloren habe. Nachbarn beschrieben den Mann als "sympathisch" und "still". Die Zeitung "De Telegraaf" zitierte den Vermieter des Amokfahrers, wonach dieser am Freitag die Schlüssel für seine Wohnung hätte abgeben müssen.

Noch am Donnerstag hatten niederländische Medien ausdrücklich die weiße Hautfarbe des mutmaßlichen Attentäters erwähnt. Damit sollte offenkundig gemacht werden, dass es sich nicht um die Tat eines Mannes aus der islamistischen Szene handelte. Im Jahr 2004 hatte ein muslimischer Attentäter den islam-kritischen Regisseur Theo van Gogh auf offener Straße in Amsterdam erschossen. Daraufhin war es zu gewalttätigen Übergriffen auf Moscheen und gegen Muslime gekommen.

Am Königinnentag wird in den Niederlanden der Geburtstag der Königinmutter Juliana gefeiert, die in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. In der Regel sind aus diesem Anlass hunderttausende Niederländer im ganzen Land mit orangefarbenen Hüten und Kostümen unterwegs.

AP/DPA / AP / DPA