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Ein französisches Dorf für 520.000 Euro Fotograf ersteigert den verlassenen Ort Courbefy


Die mit Spannung erwartete Versteigerung eines verlassenen Dörfchens in Frankreich ist schnell über die Bühne gegangen: Schon nach wenigen Minuten erhielt der südkoreanische Landschaftsfotograf Ahae Jeong den Zuschlag.

Ein Künstler aus Südkorea hat ein verlassenes Dorf in Frankreich ersteigert. Er habe den Ort Courbefy in Westfrankreich am Montag für 520.000 Euro gekauft, bestätigte der Anwalt Paul Gérardin, der im Namen einer Gläubigerbank für den Verkauf zuständig ist.

Außer dem Fotografen nahmen nach Angaben aus Auktionskreisen noch zwei Bieter an der Versteigerung teil: Eine belgische Gesellschaft, die in dem denkmalgeschützten Geisterdorf eine Behinderteneinrichtung schaffen wollte, und die niederländische Fernsehproduktionsgesellschaft Endemol. Sie wollte den Angaben zufolge in der Ortschaft, wo seit 2008 keine Menschenseele mehr wohnt, eine Reality-Serie drehen.

Courbefy liegt am Fuße einer Festung aus dem 18. Jahrhundert in 557 Metern Höhe. Die nahe Limoges gelegene Ortschaft bietet einen beeindruckenden Blick auf das Zentralmassiv. Der letzte Eigentümer hatte das Dörfchen 2003 für 700.000 Euro gekauft und wollte dort ein Feriendorf errichten. Einen Teil der Gebäude hatte er bereits restauriert.

"Konzepte eines organischen Lebensstils"

Der Käufer ging aber in Konkurs und häufte bei seiner Gläubigerbank Crédit Agricole rund 650.000 Euro Schulden an. Die Bank beantragte schließlich die Versteigerung. Ein erster Anlauf war im Februar gescheitert, weil niemand den damals geforderten Mindestpreis von 300.000 Euro zahlen wollte.

Nachdem viele Medien in Frankreich und anderen Ländern über den Flopp bei der ungewöhnlichen Auktion berichtet hatten, meldeten sich aber potenzielle Investoren. Der in New York lebende Künstler Ahae war mit 330.000 Euro in die Auktion eingestiegen. Was der Fotograf, dessen Ausstellung "Through my window" ab 26. Juni im Pariser Louvre gezeigt werden soll, mit dem Dorf vorhat, wurde zunächst nicht bekannt. Ein Vertreter seiner Firma Ahae press sagte nach der Versteigerung lediglich, das Projekt des Fotografen sei zugleich "ökologisch, künstlerisch und kulturell".

Seiner Internetseite zufolge sucht der Künstler seit Jahren nach Standorten, an denen er seine "Konzepte eines organischen Lebensstils" umsetzen kann. Dazu will er nach eigenem Bekunden "alles tun, damit sich die Natur so entwickeln kann, wie dies sein sollte - ohne Einwirkungen und Aktivitäten von Menschen."

Vor der Versteigerung hatte der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Saint-Nicolas-Courbefy, Bernard Guilhem, die Erwartung geäußert, mit dem Verkauf könne endlich wieder "neues Leben" in Courbefy einziehen.

kave/AFP AFP

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