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Vergewaltigung besungen: Studentin startet Petition gegen das "Donaulied" – und erntet auch Spott

Eine Studentin aus Passau hat eine Online-Petition gestartet, damit das "Donaulied" nicht mehr in Festzelten und Kneipen gesungen wird. In dem Lied wird eine Vergewaltigung besungen. Für die Petition gibt viel Unterstützung, aber auch Häme und Spott.

Ein Bierzelt auf dem Münchner Oktoberfest

Ein Bierzelt auf dem Münchner Oktoberfest

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"Einst ging ich am Strande der Donau entlang ohohoh, ein schlafendes Mädchen am Ufer ich fand." So beginnt das beliebte "Donaulied", dass oft in Bierzelten und Kneipen geschmettert wird. Zwei Strophen weiter heißt es: "Ich machte mich über die Schlafende her, Ohohohoh, Sie hörte das rauschen der Donau nicht mehr, ohohohoh" oder "Mein Mädchen, mein Mädchen, was regst du dich auf, ohohohoh, Für mich war es schön und für dich sicher auch, ohohohoh". Kurzum: In dem Lied wird eine Vergewaltigung besungen und der Mann macht sich am Ende auch noch lustig über sein Opfer.

Was vielen Menschen noch als zotig gilt, ist für andere schlicht die Verherrlichung von sexueller Gewalt. So sieht es auch die Studentin Corinna Schütz aus Passau. Die 22-Jährige hat deswegen eine Online-Petition gestartet, damit das Volkslied künftig nicht mehr in Festzelten und in Kneipen gegrölt wird.

Schütz will kein Verbot erwirken, sondern zum Nachdenken anregen

Schütz wolle kein Verbot des Donauliedes erwirken, wie sie klarstellte. Vielmehr sollten sich die Leute mit dem Text auseinandersetzen, der Vergewaltigungen verharmlose, und dann freiwillig auf das Singen verzichten. Ihre ausländischen Mitstudenten gegenüber müsse sie sich rechtfertigen, "warum wir so etwas noch singen". Mehr als 11.000 Unterstützer beteiligten sich bis Samstagnachmittag an der Petition.

Auf der Petitionsseite heißt es: "Sprache formt das Denken. In diesem alten Volkslied vermittelt der umgeschriebene Text ein Weltbild, welches sexuelle Gewaltfantasien gegen Frauen normalisiert und verherrlicht. Deswegen stellt das Donaulied eine Form sexueller Gewalt dar." Auf Facebook hat Schütz zudem die "Aktion gegen Bierzelt-Sexismus" gestartet.

Ein Wahlplakat der Jungen Union sorgt für Aufregung im Netz.

Natürlich gibt es auch Spott

Die Studentin musste aber auch Beleidigungen und Häme im Internet hinnehmen. So habe etwa der stellvertretende Passauer Landrat Hans Koller einen spöttischen Kommentar zur Petition als "sehr gut" bezeichnet, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Daraufhin schrieb der Grüne Landtagsabgeordnete Toni Schuberl einen offenen Brief an Koller: "Darf ich das so werten, dass Du die Verherrlichung und das Besingen einer Vergewaltigung gutheißt?" Der Deutschen Presse-Agentur sagte Koller: "Mir gefällt das Lied auch nicht." Es sei ein "uraltes, primitives Sauflied", jedoch gebe es in Corona-Zeiten wichtigere Themen als das Donaulied. Das habe er mit seinem Kommentar zum Ausdruck bringen wollen.

Schon seit zwei Jahren wollte sie etwas gegen das Lied unternehmen, sagt Schütz. Aber die Idee mit der Petition kam ihr erst, nachdem sie auf ProSieben die Sendung von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf über sexuelle Belästigung gesehen hatte, in der Frauen von ihren Erlebnissen mit Sexismus berichteten.

Quellen: DPA, "Süddeutsche Zeitung"

tis / s