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Gürkan, 33 Ich bin Gastronom - so lebe ich im Fastenmonat Ramadan

Sie verzichten 4 Wochen von Auf- bis Untergang
der Sonne auf Essen, Trinken, Rauchen oder Sex.
Wie im Christentum spielt auch im Islam
das Fasten eine große Rolle.
Als eine der fünf Säulen des Islams gehört der
Fastenmonat sogar zu den Hauptpflichten.
Der Verzicht soll helfen, sich intensiv
mit dem Glauben auseinanderzusetzen,
Gutes zu tun und das Verhältnis zu Gott und
seinen Mitmenschen zu festigen.
Schwangere, Kranke, Alte, Kinder und Reisende
müssen nicht fasten.
Sie sollten jedoch für jeden versäumten Fastentag
einen Armen speisen oder das Fasten nachholen.
Muslime feiern im Ramadan, dass dem
Propheten Mohammed der Koran offenbart wurde.
Ramadan ist der 9. Monat
im Islamischen Mondkalender.
So verschiebt sich der Monat Ramadan 11 Tage
pro Jahr nach vorne.
Gefastet wird also sowohl an kurzen Winter-,
als auch an langen, heißen Sommertagen.
Vor allem für Nordskandinavier eine große
Herausforderung.
Geht die Sonne 18 Stunden nicht unter, dürfen
sie sich deshalb nach der Zeit in Mekka richten.
Die Mahlzeit vor Sonnenaufgang wird "Sahūr"
genannt, die nach dem Sonnenuntergang "Iftar".
Der "Iftar" wird traditionellerweise
nach einem Gebet mit einer Dattel begonnen.
Zusätzlich ergänzen viele lokale Traditionen die festen islamischen Rituale des Ramadans.
In einigen muslimischen Städten, wie z.B. Sarajevo,
beendet ein Kanonenschuss die tägliche Fastenzeit.
Die Kinder der Golfregion freuen sich besonders
auf "Garangao" – ein Kinderfest in der 15. Nacht.
In Festgewänden singen sie für Nachbarn Lieder
und bekommen dafür Nüsse und Süßigkeiten.
Die ägyptischen Ramadanlaternen findet
man heute auch in anderen islamischen Ländern.
Überall wird das Ende der Fastenzeit mit dem
dreitägigen Zuckerfest gefeiert.
Man trifft sich mit der Familie und Freunden,
die Kinder bekommen Geschenke,
es wird gebetet - und natürlich gegessen.
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Bei sommerlichen Temperaturen den ganzen Tag nichts essen oder trinken? Während des Ramadan sieht so der Alltag für gläubige Muslime aus. Wie kommen sie damit klar und wie reagiert das Umfeld in Deutschland? Im stern berichten drei Muslime. Heute: Gürkan, 33.
Protokoll: Florian Schillat

Einen knappen Monat kein Essen und Trinken, kein Sex, kein Rauchen - zumindest nicht, solange die Sonne scheint. Seit dem 16. Mai begehen Muslime aus aller Welt den Fastenmonat Ramadan. Noch bis zum 14. Juni wird tagsüber gefastet. Ramadan gilt als heiliger Monat im islamischen Mondkalender und dauert in der Regel 29 bis 30 Tage, von Beginn der Morgendämmerung (aktuell gegen 4 Uhr) bis zum Sonnenuntergang (etwa 21.15 Uhr). Erst im Anschluss wird das Fasten, oft gemeinsam mit Familie und Freunden, bei der sogenannten "Iftar",  gebrochen. Viele Muslime wollen während des heiligen Monats zu innerer Ruhe finden und Gott näher kommen. 

Der stern hat mit drei Muslimen gesprochen, die Ramadan in Deutschland feiern. Gürkan, 33, arbeitet in der Gastronomie. Und gibt zu: Die Verlockung ist an manchen Tagen sehr groß - vor allem, weil er sein Lieblingsessen verkauft. Wie und warum er der Versuchung dennoch widerstehen kann, hat er dem stern nach Feierabend erzählt. 

+++ Lesen Sie im ersten Teil unserer Gesprächsreihe, warum die Enthaltsamkeit Salih Kraft schenkt - trotz blöder Sprüche seiner Kollegen. Im zweiten Teil erzählt Rukiye, wie sie das Fest mit ihren zwei Kindern feiert. +++

Der stern protokolliert das Gespräch im Wortlaut: 

Gürkan, 33, Gastronom aus Berlin: "Angenommen, ich stehe kurz vor einem Kollaps - dann würde ich schon eine kleine Pause einlegen"

"Zugegeben: Es kann schon sehr anstrengend sein, während der Fastenzeit in einem Gastronomie-Betrieb zu arbeiten. Seit zwei Jahren habe ich in Berlin-Kreuzberg einen eigenen Laden, in dem ich etwa Teigwaren und gebackene Ofenkartoffeln verkaufe. Mein absolutes Lieblingsessen. Da ist die Versuchung natürlich groß. Aber ich komme damit klar, die Enthaltsamkeit ist für mich kein Problem.

Wirklich anstrengend ist eigentlich die Hitze, die von dem Ofen ausgeht, in dem ich meine Kartoffeln backe. Und natürlich die körperliche Arbeit während der Zubereitung. Mir ist der Ramadan aus persönlichen und religiösen Gründen sehr wichtig, daher faste ich trotz der harten Arbeit. Und ich mache das gern. Aber angenommen, die Arbeit ist zu anstrengend und ich stehe kurz vor einem Kollaps - dann würde ich schon eine kleine Pause vom Ramadan einlegen. Bisher ist das nicht vorgekommen. Mein Körper hat sich daran gewöhnt.

Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Körper besser kennen lernen und kontrollieren kann

Auch das schätze ich am Ramadan: Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Körper durch die Enthaltsamkeit besser kennen lernen und kontrollieren kann. Aber auch meinen Geist: Besonders während des Ramadan achte ich darauf, dass ich mit meinen Mitmenschen gut umgehe - auch, wenn einem der Hunger und Durst oft auf die Stimmung schlägt. 

Außerdem führt mir der Fastenmonat vor Augen, besonders als Gastronom, wie wertvoll Lebensmittel aller Art sind. Es gibt so viele Menschen auf der Welt, die hungern und dursten müssen. Während es uns hierzulande sehr gut geht und wir eigentlich alles haben, was man sich nur wünschen kann. Daher spende ich während des Ramadan an Menschen, die nicht so ein Glück haben, wie wir.

Das ist schon toll - vor allem, wenn man an einem Tag rund 100 Ofenkartoffeln zubereitet 

Am schönste finde ich am Ramadan aber vor allem die Gemeinschaft, das Beisammensein mit meiner Familie. Wir laden zur sogenannten 'Iftar' gern Freunde ein und brechen dann gemeinsam das Fasten. Das ist schon ein tolles Gefühl - vor allem, wenn man an einem Tag allein rund 100 leckere Ofenkartoffeln zubereitet. Das Fasten breche ich aber meistens mit einem Glas Wasser und einer Dattel, so wie schon der Prophet Mohammed. Manchmal arbeite ich zwölf Stunden am Tag. Da ist es schön, nach Hause zu kommen und mit meiner Familie essen zu können. Ich versuche dann vor allem viel Wasser zu trinken, um für den nächsten Arbeitstag eine kleine Reserve zu haben. Leider schaffe ich es nicht, vor dem Fastentag in der Nacht noch einmal aufzustehen und ein kleines Frühstück zu mir zu nehmen - ich brauche meinen Schlaf, da ich früh anfange zu arbeiten und meinen Sohn noch in die Kindertagesstätte bringe.  

Mein Sohn ist zwei Jahre alt und fastet natürlich noch nicht. Das zweite Kind ist gerade unterwegs. Dieses Gemeinschaftsgefühl, dieses Beisammensein mit der Familie und Freunden - das möchte ich auch meinen Kindern weitergeben. Aber es ist natürlich ihre Entscheidung, ob sie den Ramadan feiern möchten und dabei auch fasten. Ich werde sie dabei auf jeden Fall unterstützen und ihnen ein gutes Vorbild sein, wenn sie das möchten. 

fs

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