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Familiendrama: Söhne entführt - zehn Jahre im Wald gehaust

Glückliches Ende einer Entführung: Ein Vater verschwand mit seinen beiden Söhnen spurlos - und lebte zehn Jahre mit ihnen im Wald. Eine Schule kennen die Jungen nicht, dafür mussten sie Ziegen hüten. Nur durch einen Zufall konnte die Geschichte aufgeklärt werden.

In Frankreich hat ein Vater zehn Jahre lang mit seinen beiden entführten Söhnen in einer Waldhütte gehaust. Anstatt sie zur Schule zu schicken, ließ er die Kinder Ziegen hüten, berichteten französische Medien am Dienstag. Ein Dorfbewohner erkannte die beiden Jungen vor kurzem auf einem Fahndungsfoto, vergangenen Freitag wurde Xavier F. daraufhin in einem Wald in den Pyrenäen festgenommen.

Am Wochenende konnte die Mutter, die verzweifelt nach ihren Kindern gesucht hatte, ihre Söhne zum ersten Mal wieder in die Arme schließen. Es sei "ein bewegender Moment" gewesen, zitierte die Zeitung "Le Parisien" den Großvater. Allerdings kehrten die Jugendlichen auf eigenen Wunsch wieder in ihre Hütte zurück. Die Polizei hat Ermittlungen wegen Entführung Minderjähriger aufgenommen, F. wird sich bald vor Gericht verantworten müssen.

Die Eltern hatten sich nach der Geburt der Kinder scheiden lassen, der Vater behielt aber Besuchsrecht. Beim Weihnachtsbesuch 1998 verschwand er mit seinen Söhnen, die heute 17 und 18 Jahre alt sind. Nach einer Odyssee durch Frankreich ließ er sich schließlich mit den Kindern im Wald südlich von Toulouse nieder. Die drei lebten in einer Scheune auf dem Grundstück eines deutschen Touristen, der sie dort als Gegenleistung für Handwerksarbeiten wohnen ließ, berichtete "Le Parisien".

Der 52-jährige Naturwissenschaftler soll mit seinen Kindern ein quasiautarkes Leben geführt haben - mit Solarzellen auf dem Dach und Wasser aus einem Gebirgsbach. Unter andere Menschen mischte sich der Sohn eines Arztes nur auf den Wochenmärkten der Region, allerdings unter falschem Namen. Das Fahndungsfoto zeigt ihn mit langen Haaren und einem ungeschnittenen Bart.

AP / AP
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