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Holocaust: Anne Franks Vater flehte um US-Visum

Zwischen tausenden Dokumenten zum Holocaust sind kürzlich die Briefe des Vaters von Anne Frank aufgetaucht. Darin bat er seine Freunde in Amerika verzweifelt, Visa für seine Familie zu organisieren. Vergeblich.

Der Vater von Anne Frank hat sich im April 1941 verzweifelt um eine Fluchtmöglichkeit für seine Familie aus den von den Nationalsozialisten besetzten Niederlanden bemüht. Otto Frank schickte Briefe an Verwandte und Freunde in den USA mit der Bitte, sich an den Kosten für eine Auswanderung der jüdischen Familie zu beteiligen. Alle Versuche, Visa für sich, seine Ehefrau Edith, die Töchter Anne und Margo und die Schwiegermutter Rosa Hollander zu erhalten, scheiterten jedoch. "Ich würde diese Bitte nicht stellen, wenn die Umstände mich nicht zwingen würden, alles zu tun, um Schlimmeres zu verhindern", schrieb Otto Frank an seinen Freund in den Vereinigten Staaten, Nathan Straus, im April 1941. "Wir müssen uns hauptsächlich um das Schicksal der Kinder kümmern. Unser eigenes Schicksal ist weniger wichtig."

Die Briefe veröffentlichte das Yivo Institute for Jewish Research in New York zusammen mit weiteren Dokumenten verschiedener Organisationen und Behörden, die Menschen bei der Flucht aus Europa unterstützten. Das Institut hatte die Briefe vor eineinhalb Jahren zwischen rund 100.000 anderen Dokumenten zum Holocaust entdeckt. Otto Frank schrieb zwischen dem 30. April 1941 und dem 11. Dezember 1941 nicht nur an Freunde und Verwandte, sondern auch an Behörden, die ihm die Ausreise in die USA oder nach Kuba erlauben sollten.

Allerdings gab es eine Warteliste mit fast 300.000 Menschen, die sich alle um ein US-Visum beworben hatten. Außerdem hatte Otto Frank lebende Verwandte in Deutschland und hätte daher nach amerikanischem Recht nicht in die USA einwandern können. "Ich weiß, dass es unmöglich ist, dass wir alle gehen, selbst wenn das Geld zurückzuerstatten wäre, aber Edith bittet mich, allein oder mit den Kindern zu gehen", hieß es in einem anderen Brief an Straus. Schließlich gelang es Otto Frank, ein Visum für die Ausreise nach Kuba zu bekommen. Es wurde jedoch im Dezember 1941 zurückgezogen, nachdem Deutschland den Vereinigten Staaten den Krieg erklärt hatte. Die Familie verschwand im Juli 1942 von der Bildfläche und versteckte sich in einem Hinterhaus der Prinsengracht in Amsterdam.

Die Franks versteckten sich zwei Jahre

Otto Franks Versuch, seine Familie in Sicherheit zu bringen, ähnele dem tausender anderer deutscher Juden, sagte Geschichtsprofessor Richard Breitman von der American University. "Franks Fall war nur in der Hinsicht ungewöhnlich, dass er es sehr spät versuchte und besonders gute Beziehungen in die USA unterhielt", sagte Breitman. "Trotzdem scheiterte er." Die Familie versteckte sich mehr als zwei Jahre lang, bevor sie schließlich verhaftet wurde. Anne Frank beschrieb das Leben der Familie in der Enge des Verstecks in einem Tagebuch, das weltweit rund 75 Millionen Mal verkauft wurde. Sie starb 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Typhus. Ihr Vater kehrte in die Niederlande zurück und veröffentlichte 1947 die Aufzeichnungen seiner Tochter.

AP / AP