Giftskandal Auch Frischmilch mit Chemie verseucht


Der Skandal um verseuchte Milch in China weitet sich auch: Nicht nur bei Milchpulver, sondern jetzt auch in haltbarer Frischmilch ist die Chemiekalie Melamin nachgewiesen worden. Die Unternehmen müssen die betroffene Milch nun aus dem Handel zurückrufen.

Der Skandal um verseuchte Milch in China weitet sich aus: Auch in Frischmilch und Joghurt wurde die giftige Chemikalie Melamin entdeckt. Wie die Regierung in Peking am Freitag mitteilte, fanden Kontrolleure bei drei großen Milcherzeugern kontaminierte Produkte. Weil sie mit verunreinigter Babynahrung gefüttert wurden, sind in China bereits 6200 Kinder an Nierensteinen erkrankt. Vier Säuglinge starben. 18 Verdächtige, die in den Handel mit den verseuchten Produkten verwickelt sein sollen, wurden festgenommen.

Große Rückrufaktion

Melamin ist eine Chemikalie, die aus Harnstoff gewonnen wird. Üblicherweise wird sie in der Industrie als Bindemittel, insbesondere für bestimmte Tischplatten (Küche oder Labor) verwendet. Durch Beimischen der Chemikalie sollte vermutlich ein höherer Eiweißgehalt von minderwertiger Milch vorgetäuscht werden. In 24 von über 1200 in dieser Woche überprüften Milchtüten sei man fündig geworden, teilte die Behörde für Qualitätsüberwachung auf ihrer Internetseite mit. Betroffen seien die Produkte der Firmen Yili, Mengniu und Bright Dairy, die in ganz China im Handel sind. Der höchste Melamin-Anteil wurde mit 8,6 Milligramm pro Liter bei Bright Diary gefunden. Die Unternehmen wurden aufgefordert, die Milch zurückzurufen. In Peking blieben die Milchregale in vielen Supermärkten bereits leer.

Nach Angaben der Behörden drohen Erwachsene keine gesundheitlichen Schäden. Doch Zehntausende Eltern sind wegen ihrer Töchter und Söhne in Panik. Sie bringen ihre Kinder in Krankenhäuser, um sie untersuchen zu lassen. Vor allem in der nördlichen Provinz Hebei ist der Andrang in den Hospitälern kaum zu bewältigen. Im Volkskrankenhaus der Provinzhauptstadt Shijiazhuang haben in der vergangenen Woche 13 Spezialisten pro Tag etwa 500 Kinder durchgecheckt, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Ärzte untersuchen im Akkord

Allein am Donnerstag wurden in Hebei 38.000 Kinder untersucht. Die Regierung will fast 200 Ärzte-Teams in die Gegend schicken, um auch die Kinder auf dem Land zu überprüfen. Shijiazhuang ist der Sitz der Firma Sanlu, die der Auslöser des Melamin-Skandals war. Sanlu produziert fast ein Fünftel der Babynahrung für ganz China.

Deutsche Kunden müssen nach Ansicht der Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern keine Folgen des Skandals um versuchte chinesische Babynahrung befürchten. Aus China dürften keine Milchprodukte in die Europäische Union eingeführt werden, erklärte Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) am Freitag nach einer Ministerkonferenz in Berchtesgaden. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass dies geschehen sei, so die versammelten Verbraucherminister. Dennoch riefen sie die Überwachungsbehörden zu verstärkter Aufmerksamkeit auf. Der Skandal zeuge von einer hohen kriminellen Energie der Täter.

Lebensmittelskandal auch in Japan

Die Europäische Kommission in Brüssel rief die EU-Mitgliedstaaten dennoch zur Verschärfung ihrer Importkontrollen auf. "Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, um mögliche Sicherheitslücken zu stopfen", sagte die Sprecherin von Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou. China hat keine von der EU anerkannten Prüfverfahren für Rückstände und exportiert deshalb keine Milchprodukte in die EU. Die EU-Kommission verlange von den chinesischen Behörden mehr Informationen über den Grad der Verseuchung und "diese Geschichte, die China foltert", sagte die Sprecherin.

Auch in Japan sorgt ein Lebensmittelskandal für Wirbel. Händler hatten Reisbestände der Regierung, die Pestizide oder Schimmelpilz enthielten und daher nur für industrielle Zwecke vorgesehen waren, illegal an Lebensmittelhersteller weiterverkauft. Aus dem Reis wurden Sake und Reiskekse hergestellt, die unter anderem an Krankenhäuser und Altenheime gingen. Berichte über Erkrankungen durch den verdorbenen Reis gibt es zwar nicht, doch löste der Skandal in der Bevölkerung große Besorgnis über die Lebensmittelsicherheit aus. Agrarminister Seiichi Ota trat am Freitag zurück. Der Reis stammte unter anderem aus China und Vietnam und war zum Beispiel zur Herstellung von Leim gedacht.

DPA DPA

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