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Zwölf Jahre vermisst: Verschollene "Waldfrau" aufgetaucht

Zwölf Jahre lang war Gabriele Schulze vermisst. Ihre Angehörigen hatten längst jede Hoffnung aufgeben. Bis ein Anruf aus der Schweiz kam: Dort war man auf eine Frau aufmerksam geworden, die seit einem Jahr als Einsiedlerin im Wald hauste. Es stellte sich raus: Es war die vermisste Deutsche aus Brandenburg. Jetzt gab es ein anrührendes Wiedersehen.

Von Christoph Wöhrle, Bolligen

In den Schweizer Medien heißt sie nur noch die "Waldfrau". Seit einem Jahr lebte Gabriele Schulze, 52, in einem Schweizer Wald in Bolligen bei Bern. Unterwegs ist sie jedoch schon seit zwölf Jahren. Zu Fuß durch Frankreich, Italien und Östereich. Hauptsache weit weg von ihrem Zuhause in Brandenburg, das sie 1997 fluchtartig verlassen hatte.

Die vergangenen zwölf Monate hatte die Deutsche im Wald in einem selbstgebauten Verhau aus Holz gelebt, 80 Zentimeter hoch, bedeckt mit drei Brettern, dazu ein aufgespannter Regenschirm, der notdürftig gegen die Nässe schützt.

"Im Wald zu wohnen war genau das Richtige"

"Im Wald zu wohnen war für mich genau das Richtige", sagt Schulze in einem ersten Gespräch. Warum sie die Zivilisation verlassen hat? "Ich hatte einen konkreten Grund, über den ich aber nicht mehr sprechen will."

Im Sommer ernährte sich die Einsiedlerin oft von dem, was der Wald hergab, im Winter bat sie in Supermärkten nach abgelaufener Ware. Vermisst habe sie nichts in all den Jahren, sagte sie. Doch jetzt freue sie sich darauf, bald mal wieder Klöße serviert zu bekommen.

Die Berner Kantonspolizei war nach der Anzeige eines Wanderers auf die "Waldfrau" aufmerksam geworden. Erst bei der Eingabe ihrer Daten in die europaweite Fahndungskartei stellte sich heraus, dass die Einsiedlerin aus dem Bolliger Wald als vermisst gemeldet ist.

Anrührendes Wiedersehen mit der Schwester

Am Mittwoch kam es nun zum ersten Wiedersehen mit Schulzes jüngster Schwester Simone L. Sie hatte sich zusammen mit ihrem Mann auf dem Weg nach Bolligen gemacht, um Gabriele Schulze zurück nach Brandenburg zu holen.

In einem Gasthof trafen die Schwestern erstmals nach zwölf Jahren wieder aufeinander. Anschließend traten die beiden Frauen kurz vor die Medien. "Ich freue mich so", sagte Schulze über das Wiedersehen mit ihrer Schwester. Und nach einer langen Umarmung machten sich die Deutschen dann auf den Weg zurück in die Heimat.

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