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Glückliche Rettung eines Ausreißers Bruce, der Hund mit den sieben Leben


Tierschützer retteten Bruce in Spanien aus der Tötungsstation und brachten ihn nach Deutschland. Er büxte aus, war nachts auf der Autobahn unterwegs, wurde beinahe erschossen und überfahren. Er lebt.
Von Annette Berger

Schlappohren, schwarz-braunes Fell - und ein Blick, der nicht nur Hundefreunde dahinschmelzen lässt. Doch Bruce ist nicht einfach irgendein einjähriger süßer Mischlingshund. Bruce ist Spanier. Er stammt von den Kanaren. Dort sollte er, damals beinahe noch ein Welpe, getötet werden. Denn in Spanien sperrt man herrenlose Hunde in Tötungsstationen ein. Holt sie niemand ab, tötet man sie nach einer Frist von 21 Tagen.

Einige wenige dieser Tiere haben Glück: Es gibt Tierschutzvereine, die solche Hunde nach Deutschland vermitteln. Bruce hatte dieses Glück: Er durfte in einer Transportbox im Bauch eines Flugzeugs nach Deutschland reisen, das Ganze finanziert von Tierschützern. Manch ein Hund ist vor solch einem Flug so aufgeregt, dass er mit einer Tablette ruhiggestellt werden muss. Nicht so Bruce. Wohlbehalten und hellwach kam er in Deutschland an und wurde vom Tierschutzverein Kanarenhunde an eine Pflegefamilie vermittelt - die Kobolds aus Arnsberg im Hochsauerlandkreis.

Nächtliche Schüsse auf der Autobahn

Doch anstatt es sich bei den Kobolds erst einmal so richtig gemütlich zu machen, startete Bruce sofort ein Abenteuer, das ihn über die Grenzen des Sauerlandes bekannt machen sollte: Bei einem seiner ersten Spaziergänge büxte er aus. Bruce wäre wohl nicht Bruce, wenn er einfach die Stadt erkundet hätte oder ein paar Felder. Nein, er wählte ausgerechnet die Autobahn für seine Erkundungstour.

Jetzt wurde es gefährlich - nicht nur für den Hund, sondern auch für die Autofahrer. Und so erreichte Anfang Juli, mitten in der Nacht um kurz vor drei Uhr, ein Notruf die Polizei in Arnsberg. Vierbeiner auf der Autobahn 46. Zwei Beamte machten sich auf den Weg. Sie entdeckten Bruce, der ließ sich aber nicht fangen. Die Polizisten griffen zur Waffe. Zwei Schüsse feuerten sie in die Richtung des Hundes, wie ein Polizeisprecher "Spiegel-Online" bestätigte. Doch der Hund hatte Glück, vielleicht auch, weil es dunkel war. Er wurde nicht erschossen.

Doch die Beamten wollten das Problem aus der Welt - beziehungsweise den Hund von der Autobahn - schaffen. Schließlich hätte das Tier einen Unfall verursachen können. Also stiegen sie wieder ins Auto und versuchten, den Hund mit dem Auto von der Fahrbahn abzudrängen.

Damit hatten sie offenbar mehr Erfolg als mit dem Schießeisen. Wie stark sie Bruce verletzten, ist bis heute nicht ganz klar. Wurde er angefahren oder hatte er doch einen Streifschuss abbekommen? Bruce gelang jedenfalls die Flucht. Er verschwand von der Autobahn - und blieb erst einmal verschwunden.

Suche an der Autobahn und über die Medien

An dieser Stelle würde man vermuten, dass der Hund irgendwann tot im Straßengraben gefunden wird. Nicht so Bruce. Er lebte und war auch noch gut zu Fuß. Doch das wusste nach dieser Nacht niemand.

Jetzt reihten sich ein paar glückliche Fügungen aneinander. Die Kobolds, denen Bruce beim Spaziergang ausgebüxt war, hatten inzwischen den Tierschutzverein Kanarenhunde alarmiert und um Hilfe gebeten. Der Verein startete eine Suchaktion. Auf der Vereinswebsite war die Geschichte von Bruce nachzulesen, die örtliche Presse nahm die Geschichte auf, Tierfreunde suchten entlang der Autobahn, in Büschen und im Straßengraben.

Bruce blieb verschwunden. Allerdings wurde auch kein Hundekadaver gefunden. Das machte den Tierschützern Mut.

Es war schließlich ein Hundebesitzer und Leser der Lokalpresse, der den ausgebüxten Abenteurer am vergangenen Samstag entdeckte. Der Mann, der mit seinem Hund am Morgen einen Spaziergang machte, erkannte Bruce von einem Foto, das er in der "WAZ" gesehen hatte, und alarmierte die Polizei. Die sagte dem Verein Kanarenhunde Bescheid.

Jetzt wurde mit vereinten Kräften gesucht. Die Kobolds waren auch dabei. Bruce war natürlich nicht an der Stelle sitzen geblieben, wo ihn der Spaziergänger am Morgen entdeckt hatte. Doch zumindest wusste man, wo man nachsehen musste. Am späten Samstagabend wurde Bruce dingfest gemacht. Einem gefüllten Fressnapf konnte das Tier nicht widerstehen und ließ sich aus einem Gebüsch locken. Familie Kobold ist glücklich und "gibt den Hund nicht mehr her", wie es beim Tierschutzverein heißt.

Ein bisschen lädiert ist der Mischling. Immerhin - er wurde nicht erschossen oder überfahren. Aber er hat ein paar schlimme Wunden, sagt Ralf Beyer vom Verein Kanarenhunde. Eine sehe aus wie ein Streifschuss. Sollte sich die Wunde nicht schließen, sei womöglich eine plastische Chirugie notwendig. Hoffen wir mal, dass der Besuch beim Tierarzt für Bruce nicht der Beginn eines neuen Abenteuers ist.


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