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Kältewelle in den USA: Ausbrecher flieht zurück ins warme Gefängnis

Der Polarwirbel, der in den USA momentan für Rekordkälte sorgt, hat einem Inhaftierten den Ausbruch vermasselt. Der Mann konnte zwar aus dem Gefängnis entkommen, für die Flucht war es jedoch zu kalt.

Die Kältewelle in den USA hat einen Ausbrecher im Bundesstaat Kentucky zurück in die Arme der Polizei getrieben. Der 42-jährige Robert V. war am Sonntag aus einem Gefängnis im Vorort der Stadt Lexington geflohen, wie die örtliche Polizei am Dienstag mitteilte. Am späten Montagnachmittag sei der Mann dann an der Rezeption eines Motels der Stadt vorstellig geworden und habe gebeten, die Behörden zu verständigen.

Der Ausbrecher habe die Temperaturen von minus 20 Grad Celsius nicht mehr ausgehalten, sagte Polizeisprecherin Sherelle Roberts. Der Mann sei nach seiner erneuten Festnahme mehrere Stunden lang medizinisch beobachtet und anschließend zurück in das Gefängnis von Blackburn gebracht worden.

Ein gigantischer arktischer Luftwirbel drückt seit Wochenanfang eiskalte Polarluft bis tief in die Südstaaten der USA. Besonders betroffen ist der Mittlere Westen der USA, wo die gefühlten Temperaturen auf bis zu minus 50 Grad Celsius fielen. Mindestens 16 Menschen sind durch die Kältewelle bereits ums Leben gekommen. Sogar im sonst eher wärmeverwöhnten Südstaat Georgia starb ein Obdachloser an den Folgen des Winterwetters. Die Millionenmetropole New York, in der mehr als 50.000 Obdachlose leben, darunter 22.000 Kinder, hatte ihr Angebot für Menschen ohne Dach über dem Kopf bereits ausgeweitet.

Tausende sitzen an Flughäfen fest

Reisende stellte die Kaltfront weiter auf eine harte Geduldsprobe. Autos blieben liegen, etwa weil Autobatterien schlapp machten, berichtete der Automobilverband AAA. Der für Maryland, Washington D.C. sowie Teile von Virginia, Pennsylvania und New Jersey zuständige Regionalverband teilte mit, er habe seit dem Schneesturm vom vergangenen Freitag mehr als 30.000 Anrufe bekommen. 70 Prozent dieser Autofahrer mussten ihre Wagen abschleppen lassen oder benötigten Starthilfe. Tausende Reisende saßen ferner noch immer an den Flughäfen fest.

Die US-Regierung verfolge das extreme Wetter genau und stehe bereit, um notfalls Hilfe zu leisten, teilte das Weiße Haus in Washington mit. Die Katastrophenschutzbehörde FEMA stehe in engem Kontakt mit den Behörden in den betroffenen Gebieten, sagte Regierungssprecher Jay Carney. Landwirte im Süden der USA mussten wegen der eisigen Temperaturen um ihre Ernte fürchten.

In Deutschland startet der Pollenflug

Der sogenannte "Polar Vortex" (Polarwirbel), der sonst über dem Nordpol strömt, war in Richtung Süden nach Nordamerika abgelenkt worden. In einigen der 50 Bundesstaaten waren in den vergangenen Tagen die kältesten Temperaturen in den vergangenen 20 Jahren gemessen worden.

Während weite Teile der USA im Klammergriff der Kälte sind, herrschen in Deutschland derzeit fast schon frühlingshafte Temperaturen. Die ersten Haselpollen fliegen, Gänseblümchen blühen und die Vögel zwitschern in den Gärten. Bis Donnerstag haben die Meteorologen noch einmal Temperaturen von örtlich bis zu 15 Grad vorausgesagt, bevor es dann wieder etwas kühler wird.

ono/AFP/DPA / DPA