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Schockierende Videoaufnahmen 52 Gefängniswärter in Italien nach schwerer Misshandlung von Inhaftierten suspendiert

Das Gefängnis im italienischen Santa Maria Capua Vetere
Italiens Justizministerin Marta Cartabia nennt die Gewalt in der JVA Santa Maria Capua Vetere einen "Verrat an der Verfassung"
© Frattari/Fotogramma / Picture Alliance
Mit Schlagstöcken geprügelt, getreten, geohrfeigt: Videoaufnahmen von 2020 zeigen brutale Misshandlungen durch Wärter in einem italienischen Gefängnis. Zuvor sollen die Insassen einen besseren Schutz vor Corona gefordert haben.

Auf Videoaufnahmen der Überwachungskameras eines Gefängnisses in der Nähe von Neapel ist zu sehen, wie Wärter Insassen brutal mit Schlagstöcken verprügeln, treten und ohrfeigen. Der Fall soll sich bereits im April 2020 ereignet haben, die italienische Nachrichtenwebseite "Domani" veröffentlichte die Aufnahmen kürzlich. 

Nach der Veröffentlichung der Videomitschnitte sollen nun 52 der Wachen suspendiert worden sein. Die italienische Justizministerin habe eine Untersuchung angeordnet. Medienberichten zufolge war der Gewalt der Wärter ein Gefangenenprotest vorausgegangen. Die Inhaftierten hätten während des ersten Lockdowns einen besseren Schutz vor dem Coronavirus gefordert.

Schockierende Videoaufnahmen: 52 Gefängniswärter in Italien nach schwerer Misshandlung von Inhaftierten suspendiert

Die Wärter verprügeln sogar einen Mann im Rollstuhl

Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Dutzende Wärter in der Haftvollzugsanstalt in Santa Maria Capua Vetere bei Neapel – teils in voller Kampfmontur – zahlreiche Insassen mit Schlagstöcken verprügeln, mit den Knien treten, an den Haaren ziehen und einem brutalen Spießrutenlauf aussetzen. Einige Gefangene hinken oder haben sichtlich Mühe wieder aufzustehen. Sogar ein inhaftierter Mann in einem Rollstuhl wird von mehreren Wachen mit Schlagstöcken geschlagen, während sie ihn einen Korridor entlangschieben.

Berichten zufolge war der Gewalt eine Welle an Protesten in italienischen Haftanstalten vorausgegangen. Während des ersten Corona-Lockdowns hätten Inhaftierte in mehreren Gefängnissen auf die Bereitstellung von Covid-19-Tests und Masken bestanden. Kurz vor Beginn der Unruhen sei außerdem ein Insasse an Covid-19 gestorben.

Ermittlungen gegen mehr als 110 Mitarbeiter – Salvini springt Wachen zur Seite

Der "BBC" zufolge bezeichnete Italiens Justizministerin Marta Cartabia den Gewaltausbruch als "einen Verrat an der Verfassung". Das Vergehen der Wachen sei "eine Schande für die Würde der Gefangenen und für die Uniform". Cartabia habe eine Untersuchung der Gefängnisse angekündigt.

Laut dem britischen "Guardian" seien 52 Wärter der Justizvollzugsanstalt in Santa Maria Capua Vetere bereits suspendiert und verhaftet worden. Ihnen würden Anklagen wegen schwerer Misshandlung, Folter und mehrfacher Körperverletzung drohen. Ein Richter habe die Vorfälle im Rahmen einer Voruntersuchung ein "schreckliches Massaker" genannt.

Der "BBC" zufolge würde insgesamt gegen mehr als 110 Mitarbeiter ermittelt. Acht davon befänden sich in Untersuchungshaft, 18 weitere stünden unter Hausarrest. Auch der Regionaldirektor der Haftanstalten sei suspendiert worden.

Mehrere Gefängnisgewerkschaften nehmen die Wärter allerdings in Schutz: In Medienberichten heißt es, sie hätten die Suspendierungswelle als "unverhältnismäßig" kritisiert. Matteo Salvini, Ex-Innenminister und Vorsitzender der rechten Lega-Partei, soll zudem das Gefängnis besucht und seine Unterstützung für die Beamten ausgesprochen haben. Der 48-Jährige habe jedoch eingeworfen: "Wenn jemand Unrecht getan hat, dann muss er dafür bezahlen".

"Vier Stunden Hölle für sie"

Der misshandelte Rollstuhlfahrer habe gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur "Ansa" gesagt, dass die Gewalt ihn "zerstört" habe. "Mental haben sie mich getötet", so der Mann. Er habe die Haftanstalt einige Monate nach den Ereignissen verlassen. Der Nachrichtenagentur zufolge schrieben sich die beschuldigten Wärter außerdem Nachrichten wie "wir werden sie wie Kälber abschlachten", "zähmt die Bestien" und "vier Stunden Hölle für sie".

Quellen: "Domani"; "BBC"; "The Guardian"

yks

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