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ERDBEBEN: Lebend geborgenes Kind erliegt seinen Verletzungen

Das Erdbeben in Mittelitalien forderte bereits 29 Menschenleben, darunter mehr als 20 Grundschüler der eingestürzten Dorfschule. Ein Junge, der morgens lebend geborgen worden war, erlag inzwischen seinen Verletzungen.

Fast 24 Stunden nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien haben die Rettungsmannschaften am Freitagmorgen einen Jungen lebend aus den Trümmern seiner eingestürzten Vorschule gezogen. Das gerettete Kind - nach Angaben der Polizei handelt es sich um einen etwa sieben Jahre alten Jungen - wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Die Rettung des Kindes galt zunächst als »Wunder«. Inzwischen ist der Jungen seinen Verletzungen erlegen.

Bei dem Erdbeben in Italien sind nach neuesten Zahlen der Behörden 29 Menschen ums Leben gekommen. Das berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Unter den Trümmern einer eingestürzten Schule in der Region Molise seien vermutlich noch zwei Kinder verschüttet. 35 Kinder und Lehrer seien aus Trümmern gerettet worden.

»Ganze Klasse ausgelöscht«

»Es sieht so aus, als ob die ganze Klasse ausgelöscht wurde«, sagte der Geistliche Fernando Manna. Die Retter arbeiteten die ganze Nacht durch. Im Morgengrauen hielten sie einen Moment inne, um zu horchen, ob sie noch Stimmen unter den Trümmern hören können. Aber es herrschte nur Stille, bis kurz vor Mittag der Junge gerettet wurde.

Zuletzt war in der Nacht um 03.45 Uhr ein neunjähriger Junge lebend gerettet worden. Kurz nach Mitternacht war eine Lehrerin tot geborgen worden. Die Zahl der Getöteten stieg auf 24: Insgesamt 21 Kinder sowie eine Lehrerin und zwei Frauen, die in nahe gelegenen Häusern getötet worden waren. Ministerpräsident Silvio Berlusconi rief den Notstand für die Region aus.

Die Kinder feierten zum Zeitpunkt des Erdstoßes am Donnerstagmittag gerade eine Halloween-Party. Ein Mädchen namens Lilia erklärte im italienischen Fernsehen, die Kinder hätten gerade Pinocchio-Bilder gemalt und sich auf die Halloween Party vorbereitet, als das Beben die ganze Schule einstürzen ließ.

Der Ort San Giuliano di Puglia hat rund 2.000 Einwohner. Etwa 3.000 Menschen wurden in der Region bei dem Beben der Stärke 5,4 obdachlos.

Berlusconi begab sich noch am Donnerstagabend in das Unglücksgebiet. Es werde alles getan, um den Menschen zu helfen, versprach er. »Es gibt keine Grenzen«, sagte Berlusconi. Alle Mittel würden eingesetzt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder bekundete Berlusconi in einem Schreiben sein Beileid. Mit »Trauer und Bestürzung« habe er von dem schweren Erdbeben erfahren, bei dem so viele Kinder und Lehrer ihr Leben verloren. »Ich möchte Dir und den Menschen in Italien mein tief empfundenes Mitgefühl aussprechen und bitte Dich, den Angehörigen der Opfer mein aufrichtiges Beileid und den Verletzten meine Genesungswünsche zu übermitteln«, erklärte Schröder.

Beben nahe Palermo

Bundespräsident Johannes Rau drückte seine Anteilnahme in einem Brief an den italienischen Präsidenten Carlo Azeglio Ciampi aus. »Mein Mitgefühl gilt allen, die den Tod ihrer Lieben und Freunde betrauern müssen oder ihr Hab und Gut verloren haben.« Er hoffe, »dass weitere Verschüttete heil geborgen werden können.«

Das Erdbeben hatte gegen 11.33 Uhr weite Teile Mittel- und Süditaliens getroffen. Das Zentrum der Erdstöße lag im Bereich der Stadt Campobasso in der Region Molise, die sich 80 Kilometer nordöstlich von Neapel und 220 Kilometer südöstlich von Rom befindet. Am Donnerstag gab es auch am Ätna, der am Sonntag wieder aktiv geworden war, noch ein Erdbeben der Stärke 3,7. Am Freitagmorgen gab es in der selben Stärke ein Beben vor Palermo.