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Fall Gammy: Eltern wollen Baby zu sich holen - Leihmutter relativiert Vorwürfe

Überraschende Wendung im Fall Gammy: Die australischen Eltern des zurückgelassenen Jungen weisen jetzt alle Vorwürfe der Leihmutter zurück - und auch die relativiert sie plötzlich.

Hat Gammys Leihmutter sich bloß wichtig gemacht? Im Fall des Babys Gammy gibt es plötzlich eine überraschende Wendung: Der biologische Vater des Kindes will den behinderten Jungen zu sich und seiner Ehefrau nach Australien holen. Er und seine Frau müssten zunächst sicherstellen, dass Gammys gesunde Zwillingsschwester Pipah die australische Staatsbürgerschaft erhalte und ihnen "nicht mehr weggenommen werden" könne, sagte David Farnell am Sonntag in seinem ersten Fernsehinterview zu dem Fall.

"Wenn wir zu einhundert Prozent wissen, dass sie sicher bei uns ist, können wir versuchen, unseren Jungen zurückzuholen", sagte Farnell dem Sender Channel Nine. Zugleich trat er Behauptungen entgegen, er habe die thailändische Leihmutter zur Abtreibung des Fötus mit dem Down-Syndrom gedrängt - auch wenn ihm und seiner Frau durchaus der Gedanke gekommen sei, weil Gammy einen angeborenen Herzfehler hatte und seine Überlebenschancen nach Auskunft der Ärzte gering gewesen seien. Allerdings hätten sie der austragenden Mutter niemals gesagt, dass sie "das Baby auf jeden Fall behalten kann".

Leihmutter erlaubte nicht, dass Gammy geht

Die junge Frau habe nach der Geburt im Dezember damit gedroht, die Polizei einzuschalten und beide Zwillinge bei sich zu behalten, sagte Farnell. Das australische Paar aus der Nähe von Perth habe Thailand deshalb zunächst ohne den Jungen und nur mit dessen Schwester verlassen, "weil wir Angst bekamen, dass wir auch sie verlieren würden". Allerdings räumte Farnell auch ein, dass er und seine Frau nach der Ausreise keinen Kontakt mehr zu Gammy gesucht hätten, um herauszufinden, wie es ihm geht. Für zusätzliche Aufregung hatten Enthüllungen gesorgt, wonach Farnell in den 1990er Jahren wegen mehrerer sexueller Übergriffe gegen junge Mädchen verurteilt worden war.

Die Leihmutter relativiert ihre Vorwürfe indes. Sie habe zwar nicht damit gedroht, beide Kinder zu behalten. Doch sie wollte nicht, dass die Farnells Gammy mit nach Hause nehmen: "Ich habe nicht erlaubt, dass Gammy mit ihnen zurückgeht. Das ist die Wahrheit", sagte sie, "und zwar deshalb, weil sie Gammy in eine Anstalt gesteckt hätten."

Das Schicksal des Säuglings hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Leihmutter hatte nach eigenen Angaben für umgerechnet 11.100 Euro die von Farnell befruchtete Eizelle einer anderen Thailänderin ausgetragen. Nach der Geburt sei sie mit dem Jungen im Stich gelassen worden.

Inzwischen ist Gammy sieben Monate alt und von Ärzten in Bangkok erfolgreich am Herzen operiert worden, wie die australische Hilfsorganisation Hands Across the Water meldete. Die Gruppe hatte knapp 180.000 Euro an Spenden für den Jungen gesammelt. Das Krankenhaus konnte Gammy demnach wieder verlassen. Er lebe nun mit seiner Familie in Bangkok.

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