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Katastrophe in Nepal: Fast eine Million Kinder nach Erdbeben in Gefahr

Nepal versinkt im Chaos: Fast eine Million Kinder und Jugendliche leiden unter den Folgen des Erdbebens. Viele leben auf der Straße und sind auf sich allein gestellt - nun drohen Seuchen.

Diese Kinder aus Kathmandu müssen in einem Zelt ausharren. Vor allem Kinder aus ärmeren Familien haben nach dem Erdbeben Probleme, sich zu schützen und mit Nahrung zu versorgen.

Diese Kinder aus Kathmandu müssen in einem Zelt ausharren. Vor allem Kinder aus ärmeren Familien haben nach dem Erdbeben Probleme, sich zu schützen und mit Nahrung zu versorgen.

Nach dem verheerenden Erdbeben im Himalaya herrscht in Nepal das Chaos. Mehr als 3500 Menschen sind gestorben, die Zahl der Opfer steigt weiter stündlich an. Unter den Betroffenen: Knapp eine Milllion Kinder und Jugendliche, die unter den Folgen des Erdbebens leiden.

"Selbst diejenigen, die nicht selbst verletzt sind, stehen jetzt vor der Situation, dass zum Beispiel die Wasserversorgung nicht funktioniert", sagte Rudi Tarneden, Sprecher des UN-Kinderhilfswerks (Unicef).

Die große Gefahr: Weil es kaum noch sauberes Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen gibt, drohen Krankheiten und Epidemien. Es könnte zu einer "schleichenden Katastrophe nach diesem dramatischen Ereignis" kommen, so Tarneden.

Viele Kinder sind allein

Viele Kinder seien zudem von ihren Familien getrennt und auf sich allein gestellt. Insbesondere Kinder aus ärmeren Familien hätten Probleme, sich zu schützen und sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Die Gefahr bestehe nun, "dass die Not sich weiter verschärft und noch mehr Kinder ins Elend fallen". Unicef kümmert sich nach Tarnedens Angaben im Auftrag der nepalesischen Regierung darum, besonders Kinder mit Wasser, Nahrung, Schutzutensilien und Medikamenten zu versorgen.

Mindestens 940.000 Minderjährige aus den am schwersten betroffenen Regionen seien deshalb laut Uniced dringend auf "humanitäre Hilfe" angewiesen.

Gesundheit der Kinder gefährdet

Auch die Kinderrechtsorganisation "Save the Children" warnt vor einem medizinischen Notstand. Die Krankenhäuser seien vollkommen überlastet mit der Anzahl der Verletzten oder nur noch zum Teil in Funktion.

"Besonders junge Mütter, Neugeborene und Kinder benötigen jetzt dringend Unterstützung", sagte Roger Hodgson, Vize-Länderdirektor von "Save the Children" in Nepal. "Aus Angst vor weiteren Nachbeben übernachten viele Familien unter freiem Himmel. Wir sind sehr besorgt, dass Kinder aufgrund der Kälte und der mangelnden Versorgung schwer erkranken."

120 Tonnen Hilfsgüter

Die Nothilfe läuft bereits auf Hochtouren, wird aber durch die zerstörte Infrastruktur stark behindert. Weil viele Gegenden nur schwer zu erreichen sind, ist die humanitäre Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen schwierig.

Unicef wird nach eigenen Angaben neben Helfern zwei Transportmaschinen mit 120 Tonnen Hilfsgütern, darunter auch Medikamente, Zelte und Decken, nach Kathmandu entsenden. Save the Children hat Familien in den schwer betroffenen Regionen mit 2000 Nothilfepaketen für Babys ausgestattet

Die Zahl der Toten nach dem Erdbeben vom Samstag liegt aktuell bei mehr als 3500. 2432 sind in Nepal gezählt worden, mehr als 90 in den Nachbarländern Indien und China. Das teilten nepalesische Behörden mit.

Ob es bei dem Beben auch deutsche Opfer gab, ist noch unklar, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin mitteilte. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sprach von mindestens zwei getöteten Franzosen in Kathmandu.

Rettungsaktion am Mount Everest

Rettungshubschrauber begannen am Montag, mehr als 150 Kletterer aus höheren Lagen am Mount Everest zu befreien, deren Abstiegsroute von Schnee blockiert wurde. Das Erdbeben hatte eine Lawine ausgelöst, die einen Teil des Basislagers verschüttete. Mindestens 18 Menschen wurden getötet. Zum Beginn der Klettersaison befanden sich Schätzungen zufolge rund 800 Menschen am höchsten Berg der Welt.

Der Wiederaufbau in Nepal könnte Experten zufolge mehr als fünf Milliarden Dollar kosten - das sind rund 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die EU-Kommission sagte drei Millionen Euro Nothilfe zu, die USA bot eine erste Hilfe in Höhe von einer Million Dollar an.

las/AFP/DPA / DPA
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