Bremen Unendliche Weiten und gähnende Leere


Das Space-Center in Bremen steht vor dem Aus. 130 Millionen Euro flossen in das Projekt. Die Suche nach den Schuldigen nimmt absurde Ausmaße an.

Der mit Millionen-Investitionen errichtete Bremer Weltraum-Erlebnispark "Space Center" wird voraussichtlich im Oktober geschlossen werden. Nach Absprache mit dem Hauptinvestor Dresdner Bank soll der Betrieb "geordnet zu Ende geführt werden", wie ein Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion sagte.

Taxifahrer machten schlechte Stimmung

Wolfgang Wilke, Sprecher und Mitentwickler des Projektes soll auf der Suche nach Schuldigen auf die Bremer Taxifahrer gestoßen sein. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte Wilke im Juni die Bremer Taxifahrer würden "die negative Grundhaltung in der Stadt" gegenüber dem Weltraum-Erlebnispark stetig verstärken. "Bauruine, Steuerverschwendung - nur solche Sachen erzählen die ihren Fahrgästen", klagte Wilke.

Das 500-Millionen-Euro-Projekt war wegen geringer Publikumsresonanz in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Ehrgeizige Prognosen gingen von bis zu 1,4 Millionen Besuchern im Jahr aus. Da ein angegliedertes Einkaufszentrum mit einer Gesamtfläche von 44.000 Quadratmetern bis heute keine Mieter gefunden hat, blieben die angepeilten Besucherzahlen Wunschdenken.

Hohe Erwartungen schnell enttäuscht

Bei der offiziellen Eröffnung im Dezember 2003 hatte Bürgermeister Henning Scherf (SPD) von einer "Erfolgsgeschichte" gesprochen. Das Projekt biete gute Chancen zur Entwicklung von Stadt und Region, hatten sowohl Scherf als auch der damalige Wirtschaftssenator Hartmut Perschau (CDU) erklärt. Der Erlebnispark galt als Prestige-Objekt der Großen Koalition in Bremen. Das Land hatte 170 Millionen Euro für die Infrastruktur beigesteuert.

Schon vor dem Baubeginn im Juli 2000 hatte es heftige Diskussionen über das Projekt gegeben. Im Juni diesen Jahres wertete die Grünen-Fraktionschefin Karoline Linnert gegenüber dem "Hamburger Abendblatt" das Space-Center als "ein in Stein gegossenes Denkmal von Größenwahn". Wirtschaftssenator Perschau musste sogar um sein Amt bangen, nachdem die Grünen einen Antrag auf Misstrauensvotum stellten. Die Bürgerschaft schmetterte den Antrag jedoch ab.

Space Center soll neues Nutzungskonzept erhalten

Nachdem 66 Mitarbeiter des Space Centers bereits ihre Kündigung erhalten hätten, stünden demnächst auch die übrigen 300 Beschäftigten auf der Straße, meldete am (heutigen) Dienstag die Oldenburger Nordwest-Zeitung. Ein Insolvenzverfahren haben die Teilhaber derzeit jedoch nicht zu befürchten. Die Dresdner Bank will sich persepektivisch aus dem Projekt Space Center zurückziehen und sucht nach einem neuen langfristigen Nutzungskonzept für das Gelände, verkündete der Bremer Senatssprecher Klaus Schloesser gegenüber stern.de. "Jeder Unternehmer mit einer guten Idee ist herzlich willkommen!"

Anne Gottschalk mit Agenturmaterial

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