Geständnis Der schlimmste Massenmörder der USA


Gary Ridgway ist der "Green River"-Killer. Er gestand Morde an 48 Frauen, meist Prostituierte und Ausreißerinnen. Den Angehörigen blieb wenig erspart. In seinem Geständnis plauderte er grausige Einzelheiten seiner tödlichen Jagd aus.

Scheinbar teilnahmslos saß Gary Ridgway im Gerichtssaal als die Namen seiner 48 Opfer vorgelesen wurden. 48 Mal bestätigte der schmächtige 54-jährige Mann mit einem eintönigen "Yes", dass er die genannten Frauen umgebracht hat. Mit seinem Geständnis am Mittwochmorgen in Seattle (US-Staat Washington) ist Ridgway der schlimmste gefasste Serienkiller in den USA.

Grausige Einzelheiten der tödlichen Jagd

Den Angehörigen und Freunden der Opfer blieb wenig erspart. In seinem Schuldbekenntnis - knapp zwei Jahre nach seiner Festnahme - plauderte der Täter grausige Einzelheiten seiner tödlichen Jagd auf Frauen aus. Er sei richtig gut im Erdrosseln geworden, sagte Ridgway, der nach eigenen Angaben seit 1982 vor allem Prostituierten und Ausreißerinnen nachstellte.

"Ich habe so viele Frauen umgebracht, dass ich sie nicht mehr auseinander halten kann." Gewöhnlich hatte er Sex mit seinem Opfer - in seinem Haus oder Lastwagen - dann tötete er. Sein Motiv: Er hasste Prostituierte, wollte sie nicht für ihre Dienste bezahlen und wägte sich sicher, nicht erwischt zu werden, weil niemand die Frauen vermissen würde. Sein jüngstes Opfer war 15 Jahre, sein Ältestes 36. Die letzte Mordtat will 1998 verübt haben.

Einige Leichen versteckte er am Green-River-Fluss nahe Seattle, was Anfang der 80er Jahren die Jagd auf den so genannten "Green-River"-Killer in Gang setzte. Andere vergrub er in Gruppen an Stellen, an denen er später häufiger vorbei fuhr. Ridgway gestand, sich auch an den Leichen vergangen zu haben.

Wie eine Sucht ist es über ihn gekommen

"Etwas tickt offensichtlich falsch", räumte der Pflichtverteidiger Anthony Savage vor Reportern ein. Ridgway habe ihm gesagt, dass ihm die Morde Leid täten. Wie eine Sucht sei es immer wieder über ihn gekommen. Vor Nachbarn und Arbeitskollegen konnte er seine Mordlust gut verstecken. Sie beschrieben den Fahrzeuglackierer, der seit über 30 Jahren bei derselben Firma arbeitete, als unauffälligen "netten Kerl". Mit seiner dritten Ehefrau, einem Pudel und zwei Katzen lebte er in einem ruhigen Vorort von Seattle, als die Polizei im November 2001 zugriff.

Schon in den 80er Jahren war er den Fahndern aufgefallen. Augenzeugen hatten den Arbeiter mit einigen der verschwundenen Prostituierten gesehen. Doch es fehlten handfeste Beweise. Er bestand zwei Tests mit dem Lügendetektor und auch bei Hausdurchsuchungen wurde nichts Belastendes gefunden. Mit der zunehmenden Zahl der Opfer verstärkte die Polizei den Fahndungsdruck. 18 000 Verdächtigte wurden überprüft, 750 Aktenordner mit 10 000 Indizien gefüllt. Zum Verhängnis wurde Ridgway eine Speichelprobe, die er bereits 1987 abgegeben hatte. Mit Hilfe verfeinerter DNA-Tests konnte schließlich die Verbindung zwischen dem Täter und sieben seiner Opfer hergestellt werden.

Todesstrafe bleibt ihm erspart

Auch nach seiner Festnahme beteuerte Ridgway zunächst seine Unschuld. Dies änderte sich vor einigen Monaten, als die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte einen "Deal" aushandelten. Ridgway kooperierte mit der Polizei und führte die Beamten nach Medienberichten sogar zu den Leichen seiner Opfer. Im Gegenzug für sein Schuldbekenntnis bleibt ihm die Todesstrafe erspart.

Das Geständnis macht Ridgway zum vermutlich schlimmsten Serienmörder in den USA. Eine der grausigsten Mordserien verübte Jeffrey Dahmer, der seine mindestens 17 männlichen Opfer zerstückelte und Leichenteile aß. Der "Kannibale von Milwaukee" wurde im November 1993 im Gefängnis von einem Mithäftling getötet. Unklar ist noch das Ausmaß einer Mordserie des kanadischen Schweinezüchters Robert William Pickton. Ihm werden mehr als ein Dutzend Frauenmorde zur Last gelegt. Möglicherweise ist er jedoch für den Tod von mindesten 63 Frauen verantwortlich.

Barbara Munker DPA

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