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Ian Brackenbury Channell Neuseeland feuert nach 23 Jahren seinen offiziellen Magier

Eine Kultfigur in Neuseeland: der "Wizard of New Zealand" Ian Brackenbury Channell
Eine Kultfigur in Neuseeland: der "Wizard of New Zealand" Ian Brackenbury Channell
© Ross Setford / Picture Alliance
Ian Brackenbury Channell war mehr als 20 Jahre lang von der neuseeländischen Stadt Christchurch offiziell als Zauberer angestellt. Doch damit ist jetzt Schluss – auch wegen des Frauenbildes des 88-Jährigen?

Er war wohl der einzige offiziell beauftragte Magier der Welt: Ian Brackenbury Channell. Der 88-Jährige arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte lang als Zauberer der neuseeländischen Gemeinde Christchurch. Umgerechnet knapp 10.000 Euro im Jahr erhielt er Medienberichten zufolge für die Förderung der Stadt durch "magische Handlungen und andere zauberähnliche Dienste". Doch nun soll seine Kunst ein Ende haben: Christchurch hat dem "Wizard of New Zealand" gekündigt.

Vom Premier höchstpersönlich umworben

"Der Stadtrat hat sich mit dem Magier getroffen und ihm einen Brief geschickt, in dem er ihm für seine Dienste für Christchurch in den vergangenen Jahrzehnten dankt und ihn darüber informiert, dass wir unsere formale vertragliche Vereinbarung beenden", zitiert die neuseeländische Nachrichtenseite "Stuff" die Stadträtin Lynn McClelland. Die letzte Zahlung im Rahmen des 1998 geschlossenen Vertrages werde im Dezember erfolgen.

Es sei eine "schwierige Entscheidung" gewesen, doch die Werbelandschaft in Christchurch habe sich verändert, erklärte McClelland. Neue Werbeprogramme würden mehr "die unterschiedlichen Gemeinschaften widerspiegeln und eine lebendige, vielfältige, moderne Stadt zeigen, die attraktiv für Einwohner, nationale und internationale Besucher, neue Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland ist".

1990 hatte Neuseelands damaliger Premierminister Mike Moore Brackenbury Chanell höchstpersönlich für den Job angeworben. Der Magier war 1976 von seinem Heimatland England nach Neuseeland übergesiedelt und hatte kurz darauf begonnen, auf öffentlichen Plätzen aufzutreten. Die Stadtverwaltung wollte das zunächst unterbinden, doch die Öffentlichkeit protestierte dagegen und setzte sich durch. 1982 erklärte der Verband der neuseeländischen Kunstgaleriedirektoren ihn zu einem lebenden Kunstwerk und 1990 legte Premier Moore ihm nahe, der Zauberer von Neuseeland zu werden.

"Ich bin besorgt, dass Ihre Zauberkunst nicht der gesamten Nation zur Verfügung steht", schrieb Moore dem "Guardian" zufolge in einem offiziellen Brief an Brackenbury Chanell. "Ich schlage daher vor, dass Sie dringend meinen Vorschlag in Erwägung ziehen sollten, der Zauberer von Neuseeland, der Antarktis und den entsprechenden vorgelagerten Gebieten zu werden."

Sogar die Queen ehrte den Zauberer

1998 nahm die Christchurch Brackenbury Chanell schließlich offiziell unter Vertrag. Seither wurde er dafür entlohnt, mit seinen Auftritten Touristen und Einheimische zu verzaubern. Doch der Magier übernahm auch bedeutendere Aufgaben, wie die "New York Times" berichtet: So versuchte er, Rugbyteams mit Zaubersprüchen zum Sieg zu verhelfen (und bot 1984 seinen Rücktritt an, nachdem die falsche Mannschaft gewonnen hatte). 1988 führte er auf der Südinsel Neuseelands einen Regentanz auf, um eine Dürre zu beenden. Etwa eine halbe Stunde nach seinem Auftritt regnete es. Später wurde er ebenfalls wegen einer Trockenheit nach Australien gerufen, wo er im Outback im Kreis hüpfte, während er trommelte und mit Eimern voll Wasser bespritzt wurde – die Dürre war bald vorbei.

Im Jahr 2009 wurde Brackenbury Chanell sogar im Rahmen der Geburtstagsfeierlichkeiten für Queen Elizabeth mit der Queen's Service Medal ausgezeichnet.

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Doch der Zauberer sorgte auch für Kontroversen – mit unpassenden Bemerkungen über Frauen. Bei einem Auftritt in einer Comedy-TV-Show im vergangenen April erzählte Brackenbury Chanell nach Angaben des "Guardian", er nehme Frauen gerne auf die Schippe indem er ihnen sage, dass sie hinterhältig seien, und dass Frauen "Männer, die dumm sind, mit List bekommen".

"Ich liebe Frauen, ich verzeihe ihnen ständig, ich habe noch nie eine geschlagen", erklärte der Zauberer. "Schlagen Sie niemals eine Frau, denn sie bekommen zu leicht blaue Flecken, und dann erzählen sie es den Nachbarn und ihren Freunden [...] und dann haben Sie großen Ärger."

Im August postete der 88-Jährige zudem laut "New York Times" auf Facebook ein Bild, mit dem er für seine Kampagne "Rettet die Männer" warb und die Menschen aufforderte, "die letzte gefährdete Art zu schützen".

Ob diese Kommentare Einfluss auf die Kündigungsentscheidung des Stadtrates hatten, ist nicht bekannt. Auch Brackenbury Chanell hat darüber nach eigenen Angaben keine Klarheit: "Ich würde gerne wissen, was der Grund dafür ist", sagte er "Stuff" und attackierte die Verantwortlichen: "Sie sind ein Haufen von Bürokraten, die keine Phantasie haben. Sie denken nicht darüber nach, wie sie Christchurch im Ausland bekannt machen können. Sie stellen nur Bürokraten dar, die auf dem Boulevard Milchkaffee trinken."

Das Bild, das der Stadtrat von Christchurch habe, habe nichts mit dem authentischen Erbe der Stadt zu tun, klagte Brackenbury Chanell. "Ich bin das Originalimage von Christchurch."

Doch auch, wenn er künftig kein Geld mehr von der Stadt bekommt, in Rente gehen will der Magier nicht. Er werde auch weiterhin regelmäßig im Kunstzentrum von Christchurch auftreten und mit Touristen und Einheimischen plaudern, kündigte Brackenbury Chanell an. "Es macht keinen Unterschied. Ich werde trotzdem weitermachen. Sie müssen mich schon umbringen, um mich aufzuhalten."

Quellen: "The Guardian""New York Times""Stuff"

mad

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