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Erstes Fernsehinterview nach Festnahme Strauss-Kahn: "Ich habe Respekt vor den Frauen"


Die Anzeige wegen Vergewaltigung in New York ist er los. Dennoch erwarten ihn weitere Verfahren in Frankreich und den USA. In einem Fernsehinterview stellte sich der frühere Chef des IWF Dominique Strauss-Kahn den Fragen einer französischen Journalistin. Raum für Überraschungen gab es nicht, das Interview wirkte minutiös abgesprochen.

Mit einem unrasierten Mann in Windjacke und Handschellen begann das Fernsehdrama um den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn Mitte Mai. Und mit einem dunkel gekleideten und durchaus wieder staatsmännischen "DSK" in einem Fernsehstudio endete vorläufig die Saga um den US-Absturz des einstigen Hoffnungsträgers der französischen Linken am Sonntagabend. Rund 13,4 Millionen Zuschauer verfolgten den vorerst letzten Fernsehakt, in dem der 62-Jährige zugab: "Das war ein moralischer Fehler und ich bin nicht stolz darauf."

Gemeint ist der Sex, den der frühere französische Wirtschaftsminister am 14. Mai mit einem Zimmermädchen im New Yorker Luxushotel Sofitel hatte. "Sieben bis neun Minuten" dauerte der Kontakt nach den Erkenntnissen der US-Justiz. Gewalt habe er dabei nicht angewandt, versicherte der frühere Anwalt und hielt zum Beweis mehrmals den Bericht der Staatsanwaltschaft hoch, "in dem es keine Kratzer, keine Verletzungen, keine Spuren von Gewalt gibt".

Keine Entschuldigung

Dennoch sei die "unangemessene Beziehung" ein Fehler gewesen - seiner Frau, seinen Kindern und auch den Franzosen gegenüber, sagt Strauss-Kahn. "Ich bedauere das unendlich." Eine Entschuldigung für den angerichteten Schaden, wie er sie vor seinen früheren Mitarbeitern des IWF aufgesprochen hatte, folgte nicht. "Kein Wort der Entschuldigung zu den Millionen Franzosen, die bereit waren, ihm vor dem 14. Mai ihr Vertrauen zu schenken", kritisierte die Zeitung "Les Dernières Nouvelles d'Alsace". Auch sein Land habe er in dem "egoistischen" Auftritt mit keinem Wort bedacht. "Er hätte sich entschuldigen müssen", befand auch der sozialistische Präsidentschaftsbewerber Arnaud Montebourg.

In dem offenbar genau vorher abgesprochenen 24-minütigen Interview, das eine Freundin von Strauss-Kahns Ehefrau Anne Sinclair führte, stellte sich der 62-Jährige als Opfer der US-Justiz dar. "Ich wurde erniedrigt, ohne vorher ein Wort sagen zu können", schilderte er die Art und Weise, wie die New Yorker Polizei mit ihm umging. "Ich habe Angst gehabt, viel Angst."

Strauss-Kahn würdigt seine Ehefrau

Und dann folgte der emotionale Höhepunkt in dem ansonsten wenig sentimentalen Auftritt: die Würdigung seiner Frau, die sich während des US-Verfahrens demonstrativ an der Seite ihres Mannes gezeigt hatte. "Das ist eine Ausnahmefrau", sagte Strauss-Kahn. "Ich hätte das ohne sie nicht durchgestanden."

Die Unterstützung von Anne Sinclair, einer in Frankreich bekannten Journalistin, wird "DSK" auch noch weiter brauchen. Denn in den USA läuft nach dem Ende des Strafverfahrens noch eine Zivilklage des Zimmermädchens Nafissatou Diallo. Auch in Frankreich liegt eine Anzeige gegen den 62-Jährigen wegen versuchter Vergewaltigung vor. Er soll 2003 über die Schriftstellerin Tristane Banon wie ein "brünftiger Schimpanse" hergefallen sein. Strauss-Kahn warf Banon vor, eine "eingebildeten Version" der Ereignisse geliefert zu haben und leugnete jede Gewaltanwendung.

"Man wird sehen"

"Jedes Mal, wenn die Würde der Frau in Frage gestellt wird, werden die Frauen, die nur Opfer sind, als Spinnerinnen dargestellt", kritisierte die Frauenrechtlerin Gisèle Halimi hinterher. "Ich habe Respekt vor den Frauen", versicherte Strauss-Kahn. Er verstehe deren Reaktion auf die Ereignisse in New York. "Ich habe dafür bezahlt und ich bezahle immer noch dafür."

Wirklich gebrochen wirkte der frühere IWF-Chef nicht durch das, was er in den vergangenen Monaten durchlebte. "Er war nicht deprimiert. Ich fand ihn eher wütend und die Wut ist ein Zeichen der Kampfesbereitschaft", sagte der Psychiater Serge Hefez der Zeitung "Libération". Wofür "DSK" nun genau kämpfen will, ließ er offen: "Man wird sehen."

Christine Longin, AFP AFP

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