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Julia Engelmann: "Jede Woche, Baby!": #4U9525

Angesichts des Germanwings-Absturzes fragt sich stern-Stimme Julia Engelmann was einen Menschen ausmacht: Er bedeutet ein Wunder und eine ganz eigene Welt.

Von Julia Engelmann

Ein Mensch bedeutet ein Vorname und ein Geburtsdatum, die sich niemals verändern, bedeutet eine Straße und Größe, die sich bestimmt verändern, bedeutet Gestik und ein Gesicht mit Gesichtszügen, die sich vielleicht verändern und dabei trotzdem gleich bleiben. Ein Mensch bedeutet ein Herz, das schlägt, Augen, die sehen, Hände, die andere halten können und ein Gehirn, das Synapsen verknüpft. Bedeutet ein Körper, der tanzt, schläft, lernt, erlebt, umarmt, liebt und geliebt wird.

Ein Mensch bedeutet eine eigene Art zu lachen, zu scherzen, ergriffen zu sein, "Hallo" und "Tschüss" zu sagen, ein Zuhause herzurichten, Frühstück zu machen oder es ausfallen zu lassen und eine eigene Art zu lieben.

Ein Mensch bedeutet ein besonderer Charakter, der ihn einzigartig, liebenswert und unverwechselbar macht. Ein Mensch bedeutet Gefühle, Geschmack, Geheimnisse, eine Weltsicht, ein Wertesystem, Erinnerungen, Erkenntnisse, Talente, Träume, Ziele, Zerbrechlichkeit, Stärke und eine eigene Stimme.

Ein Mensch bedeutet eine eigene Geschichte wie ein Puzzle aus unzähligen einzelnen Momenten und viele andere Geschichten, deren Puzzleteil er ist.

Ein Mensch bedeutet viele andere Menschen, die zu ihm gehören und zu denen er gehört: Eltern, die dieses eine Leben ermöglichen, aus deren Fleisch und Blut es besteht, die bedingungslos lieben, zu denen eine ewige Verbindung besteht; vielleicht Geschwister, die Vertraute, Begleiter, Stützen und engste Verbündete sind; Freunde und Geliebte, die ihn als das mögen und erkennen, wer er ist und sein will; vielleicht Kinder, durch die er weiterlebt.

Ein Mensch bedeutet ein Wunder. Ein Mensch bedeutet alles und mehr, als Worte beschreiben können. Einen Menschen zu verlieren, bedeutet, all das zu verlieren.

Ich kann nicht aufhören, an euch zu denken. Ich weiß nicht, wann ich zum letzten Mal so viel an jemanden gedacht habe, den ich nicht persönlich kannte. Und ich weiß nicht, was ich schreiben soll, weil ich nicht mal weiß, was ich denken soll.

"Bestürzt. Traurig. Fassungslos." Das sind Worte, so präsent wie Luft und Licht. Worte, die jetzt jeder sagt. Worte, die wie ein Liveticker durch meinen Kopf und Bauch ziehen.

Ich kann nicht aufhören, an euch zu denken, und an alle, die euch lieben, die ihr geliebt habt. An alle, die euch kennen, die ihr gekannt habt.

Was bleibt mir zu tun? Ich kann meinem eigenen Leben mit Achtsamkeit und Dankbarkeit begegnen. Ich kann mich in meinem Mikrokosmos auf das besinnen, was wirklich wichtig ist. Ich kann wertschätzen, wer ich bin und was ich habe. Ich kann denen, die ich liebe, sagen und zeigen, dass ich sie liebe. Ich kann aus der Zeit, die ich habe, das Beste machen. Ich kann auf meine Mitmenschen aufpassen und für sie da sein, wenn sie mich brauchen.

Man sagt, man soll sich nicht zu sehr mit der Vergangenheit beschäftigen, man soll im "Hier und Jetzt" sein und dabei nicht zurück, sondern höchstens nach vorne blicken. Aber heute will ich mich mit der Vergangenheit beschäftigen. Ich will zurück blicken und feststellen: Ich bin dankbar für alles, was bis jetzt war.

Ich denke an jeden Einzelnen von euch. Ich denke an alle, die euch lieben und die ihr geliebt habt. Ich will nicht aufhören, an euch zu denken.

Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?