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Das zweite Leben der Monica Lierhaus: "Haltung, Prinzessin!"

Sie war Deutschlands beste Sportmoderatorin, dann änderte sich alles: Nach einer Gehirn-OP wird Monica Lierhaus zum Pflegefall. Sie kämpft sich zurück ins Leben. Der stern hat sie begleitet.

Von Tobias Schmitz

Monica Lierhaus starrt auf den Bildschirm. "Ach shit!" Sie flucht, als sie glaubt, einen Fehler gemacht zu haben. Das Messprotokoll beweist das Gegenteil. Es ist Donnerstag, ein Tag im neuen Leben der Monica Lierhaus. Seit mehr als einem Jahr arbeitet die 43-Jährige mit dem Neuropsychologen Robin Botko im Rehazentrum des Universitätsklinikums Eppendorf einmal pro Woche an Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Heute geht es um die Reaktionshemmung. Lierhaus legt ihren rechten Zeigefinger auf einen Schalter, der mit einem Computer verbunden ist. Auf dem Monitor vor ihr erscheinen in unregelmäßigen Abständen auf schwarzem Untergrund ein weißes X oder ein weißes Pluszeichen. X bedeutet: Schalter drücken. Pluszeichen bedeutet: Schalter nicht drücken.

Alle Energie für ein zweites Leben

Wer Lierhaus erlebt, sieht eine Frau, die mit maximalem Einsatz an sich und ihrem zweiten Leben arbeitet - bis zur Erschöpfung und diszipliniert wie ein Soldat. "Das passt", sagt Monica Lierhaus, "das Preußische habe ich wohl von meiner Urgroßmutter geerbt." Wenn sie an ihre Uroma denkt, dann kommt sie ins Erzählen, mit dieser leisen Stimme, die immer etwas angestrengt wirkt: "Ich war 13, als sie starb. Mit 96 Jahren. Meine Urgroßmutter war sehr faltig, sehr katholisch und ein Vorbild an Disziplin und Stärke. Im Zweiten Weltkrieg floh sie aus Danzig, zog alleine zwei Kinder und ein Enkelkind groß. Sie hat nie geklagt, nie lamentiert. Sie hatte einen starken Überlebenswillen. Den habe ich wohl auch."

An einen ihrer Sätze erinnert sich Lierhaus besonders gut, einen Satz, den sie hörte, wenn sie sich als Kind mal hängen ließ: "Haltung, Prinzessin!" Diese Aufforderung hat Lierhaus verinnerlicht. Diese Contenance wahrt sie auch heute. Zu Hause, vor der Kamera, bei der Reha, die ihr die Hoffnung gibt, das Morgen könnte schon besser sein als das Heute.

Stark sein heißt auch, alleine reisen zu können

Sie hat schon viel erreicht: Monica Lierhaus geht alleine durch Hamburg, sie reist für ein Interview mit Matthias Sammer alleine quer durch Deutschland. Und sie bewältigt ihre Arbeit für die Fernsehlotterie - im Studio und auf Außenterminen. Aber der Weg zurück ins alte Leben ist ein anstrengender. Einer, von dem die meisten Menschen, die Lierhaus flüchtig erleben, nichts ahnen.

Der stern begleitete Lierhaus in ihrem Alltag: beim Einkaufen, bei Ihrer Arbeit im TV-Studio oder in einem Hamburger Rehazentrum. Und erlebte eine Frau, für die Aufgeben trotz chronischer Schmerzen und manch schmerzlichem Rückschritt nicht in Frage kommt. "Frau Lierhaus, haben Sie Ihr neues Leben akzeptiert?" "Nein, in keinem einzigen Moment." "Woher nehmen Sie die Kraft?" "Es muss ja weitergehen. Es hilft ja nichts." Das ist ihr Credo. Und so handelt sie auch.

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