HOME

Klimawandel: Eckart von Hirschhausen spricht mit seiner Familie über Verantwortung und Umweltschutz (mit Humor)

Die Klima-Proteste der jungen Generation sind für Eckart von Hirschhausen und seine Familie ein großes Thema. Ein Gespräch über die Wut der Jungen und das Versagen der Alten.

Von Tomke Giedigkeit und Doris Schneyink

Klima-Protest: Gespräch mit Eckart von Hirschhausen und seiner Familie

Gutes Klima: Ein Korallenriff, konserviert im Naturkundemuseum Berlin, dient als Kulisse fürs Familienfoto. Weil die Ozeane zunehmend versauern, sind die filigranen Gebilde und ihre Lebensräume bedroht

Christian, Sie sind Wirtschaftswissenschaftler, Ihr Bruder Eckart beschreibt Sie als eher introvertierten Menschen. Dennoch waren Sie kürzlich mit Ihren Studenten im Hambacher Forst. Haben Sie Bäume besetzt?

Christian: Nein, es war eine Studienreise. Und grundsätzlich rede ich vom Hambacher Wald: Wenn man von einem Forst spricht, klingt das so, als gehe es um eine beliebige Aufforstung, die überall stattfinden könnte. Die Abholzung des Hambacher Hainbuchen-Stieleichenwaldes jedoch – zur Gewinnung des schmutzigsten aller fossilen Energieträger, der Braunkohle – ist ein unangemessener Eingriff in die Natur und das lokale Ökosystem. Wir haben die "Energiewende in NRW" studiert, Daten gesammelt, Gespräche geführt und auf Basis der Recherchen eine Studie veröffentlicht. Wir zeigen, dass ein Braunkohleausstieg im Rheinland unproblematisch ist und nicht zu Versorgungsengpässen führt, wie es 15 Jahre lang fälschlicherweise berichtet wurde.

Also doch eher eine als Studienreise getarnte Demo?

Christian: Ich glaube, dass es grundlegend falsch ist zu denken, dass die Politik in der Politik stattfindet und dass Wissenschaft nur dazu da ist, brav Fakten abzuliefern und sich politischer Wertung zu enthalten. Politik findet auch in der Wissenschaft statt und ist zugleich sehr lokal, sodass man vor Ort am meisten lernt. Das wollte ich den Studierenden zeigen. Wir trafen auch Mitarbeiter der RWE-Tochterfirma Innogy, die mit erneuerbaren Energien ihre Geschäfte macht und sich das auf die Fahnen schreibt. Aber dennoch baggert RWE weiterhin massiv den bereits weitgehend dezimierten Hambacher Wald ab, um billige Braunkohle zu fördern, die uns alle noch teuer zu stehen kommen wird.

Demonstrationen wie diese gegen den Braunkohleabbau im Rheinland im Oktober 2018 erhöhen den Druck auf Politik, Wirtschaft und jeden Einzelnen, den Klimawandel ernst zu nehmen

Demonstrationen wie diese gegen den Braunkohleabbau im Rheinland im Oktober 2018 erhöhen den Druck auf Politik, Wirtschaft und jeden Einzelnen, den Klimawandel ernst zu nehmen

Waren Wissenschaftler wie Sie bislang zu leise?

Christian: Nein. Die erste Studie zum Braunkohleausstieg, an der ich mitgearbeitet habe, stammt aus dem Jahr 2012. Bereits damals zeigte sich, dass man die Kohlevorkommen im Hambacher Wald und in Garzweiler nicht braucht, übrigens auch nicht die aus der Lausitz, etwa in Proschim, und dem Leipziger Land in Pödelwitz.

Eckart: Aber ihr seid nicht durchgedrungen, diese Erkenntnisse vergammelten folgenlos. Die Stimmen, die seit Jahrzehnten auf die Grenzen des Wachstums hingewiesen und die globale Erwärmung vorhergesagt haben, wurden von der Politik weitgehend ignoriert. Eines meiner Lieblingsplakate von Fridays for Future lautet: "Why get an education when nobody listens to the educated?" Was nutzt einem Bildung, wenn keiner auf die Gebildeten hört? Ich habe das Gefühl, dass sich das gerade massiv ändert, dass Gruppen, die lange nicht politisch gedacht haben, sich jetzt durch die Klimakrise verstärkt einmischen.

Wie ist das bei Ihnen, Clara? Disco oder Demo?

Clara: Ich bin in verschiedenen Bewegungen aktiv, und das Thema Energiewende war bei uns immer präsent. Als Kinder sind wir mit unserem Vater in Braunkohlereviere gefahren und haben uns das angeschaut.

Eckart: Das waren eure Sonntagsausflüge ...

Gab es in der Familie Hirschhausen früher politische Diskussionen am Abendbrottisch?

Christian: Die spannendsten waren die Diskussionen über Atomkraft. Unser Vater hat uns in diesem Nachkriegsmythos erzogen, Atomkraft sei sicher und wir brauchten sie. Man muss sich das einmal vorstellen, in den 60er Jahren wurden in der Asse, dem Atommülllager in Niedersachsen, das heute vom Wassereinbruch bedroht ist, Kindergeburtstage gefeiert.

Eckart: Man muss aber auch sagen, dass unser Vater der nachhaltigste von uns allen ist. Während sich gerade Turnschuhhersteller loben, dass sie jetzt Plastik recyceln, hat er immer noch sein eines Paar "Adidas Rekord", die plötzlich wieder voll angesagt sind.

Wie geht nachhaltig? Ingeborg von Hirschhausen, 81, diskutiert darüber mit ihren Söhnen und ihrer Enkelin.

Wie geht nachhaltig? Ingeborg von Hirschhausen, 81, diskutiert darüber mit ihren Söhnen und ihrer Enkelin.

Ingeborg: Ich erinnere mich, dass ich mit meiner Abiturklasse begeistert zu einer Ausstellung über Atomkraft nach Stuttgart fuhr, wir waren hin und weg. Das Wissen, welchen Rattenschwanz das nach sich zieht, das hatten wir gar nicht.

Eckart: Ich glaube, dass jede Generation ihr Aha-Erlebnis hat, das sie die Welt anders sehen lässt. Für mich war das 1986 Tschernobyl, da war ich gerade 18 und unterwegs nach München. Ich stand an der Autobahn und trampte und dachte, du weißt überhaupt nicht, wo du hinfahren sollst. Überall kann diese radioaktive Wolke hin. Damals habe ich in Wackersdorf demonstriert. Ich wundere mich, wie meine Generation, die mit Anti-Atomkraft, Waldsterben und Friedensbewegung aufwuchs, derartig dabei versagt hat, das Wissen um die Grenzen des Wachstums in Politik und eigenes Handeln umzusetzen. Es sind heute manchmal fast 40 Grad in Berlin, und ich kann der Hitze nicht entkommen. Dieses Gefühl der Unausweichlichkeit finde ich körperlich und psychisch bedrohlich.

Kürzlich diskutierten Mitglieder von Fridays for Future mit Bundestagsabgeordneten hier im Berliner Naturkundemuseum und bekamen nur Floskeln zu hören. Müssen die Proteste schärfer werden?

Clara: Ich finde, sie sind schon ziemlich scharf, aber sie müssen noch breiter werden. Ziviler Ungehorsam gehört dazu.

Eckart: Es sind die klügsten und engagiertesten Jugendlichen und Studierenden, die jetzt auf der Straße sind. Wenn die erleben, dass ein halbes Jahr massiver Proteste und Mobilisierung zu keinen politischen Entscheidungen führt, sind die fürs Leben frustriert, was demokratische Prozesse angeht. Das läuft auf einen neuen echten Generationenkonflikt hinaus. Als ich von den Fridays eingeladen wurde, mit den "Scientists for Future" auf der Demo in Berlin zu sprechen, wollte ich das deshalb auch als Generationenprojekt machen, mit Clara und mit Christian. Und für das Gespräch heute freue ich mich, auch unsere Mutter dabeizuhaben. Eure Generation hat ja schon "nachhaltig" gelebt, bevor es das Wort überhaupt gab.

Ingeborg: Als Flüchtlinge lebten wir in einem kleinen Dorf in Baden-Württemberg und waren stigmatisiert als die, die nichts hatten. Und natürlich haben wir versucht, alles wiederzuverwenden. Die Schulhefte beschrieben wir mit Bleistift, damit man die ausradiert im nächsten Schuljahr wiederverwenden konnte. Mein Mann lief noch barfuß, um die Schuhe zu schonen. Und auch das Essen wurde oft aus Resten oder Überbleibseln gekocht, ja nichts wegwerfen. Zum Beispiel gaben die Bauern ihre Felder frei zum Ährenlesen, dann ging man da hin und schnitt sie ab und kriegte ein Kilo Mehl dafür. Das war Armut. Meine Mutter wurde zu einer Art Sprecherin der Flüchtlinge gewählt. Als eine Frau ein Kind bekam, ging sie zu einer wohlhabenden Bäuerin und fragte: Könnten Sie dieser jungen Mutter ein Handtuch schenken? Und die Bäuerin führte meine Mutter zu einem Schrank, in dem lagen Stapel von Handtüchern, immer zwölf Stück. Sie zeigte darauf und sagte richtig entwaffnend: "Sie werden doch verstehen, ich kann kein Dutzend zerstören." Dabei blieb es. Das ist eine Denkweise, die nur entstehen kann, wenn man von der Welt nichts weiß und nicht hinguckt. Und heute frage ich mich: Gucken wir genug hin? Etwa bei der Frage, wie Flüchtlinge bei uns leben.

Ihre Generation hat das Wirtschaftswunder erlebt, das Leben wurde mit dem rasant wachsenden Wohlstand einfacher. Heute beklagen wir die Folgen dieses Wohlstands, aber hat der nicht auch Sicherheit gegeben?

Ingeborg: Natürlich war das auch schön und eine Erleichterung, als das Leben bequemer wurde. Als Eckart auf die Welt kam, besaßen wir noch kein Auto. Als die Wehen losgingen, fuhr uns dankenswerterweise ein Nachbar ins Krankenhaus. Das war kein Konsumverzicht, sondern wir konnten es uns einfach nicht leisten. Aber es ging auch ohne. Und auch ohne viele Fernreisen.

Eckart (l.), 51, Arzt und Comedian; Christian, 55, Wirtschaftsprofessor an der TU Berlin; Clara, 21, studiert Philosophie

Eckart (l.), 51, Arzt und Comedian; Christian, 55, Wirtschaftsprofessor an der TU Berlin; Clara, 21, studiert Philosophie

Eckart: Stimmt, und ihr hattet auch nie das Gefühl, nicht auf den Malediven gewesen zu sein heißt, etwas verpasst zu haben. Eure Geschichte hat auch unsere Generation geprägt. Diese Erfahrung, dass alles Materielle plötzlich weg ist und man froh ist, das nackte Überleben gesichert zu haben. Die Skepsis gegenüber Statussymbolen teilen wir alle. Das erste Auto in unserer Familie war ein gebrauchter, orangefarbener Passat, der hatte nicht mal ein Radio, was dazu führte, dass unser Entertainment aus der Mundorgel bestand. Deswegen kann ich bis heute viele Volkslieder auswendig singen.

Für Ihre Generation, Clara, sind Markenklamotten sehr wichtig, mit ihnen drückt man aus, wer man ist und zu wem man gehört.

Clara: Ich finde, dass sich da gerade etwas verändert. Dieses übermäßige "Nimm, was du kriegen kannst", das führt nicht zu mehr Glück. Wir haben einfach schon so viel. Natürlich gibt es da eine Verzerrung bei der Art, wie ich die Dinge wahrnehme, denn ich bewege mich in meiner Blase in Berlin und an der Uni. Aber es sind viele, die jetzt handeln möchten, sie wollen weniger Fleisch essen, nicht mehr fliegen. Als ich vor zehn Jahren Vegetarierin wurde, war ich fast die einzige, heute sind wir viele.

Kann man denn die Welt an der Supermarktkasse verändern?

Christian: Man braucht beides – politische Verantwortung in kollektiven Entscheidungsprozessen wie auch die originellen Ideen und Aktionen von Einzelnen und Gruppen. Wir hätten die jetzige Diskussion niemals in dieser Intensität, wenn nicht Einzelne zeigen würden, dass man auch nachhaltig konsumieren kann, wenn nicht Menschen über Jahre im Hambacher Wald gelebt und protestiert hätten. Ziviler Ungehorsam ist ein wichtiger Treiber. Seit sechs Jahren haben wir eine Regierung, die zwar selbst Klimaziele festgelegt hat, sie aber durch wechselseitige Lähmung und Passivität krachend verfehlt.

Was schlagen Sie konkret vor? Brauchen wir eine CO2-Bepreisung? Ein Tempolimit?

Eckart: Ja, beides! Es braucht dringend einen Preis, wenn man die Luft verdreckt, auch wenn Treibhausgase unsichtbar sind, sie bleiben ja da. Und beim Tempolimit gibt es als Arzt keine zweite Meinung: Wir hätten weniger Tote und Verletzte, weniger Dreck in der Luft, weniger Stress. Unsere menschliche Gesundheit, die Gesundheit der Umwelt und des Planeten sind viel enger miteinander verknüpft, als wir uns das lange klargemacht haben. Die Klimakrise ist die größte Bedrohung für die Gesundheit im 21. Jahrhundert. Das ist nicht meine private Meinung, sondern die ganz offizielle des Weltärztebundes, der internationalen wissenschaftlichen Akademien, der Fachzeitschrift "Lancet". Auch der Papst hat das kapiert.

Wegen der Trockenheit in Südindien müssen in manchen Regionen Tankwagen Wasser zu den Menschen schaffen. Clara von Hirschhausen machte dort ein Freiwilligenjahr.

Wegen der Trockenheit in Südindien müssen in manchen Regionen Tankwagen Wasser zu den Menschen schaffen. Clara von Hirschhausen machte dort ein Freiwilligenjahr.

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber nennt das die Selbstverbrennung. Aber viele haben die Dimension, in der unsere Existenz bedroht ist, noch nicht begriffen. Die Hitze macht uns Menschen heute ja schon ungemein zu schaffen, Allergien nehmen zu, Infektionskrankheiten aus den Tropen können sich über Mücken in Europa verbreiten und, und, und. Am stärksten sind erst mal natürlich andere Länder betroffen. Laut der Internationalen Organisation für Migration mussten allein 2018 mehr als 17 Millionen Menschen ihre Heimat aufgrund von Naturkatastrophen und extremer Naturereignisse verlassen. Es gibt ein Foto, das zeige ich gern auf Vorträgen, da sieht man, wie in Kalifornien ein Wald brennt, und davor spielen Menschen Golf. Das beschreibt unsere Idiotie ganz gut. Wir sind das einzige Wesen der Natur, welches in die Zukunft gucken kann, das ein Konzept von Endlichkeit hat – und wir verhalten uns so dermaßen kurzsichtig.

Aber wie soll der Energiehunger der Welt künftig gestillt werden?

Christian: Die Erkenntnis, dass man den weltweiten Energiebedarf zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien decken kann, ist inzwischen fast schon Mainstream. Technisch ist das relativ leicht machbar, und es ist auch zu finanzieren. Atomkraft als Klimaschutztechnologie zu bezeichnen, wie es wieder in Mode kommt, ist wegen der hohen Risiken verantwortungslos und ökonomisch unsinnig. Übrigens ist auch Erdgas nicht sauberer als Kohle, weil es viel Methan enthält, was extrem klimaschädlich ist. Der Energieverbrauch muss auch insgesamt eingeschränkt werden.

Ist es nicht zynisch, wenn wir Europäer Menschen in Indien oder China sagen, unseren Lebensstil könnt ihr nicht haben, sorry, ihr müsst mit weniger Wohlstand klarkommen?

Christian: Es ist ja nicht so, als würde diese Diskussion nur bei uns geführt. In Indien beispielsweise boomt die Solarenergie. Bis zum Jahr 2022 werden dort zusätzliche Kapazitäten von 175 Gigawatt gebaut. China hängt uns bezüglich der erneuerbaren Energien locker ab. In Bangladesch könnte man von heute auf morgen die Tuk-Tuks, die motorisierten Auto-Rikschas, von dreckigen Zweitaktern auf elektrisch betriebene umstellen. Das Klima zu schützen muss nicht Konsumverzicht bedeuten.

"Humor kann helfen, Widersprüche zu reflektieren."

"Humor kann helfen, Widersprüche zu reflektieren."

Clara: In Südindien gibt es Regionen, wo Wasser mit dem Tanklaster herangeschafft werden muss, weil es dort keines mehr gibt. Der Monsun hat einfach ausgesetzt. Aber man darf den Menschen nicht Lösungen vorsetzen, sie müssen selbst entscheiden. Ich habe dort ein Jahr lang einen Freiwilligendienst gemacht. Wie viele privilegierte Deutsche.

Und dafür ist es okay zu fliegen?

Clara: Es ist ganz klar, dass Freiwilligendienste etwas sind, das wir für uns machen. Es ist nicht so, dass wir damit da draußen in der Welt Menschen helfen, sondern Deutschland gewinnt, wenn seine Jugendlichen irgendwo anders sind und lernen. Ich bin dankbar dafür, dass ich das machen durfte.

Was haben Sie dort gelernt? Was war Ihre wichtigste Erfahrung?

Clara: Dass wir in einer sehr ungerechten Welt leben und dass viele Strukturen, die aus der Zeit des Kolonialismus stammen, noch sehr präsent sind. Und ich habe erlebt, wie Trockenheit und Wassermangel sich anfühlen.

Eckart: Humboldt hat gesagt, nichts ist gefährlicher als die Weltanschauung von Leuten, die die Welt nie angeschaut haben. Klar, fliegen ist toxisch. Aber du bist für ein Jahr da hingeflogen und nicht kurz zum Shoppen nach New York.

Die Menschen mögen keine Moralpredigten. Eckart, Sie bringen die Leute in Ihren Shows zum Lachen. Könnte man sie auch beim Thema Klimaschutz mit Humor erreichen?

Eckart: Humor kann helfen, Widersprüche zu reflektieren. Ein Beispiel aus meinem aktuellen Bühnenprogramm: Stellen Sie sich vor, es gibt an der Supermarktkasse für jedes Kilo Fleisch ab sofort einen Eimer mit 20 Liter Gülle verpflichtend mit dazu. Den musst du mit nach Hause nehmen. Und die Kassiererin fragt noch: "Wollen Sie einen Deckel, oder geht das so mit? Viel Spaß beim Grillen." Wenn ich das sage, lacht das Publikum und versteht, ja, Fleisch zu essen hat einen enormen versteckten Preis. Ich wäre sehr dafür, bei Lebensmitteln einen CO2-Abdruck kenntlich zu machen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass eine Rindfleischsuppe zehnmal so viele Treibhausgase erzeugt wie eine Gemüsesuppe. Und dann denkt der Verbraucher: Schmeckt mir die denn wirklich zehnmal so gut? Nö.

"Man darf den Menschen nicht Lösungen vorsetzen, sie müssen selbst entscheiden."

"Man darf den Menschen nicht Lösungen vorsetzen, sie müssen selbst entscheiden."

Christian: Aber natürlich ist man schnell in einer Abwehrdiskussion: Die Ökospinner wollen uns das Fleisch, das Fliegen, das Autofahren verbieten. Dabei brauchen wir mehr Regulation, ein Einzelner kann ja nicht dafür sorgen, dass Fliegen teurer wird als Bahnfahren. Und das ist keine Diktatur, das ist ein Ehrlichmachen von Preisen.

Eckart: Politik könnte heute so viel mutiger sein. Als das Rauchen in Kneipen verboten wurde, was gab das für einen Aufschrei … Und heute sind doch alle froh darüber, sogar die Raucher. Viele Länder haben ein Tempolimit, und ihre Ökonomien sind nicht daran kaputtgegangen. Es gibt viele gute Beispiele, dass sich Steuerung und Gesetze lohnen. Das Verbot von FCKW hat das Ozonloch schrumpfen lassen, durch die Entschwefelung von Benzin und Industrieabgasen ist das Waldsterben ausgeblieben, und das Klimaabkommen von Paris ist ein Anfang.

Wie ein nachhaltiger Lebensstil uns und der Erde guttut, erklärt die neue Ausgabe von Dr. von Hirschhausens GESUND LEBEN

Wie ein nachhaltiger Lebensstil uns und der Erde guttut, erklärt die neue Ausgabe von Dr. von Hirschhausens GESUND LEBEN

Frau von Hirschhausen, machen Sie sich Sorgen um die Zukunft von Clara, Ihrer Enkelin?

Ingeborg: Ja, absolut. Wir hatten den Eindruck, wir müssen die Ärmel hochkrempeln und dieses total zerstörte Deutschland wieder aufbauen, auch wenn das jetzt überheblich klingt. Und nun ist es für die Jugendlichen eigentlich noch schwieriger als für uns, sie haben viel komplexere Probleme zu lösen.

Christian: Das sehe ich anders. Objektiv geht es der schnell gewachsenen Menschheit besser als 1945. Der Wohlstand ist gestiegen, muss aber besser verteilt werden. Und: Wir haben die Möglichkeit, unsere Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Für mich ist das Glas halb voll.

Ingeborg: Jede Generation wünscht sich, dass es die Kinder einmal besser haben sollen. Und ich hoffe sehr, das gilt auch noch für die Enkel.

Eckart: Ein Start ist, darüber zu sprechen, in der Familie, auf der Arbeit, in der Öffentlichkeit. Und was zu tun. Es gab gerade eine spannende Studie zur Möglichkeit, mit Wiederaufforstung Kohlendioxid zu binden. Seitdem unterstütze ich bei meinen Auftritten "Plant-for-the-Planet" und pflanze zusammen mit den Zuschauern Bäume. Das ist nicht von heute auf morgen wirksam. Aber es keimt etwas!