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Hymnen-Panne: Boxer marschieren zur ersten Strophe des Deutschlandlieds ein – Holocaust-Verein empört

Peinliche Panne bei einem Boxevent in Niedersachsen. Statt "Einigkeit und Recht und Freiheit" hallte beim Einmarsch der deutschen Athleten "Deutschland, Deutschland über alles" aus den Lautsprechern. Der Ringsprecher nahm es mit Humor.

Es ist nicht verboten, die ersten beiden Strophen des Deutschlandlieds zu singen. Als offizielle Hymne gilt aber seit vielen Jahren die bekannte dritte Strophe. (Symbolbild)

Es ist nicht verboten, die ersten beiden Strophen des Deutschlandlieds zu singen. Als offizielle Hymne gilt aber seit vielen Jahren die bekannte dritte Strophe. (Symbolbild)

DPA

Peinlicher geht es kaum. Während eines Boxevents am Steinhuder Meer ertönte beim Einmarsch der deutschen Sportler die 1. Strophe des Deutschlandlieds. Besonders peinlich: Der Länderkampf "Boxen am Meer" gegen Faustkämpfer aus Südafrika stand unter dem Motto "Sportler gegen Rassismus und Gewalt". Geladene Gäste waren unter anderem Nachfahren von Holocaustopfern. Die erste und zweite Strophe des "Lieds der Deutschen" dürfen offiziell zwar gesungen und gespielt werden, gelten allerdings als verpönt – unter anderem weil die Nationalsozialisten im Anschluss an die erste Strophe häufig das verbotene "Horst-Wessel-Lied" sangen.

DBV-Präsident Jürgen Kyas schaltet sich ein

In einer Erklärung schildert eine Sprecherin des Vereins Rukeli Trollmann e.V., was sich am vergangenen Wochenende am Steinhuder Meer (Niedersachsen) abspielte. Demnach schien es zunächst keinen der anwesenden Verantwortlichen zu stören, als anstelle der dritten die erste Strophe des Deutschlandlieds aus den Boxen hallte. "Erst durch couragiertes und rigoroses Einschreiten des Präsidenten des Deutschen Boxverbands (DBV), Jürgen Kyas, wurde das Abspielen unterbrochen", so Diana Ramos Farina.

NBSV-Präsident: "Ist nicht absichtlich passiert"

Manfred Schumann, zweifacher Olympiateilnehmer und Präsident des Niedersächsischen Boxsportverbands (NBSV), bestätigte das auf Anfrage des stern. "Herr Kyas saß direkt daneben und ist sofort aufgesprungen, um das Lied zu stoppen." Das Ganze sei nicht absichtlich passiert, so Schumann weiter. Der für den Ton verantwortliche Mitarbeiter der Beschallungsfirma habe erst kurz vor dem Beginn des Events nach der Hymne gesucht, anstatt sie auf einem USB-Stick mitzubringen, erklärte der 68-Jährige – nach eigenen Angaben seit einem Jahr selbst Mitglied im Rukeli Trollmann e.V..

Wenig Verständnis hatten die Nachfahren von Rukeli Trollmann dann für den Ringsprecher. Demnach kündigte der über das Mikrofon lapidar an: "Dann spielen wir jetzt die andere Strophe [...] oder am besten das Niedersachsenlied."

"Das darf man nicht unter den Tisch kehren"

Ganz vom Tisch scheint der Vorfall für Rukeli Trollmann e.V. noch nicht zu sein. Eine Woche nach dem Vorfall habe man sich seitens der Veranstalter noch nicht entschuldigt, heißt es in der Erklärung weiter. "So etwas kann und darf man nicht versuchen, unter den Tisch zu kehren." Genau das wirft Rukeli Trollmann e.V. den Organisatoren aber vor.

js