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Busunglück bei Hannover Vier Verletzte ringen mit dem Tod


Nach dem schweren Unfall eines Reisebusses auf der A2 bei Hannover ringen vier Schwerverletzte immer noch mit dem Tod. Das hat der Leiter des Bereichs Verbrennungsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover bestätigt. Während die Experten noch über die Unglücksursache rätseln, denken erste Busunternehmen bereits über Konsequenzen aus dem Drama nach.

Nach der Buskatastrophe mit 20 Toten auf der Autobahn 2 schweben nach Angaben der Medizinischen Hochschule Hannover vier schwerstverletzte Reisende weiter in Lebensgefahr. Die Patienten hätten in Lunge, im Gesicht und an Händen schwerste Verbrennungen erlitten und seien in ein künstliches Koma versetzt worden, sagte der Verbrennungsmediziner Hans-Oliver Rennekampff am Mittwoch: "Wir kämpfen um diese Patienten."

Drei der Verletzten sollten noch im Laufe des Mittwochs an ihren Brandwunden operiert werden. Der vierte Schwerstverletzte hat laut Rennekampff keine äußerlichen Brandverletzungen, sondern vor allem schwere Lungenschäden erlitten. "Allen vier Patienten versuchen wir ein Maximum an Überlebenschancen zu geben", betonte der Facharzt. Nach seinen Angaben wurden in die Medizinische Hochschule nach dem Unglück zudem drei weitere schwer verletzte Passagiere des Busses eingeliefert. Die Verletzungen dieser Patienten seien aber nicht lebensbedrohlich. Sie würden nicht auf der Intensivstation behandelt.

Unterdessen rätseln die Ermittler nach wie vor über die Ursache des Unglücks. Sie nehmen einen Schwelbrand an, der sich schlagartig über den ganzen Bus ausbreitete. Dass ein Raucher auf der Toilette - wie zunächst angenommen - das Feuer ausgelöst haben könnte, schloss die Feuerwehr wegen des "längeren Vorlaufs" des Brandes aus. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung ein und ordnete eine Obduktion der Toten an.

In dem Bus waren nach Polizeiangaben 32 Passagiere und der Busfahrer. Kurz vor dem Ausbruch des Brandes habe der Fahrer an der Raststätte Garbsen-Süd noch einen Stopp für Toilettengänge eingelegt. Eineinhalb Kilometer davon entfernt sei dann der Brand bemerkt worden.

Rauch aus der Toilettentür

Nach Angaben des Ortsbrandmeisters Bernd Keitel drang Rauch aus der Toilettentür. Als eine Reisende die Tür geöffnet habe, seien ihr Flammen entgegengeschlagen. Explosionsartig hätten diese sich im ganzen Bus ausgebreitet.

Offenbar entwickelte sich der Brand im mittleren Teil des Busses, in dem der zweite Ausgang und die Toilette waren. Den hinten sitzenden Passagieren sei vermutlich der Weg zum Ausgang in der Mitte versperrt gewesen, sagte Keitel. Die meisten Toten hätten sich im rückwärtigen Teil des Busses befunden.

Der Busfahrer habe nach den Feuerrufen der Passagiere sofort reagiert, sein Fahrzeug von der mittleren Spur an den Rand gesteuert und die Türen entriegelt und geöffnet. Laut Auskunft des Rechtsanwalts der betroffenen Busfirma Mommeyer aus Hannover, Matthias Waldraff, habe sich der Fahrer anschließend unter Lebensgefahr an die Rettung der Passagiere gemacht: "Er hat bis zuletzt versucht, aus dem brennenden Bus Menschen zu retten", sagte Waldraff.

Polizeipräsident Uwe Binias sagte in Hannover, es sei angesichts der Schwere der Verletzungen nicht auszuschließen, dass man noch weitere Todesopfer beklagen müsse. Als Einziger konnte der 51-jährige Busfahrer die Klinik bereits wieder verlassen. Bei den überlebenden Passagieren handele es sich um sechs Frauen und sechs Männer im Alter zwischen 46 und 79 Jahren. Der Bus war auf der Rückfahrt von einem Besuch auf einem Bauernhof im Münsterland.

Gentest soll bei der Identifizierung helfen

Der ausgebrannte Bus mit den bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Menschen wurde auf ein Polizeigelände in Hannover gebracht. Zur Identifizierung der Toten entnahmen Gerichtsmediziner DNA-Material aus den Knochen.

Der Juniorchef der Firma Mommeyer, Oliver Prehn, sagte, in dem Bus sei eine Wassertoilette und nicht etwa ein Chemieklo gewesen. Er erklärte: "Es handelt sich um einen Bus vom Typ Mercedes-Benz 350, etwa vier Jahre alt und völlig in Ordnung."

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. "Das grauenhafte Geschehen macht uns alle schwer betroffen", erklärte er. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee äußerte sich "tief erschüttert". Er forderte eine sorgfältige Untersuchung von Ursache und Verlauf des Brandes.

Busunternehmen diskutieren über Sicherheitsmaßnahmen

Inzwischen sprechen erste Busunternehmen bereits über eine Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen an Bord. Es müsse ein Frühwarnsystem durch Feuermelder in allen Bussen diskutiert werden, sagte Yvonne Hüneburg, Sprecherin des Verbands der baden-württembergischen Omnibusunternehmer, am Mittwoch in Böblingen. "Wenn man dafür sorgt, dass der Busfahrer früher Kenntnis hat, kann er schneller reagieren. Da wird man ansetzen müssen."

Das Drama von Hannover ist das schwerste Busunglück seit 16 Jahren in Deutschland: Am 6. September 1992 waren 20 Menschen beim Unfall eines Reisebusses aus Sachsen nahe dem Autobahndreieck Bad Dürrheim/Villingen ums Leben gekommen.

DPA/AP AP DPA

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