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Haare ab gegen Mobbing: Wie ein iranischer Lehrer zum Volkshelden wurde

Weil ein kranker Junge, der unter Haarausfall leidet, von seinen Mitschülern gemobbt wird, rasiert sich ein iranischer Lehrer aus Solidarität die Haare ab. Nun ist er in seiner Heimat ein Idol.

Von Christoph Fröhlich

Kinder können gnadenlos sein, das weiß auch Ali Mohammadian: Der 45-jährige Grundschullehrer aus Marivan, einer Stadt im Westen des Irans, musste mitansehen, wie einer seiner Schüler von seinen Klassenkameraden gemobbt und gehänselt wird, weil dieser eine Glatze hat. Und das, obwohl er nichts dafür kann: Der achtjährige Mahan Rahimi hat eine bislang unbekannte Krankheit, durch die er alle seine Haare verlor.

Mohammadian, selbst Vater zweier Töchter und eines Sohnes, bemerkte, wie der Junge unter der Situation litt und sich allmählich veränderte: "Nachdem er eine Glatze bekam, wurde Mahan von seinen Mitschülern ausgegrenzt, sein Lächeln verschwand aus seinem Gesicht und ich machte mir Sorgen um seine schulischen Leistungen", sagte Mohammadian dem britischen "Guardian". Aus Mitleid mit dem Jungen und um die Mobbingattacken zu beenden, ging der Pädagoge einen radikalen Schritt: Mohammadian rasierte sich von einem Tag auf den anderen alle Haare ab.

Plötzlich hatten alle eine Glatze

Am nächsten Tag trat er mit kahlem Kopf vor seine Schüler. Es war ein gewagtes Experiment, doch die selbstlose Geste verfehlte ihre Wirkung nicht: Die Kinder hörten auf, Mahan zu verspotten. Später postete er ein Bild auf seine Facebookseite, das ihn und Mahan mit Glatze zeigt, drumherum stehen fünf seiner Schüler. "Unsere Köpfe reagieren empfindlich auf Haare", schrieb er unter das Foto. Schnell wird es einige Hundert Male verbreitet. "Als ich mich am nächsten Tag auf Facebook anmeldete, konnte ich die Zahl der Likes kaum glauben", sagte er dem "Guardian".

Mahans 23 Mitschüler wollten es dem Lehrer nun gleich tun und ebenfalls ihre Haare abrasieren. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen damit bis nach dem Winter warten", zitiert ihn die Zeitung, doch die Schüler ignorierten seine gut gemeinte Warnung: "Als ich am Samstag in die Klasse kam, waren alle kahlgeschoren."

Lob vom Präsidenten

In kurzer Zeit wurde die Geschichte auch über die Grenzen hinaus aufgegriffen, mittlerweile kennt das ganze Land den Grundschullehrer aus der westlichen Provinz. Im Iran ist er jetzt ein Star: Ali Asghar Fani, der iranische Bildungsminister, lud ihn nach Teheran ein und bedankte sich für sein Engagement. Selbst Präsident Hassan Rouhani lobte den Lehrer öffentlich.

Die Regierung hat unterdessen Geld für die Behandlung des kranken Achtjährigen zur Verfügung gestellt. Dessen Ärzte sagten im Staatsfernsehen, dass das Immunsystem des Jungen in einem extrem schlechten Zustand sei, Genaueres könnten sie aber noch nicht sagen. Einige Proben wurden zur weiteren Analyse bereits nach Deutschland geschickt. Nun versuchen Experten weltweit, die Ursache für den Haarausfall zu finden.

"Ich bin wirklich froh, dass die Aktion so viele Herzen berührt hat, und die Menschen so enorm positiv reagiert haben", erzählt der 45 Jahre alte Lehrer dem "Guardian". "Jeder in der Schule möchte nun seinen Kopf kahl rasieren." Das Beste sei aber gewesen, dass Mahan nun endlich wieder lachen könne.

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