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Gewalt gegen Frauen und Kinder Schläge mit Stöcken und Gürteln: Charité veröffentlicht Zahlen über häusliche Gewalt im Corona-Jahr

Zerbrochener Teller
Im vergangenen Jahr haben sich 1.661 Opfer von häuslicher Gewalt an die Gewaltschutzambulanz der Charité gewandt
© Sebastian Gollnow / DPA
Im ersten Corona-Lockdown wurde ein Anstieg der häuslichen Gewalt befürchtet. Ein Jahr später zeigt sich nun das Ausmaß – auch bei Gewalttaten gegen Kinder.

Im Corona-Jahr 2020 hat die Gewaltschutzambulanz an der Berliner Charité mehr Gewalt gegen Kinder festgestellt. Die Zahl der Kinderfälle in der Gewaltschutzambulanz stieg nach Justizangaben im Vergleich zu 2019 um 14,4 Prozent auf 405 Fälle. Bei einer Pressekonferenz sagte die Vizechefin der Gewaltschutzambulanz, Saskia Etzold, dass 2020 gerade bei Frauen und vermehrt auch bei Kindern sehr viel Gewalt gegen den Hals festgestellt worden sei. "Meistens ausgelöst durch Würgen", sage Etzold.

Doch nicht nur Kinder wurden nach Angaben der Rechtsmedizin während der Corona-Pandemie vermehrt Opfer von Gewalt. 2020 wandten sich insgesamt 1661 Betroffene an die Ambulanz. Das waren rund acht Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie Etzold sagte. 405 von ihnen waren demnach Kinder, 900 Frauen und 352 Männer. Vier Menschen gaben laut Petzold an, unter die Kategorie "divers" zu fallen.

"Massiver Anstieg" von häuslicher Gewalt im Corona-Lockdown

Die beiden Lockdowns hätten einen großen Einfluss auf die Arbeit der Ambulanz gehabt. Es habe jedes Mal eine wellenartige Bewegung gegeben. Die Fallzahlen gingen im März 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent zurück, weil weniger Menschen Hilfe suchten. Nach der Öffnung gab es einen "massiven Anstieg" der Fälle. Mit den Lockerungen kamen wieder mehr Betroffene in die Gewaltschutzambulanz. Im Juni wurden über 30 Prozent mehr gezählt. Im November nahmen die Zahlen mit Beginn des Teil-Lockdowns wieder um 38 Prozent ab, wie Etzold sagte. Der November sei normalerweise ein recht fallstarker Monat.

Besonders sei im vergangenen Jahr gewesen, dass Jugendliche selbst die Polizei gerufen hätten. Einige hätten Fotos von ihrer Verletzung gemacht und per WhatsApp an Freunde geschickt, sagte Etzold. Diese hätten selbst reagiert oder ihre Eltern informiert, die dann die Polizei gerufen hätten.

Junge Frau unterhält sich über einen Videocall auf ihrem Smartphone

Berliner Justiz meldet mehr Strafanzeigen

Die Berliner Staatsanwaltschaft und Amtsanwaltschaft registrierten ebenfalls einen Anstieg von Strafverfahren zu häuslicher Gewalt. Die Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 1000, sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Mittwoch. Das entspreche einer Zunahme von 7,5 Prozent. Im Jahr 2019 waren es nach Angaben der Justiz noch 14.824 Verfahren, im Jahr 2020 dann 15.871 Verfahren.

An den Familiengerichten sei dagegen eine leichte Abnahme bei den Gewaltschutzsachen verzeichnet worden. 2019 gab es noch 2745 Verfahren, 2020 waren es 2423 Verfahren. Wichtig sei das Signal an alle Opfer: "Wir haben einen Blick drauf", sagte Behrendt. Die Hilfeinfrastruktur sei weiterhin offen und vorhanden.

ali DPA

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