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Riesenmünze geklaut, Bankfiliale gesprengt: Nach Razzia in Berlin: Die aufsehenerregenden Fälle des Familien-Clans

Die Berliner Polizei greift durch: Sie rückt einem Verbrecher-Clan zu Leibe, der Beute in Millionenhöhe durch Wohnungskäufe gewaschen haben soll. Der Großfamilie werden gleich zwei spektakuläre Einbrüche nachgesagt.

Sebastian Ostendorf

Die Berliner Ermittler sind am vorläufigen Ende einer jahrelanger Spurensuche angekommen: Am Donnerstagmorgen beschlagnahmten sie in einem Handstreich 77 Immobilien. Die sind allesamt im Besitz der Familie R. Seit fast vier Jahren waren die Polizisten dem Verbrecher-Clan auf den Fersen. Mitglieder hatten in der Vergangenheit rege Häuser und Wohnungen erworben.

Woher das Geld von knapp 10 Millionen Euro stammte, war zunächst ein Rätsel. Die Ermittler verdächtigten hinter der Einkaufstour eine großangelegte Geldwäsche-Aktion. Sie schreiben dem Clan gleich drei spektakuläre zu, mit denen sich Mitglieder den Lebensunterhalt finanzierten.

Die 100 Kilogramm schwere Riesenmünze "Big Maple Leaf" im Bode-Museum in Berlin vor dem Einbruch.

Die 100 Kilogramm schwere Riesenmünze "Big Maple Leaf" im Bode-Museum in Berlin vor dem Einbruch.

DPA

Berlin: 9,3 Millionen Euro Beute bei Bankeinbruch

Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein dreister Bankraub im Oktober 2014. Bisher Unbekannte hatten 100 Schließfächer einer Bank in Mariendorf aufgebrochen und einen Geldautomaten geknackt. Allerdings drangen sie nicht von außen ein, sondern hatten sich unbemerkt in dem Gebäude einsperren lassen. Um ihre Spuren zu verwischen, sprengten die Einbrecher einen Teil der Filiale in die Luft.

Ein Täter verletzte sich dabei, er sitzt seit 2016 eine achtjährige Haftstrafe ab. Doch die Beute in Höhe von 9,3 Millionen Euro blieb verschwunden. Wie sich herausstellte ist der Mann im Gefängnis mit dem Clan R. verwandt. Nach Recherchen der "Berliner Zeitung" soll sein Bruder wenig später in für mehr als 100.000 Euro eine Wohnung gekauft haben. Der lebte aber meist von Hartz IV. Der "Berliner Kurier" will erfahren haben, dass die zuständige Gesellschaft eine Überprüfung wegen Geldwäsche unterlassen hatte.

100 Kilogramm schwere Riesenmünze

Der Clan machte erneut im März 2017 von sich Reden. Drei stiegen in das Bode-Museum ein und  ließen die Goldmünze "Big Maple Leaf" mitgehen. Ihre Tat setzte eine Menge Planung und Finesse voraus. Immerhin war die Beute satte 100 Kilogramm schwer und hatte einen Durchmesser von 53 Zentimeter – der Wert des guten Stücks: 3,7 Millionen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass auch dieser spektakuläre Diebstahl im Zusammenhang mit dem Clan steht. Verdächtige würden derselben zugerechnet, gab Staatsanwalt Bernhard Mix am Donnerstag bekannt. Doch noch stünden belastbare Beweise aus. Die Goldmünze bleibt jedoch verschwunden. Die Polizei vermutet, dass das Stück inzwischen zerlegt wurde. Im Juni 2017 waren Haftbefehle gegen vier Verdächtige erlassen worden, inzwischen sind zwei Männer wieder auf freiem Fuß.

Mord wegen 100.000 Euro Schulden

Blutig ist dagegen eine Tat, die nur zwei Monate später publik wurde. Im Mai 2017 soll ein Mitglied des Clans den 43-Jährigen Ali O. ermordet haben. Das Opfer gehörte einer anderen Großfamilie an. Ermittler gehen davon aus, dass der mutmaßliche Täter mit 100.000 Euro bei Ali O. in den Schulden stand, aber diese Schulden nicht begleichen wollte. Der 43-Jährige soll O. mit zwei Verwandten aufgelauert haben, um ihm eine Lektion zu erteilen. Sie schlugen mit Baseball-Schlägern aber so stark auf ihn ein, dass das Opfer seinen Verletzungen erlag.

Wie die "BZ Berlin" berichtet, soll der 19-Jähriger Ismael R. beteiligt gewesen sein. Der steht seit 24. Mai vor Gericht, schweigt sich aber aus. Seine Mittäter sind unbekannt. Die BZ will erfahren haben, dass Ermittler bei einer Durchsuchung auf Unterlagen gestoßen sind, die auf die beschlagnahmten Immobilien hinwiesen.