Rettungsaktion
Großwal an der Ostseeküste gestrandet: Bergung „würde das Tier zerreißen“

Wal an der Ostsee gesichtet: Der Rücken des Tieres lugt aus dem Wasser
Seit einigen Tagen war ein Wal in der Lübecker Bucht herum geschwommen – nun ist das Tier gestrandet
© Ulrich Perrey / DPA
Ein Buckelwal steckt in der Lübecker Bucht fest. Experten aus Büsum wollen ihn jetzt genauer begutachten. Kann das Tier gerettet werden? 

Ein Wal ist an der Ostseeküste in der Lübecker Bucht gestrandet. Das Tier wurde in der Nacht zu Montag im Wasser vor dem Ortsteil Niendorf der Gemeinde Timmendorfer Strand entdeckt, wie die Polizei mitteilte. Es sei auf einer Art Sandbank gesichtet worden. Der Wal sei noch am Leben. „Er bewegt sich leicht und man hört Atemgeräusche und leichtes Brummen“, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur Deutschen Presse-Agentur (DPA). Auch das Blasloch habe sich demnach bewegt. 

Den Buckelwal an Land bringen, „würde das Tier zerreißen“

Experten des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) wollen das Tier in der Ostsee vermutlich gegen 12.00 Uhr begutachten. Zunächst möchten die Fachleute sich das Tier genauer anschauen, vermutlich von einem Boot aus, sagte Joseph Schnitzler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ITAW, der DPA.

Den großen Körper für eine Begutachtung an Land zu ziehen, sei keine Option. „Aufgrund des hohen Eigengewichtes würde man das Tier zerreißen.“ Die ITAW-Experten wollen auch bestimmen, um welche Walart es sich handelt. Anders als in der Nordsee kann das Tier in der flacheren Ostsee nicht von der Tide wieder zurück ins tiefere Wasser gezogen oder gespült werden. „Das ist alles sehr schwierig“, sagte Schnitzler.

Für die Begutachtung sei wichtig, dass sich Unbeteiligte dem Tier nicht nähern, um es nicht noch mehr zu stressen, sagte der Polizeisprecher. Weder aus der Luft, etwa mit einer Drohne, noch von Wasser- oder Landseite aus. Der entsprechende Bereich um den Niendorfer Hafen sei abgesperrt worden. Zahlreiche Schaulustige, darunter einige Kinder, beobachten das Spektakel von einer Mole aus. Einige von ihnen fotografierten auch. Schiffe fuhren aus dem Hafen in einem großen Bogen um den Wal herum.

Wal-Rettungsaktion an der Ostsee: Polizei sperrt den Timmendorfer Strand
Wal-Rettungsaktion an der Ostsee: Die Polizei hat den Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht gesperrt
© Ulrich Perrey / DPA

Wal seit einiger Zeit in der Region gesichtet

Es wird vermutet, dass es sich bei dem Wal um dasselbe Tier handelt, das bereits seit einiger Zeit immer wieder in der Ostsee gesichtet wird. Zuerst sei er Anfang des Monats im Wismarer Hafen entdeckt worden. Damals hatten Einsatzkräfte den Wal weitgehend von einem Netz befreit, in dem er sich zuvor verfangen hatte.

Am vergangenen Freitag wurde der Wal vor Travemünde von der Meeresschutz-Organisation Sea Shepherd von weiteren Netzresten befreit, wie die Organisation mitteilte. Sea Shepherd geht davon aus, dass es sich um einen Buckelwal handelt. Eine Bestätigung gab es zunächst nicht.

Stranden lebende Wale häufiger?

Es kommt vor, dass Wale lebend stranden. In der Nordsee hatte es 2016 eine Wal-Massenstrandung gegeben. 30 Pottwale waren verunglückt, davon 12 im deutschen Wattenmeer, sagte Schnitzler. Einige von ihnen lebten damals noch. Geraten Wale in die flacheren Randbereiche der Nordsee, verwirrt das ihr Ortungssystem. Pottwale, die weit über 2000 Meter tief tauchen können, orientieren sich hauptsächlich über ein Echoortungs-System, das auf große Tiefen ausgelegt ist.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde aktualisiert.

DPA
sts

PRODUKTE & TIPPS

Kaufkosmos