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Nach Christchurch: Mehr als 10.000 Waffen in Neuseeland bei Rückkauf-Aktion abgegeben

Nach dem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch hat die neuseeländische Regierung halbautomatische Waffen ver- und ihren Rückkauf angeboten. Die ersten vier Wochen waren schon ein großer Erfolg.

Menschen bringen ihre nun verbotenen Waffen zur Abgabe

Am 13. Juli begann die Aktion: Menschen können ihre Waffen gegen Geld bei mehr als 250 geplanten Rückkaufveranstaltungen eintauschen

DPA

Nach der Ermordung von 51 Menschen in zwei Moscheen in Christchurch durch einen australischen Rechtsextremen im März dieses Jahres hat die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern ein Gesetz vorangetrieben, das automatische und halbautomatische Waffen verbietet. Bereits im April wurde ein Gesetzesentwurf, der die meisten dieser Waffen umfasst, mit 119 zu 1 Stimme verabschiedet. Gleichzeitig brachte Ardern 150 Millionen Neuseeland-Dollar auf, rund 86 Millionen Euro, um die nun illegalen Waffen von den Bürgern ihres Landes zurückzukaufen. "Ich konnte nicht begreifen, wie Waffen von solcher Zerstörungs- und Todesgewalt in diesem Land legal erhältlich sind", hatte die Premierministerin damals gesagt. Der für die Toten in Christchurch verantwortliche Australier hatte seine Waffen legal vor Ort gekauft und nicht, wie zunächst angenommen worden war, auf dem Schwarzmarkt erworben.

Der Waffenrückkauf durch den Staat begann Mitte Juli. Seither sind 10.242 Stück der nun illegalen Waffen in die Hände der Polizei übergeben worden, plus 1269 Waffen, die straffrei etwa von Menschen ohne Waffenschein oder Papiere für die Waffe abgegeben werden konnten. Zu den bisherigen 90 Sammelaktionen kamen mehr als 7000 Waffenbesitzer, berichtet der britische "Guardian". In einem Schreiben der Polizei wird das Engagement der Bürger gelobt und die Polizei als "wirklich froh" über den öffentlichen Anklang der Aktion beschrieben.

Waffenrückkauf: Es gab nicht nur positives Feedback

Im Gegensatz zu den einsichtigen Neuseeländern gab es aber auch andere, die begannen, Waffen und Munition zu horten, die nicht länger legal sein werden. Zahlreiche Schützenvereine und Jagdverbände hatten die Rückkauf-Aktion kritisiert. Sie sagten, die finanzielle Kompensation sei zu gering und die Mehrheit der gesetzestreuen Waffenbesitzer sollte nicht wegen der Handlungen eines Individuums bestraft werden.

Die Gesamtzahl der Waffen in Neuseeland wird auf zwischen 1,2 und 1,5 Millionen geschätzt. Besitzer der nun verbotenen Modelle haben noch bis zum 20. Dezember Zeit, ihre Waffen abzugeben. Der Besitz verbotener Modelle kann mit Gefängnis zwischen zwei und fünf Jahren bestraft werden.

Quelle: "Guardian"

bal