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Kairo: Hunderte Verletzte bei Demo auf dem Tahrir-Platz

Fast ein halbes Jahr nach dem Sturz Mubaraks stürmen unzufriedene Jugendliche wieder den Tahrir-Platz. Sie sind über den Gang der Dinge nach ihrer "Revolution" enttäuscht.

Hunderte meist jugendliche Ägypter haben sich auf dem Tahrir-Platz in Kairo Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden 590 Menschen verletzt, viele von ihnen durch eingeatmetes Tränengas. Die Jugendlichen warfen in der Nacht zum Mittwoch Steine und Brandsätze, die Polizei setzte Gummigeschosse, Schlagstöcke und Tränengas ein, wie Augenzeugen berichteten.

Die Demonstranten forderten eine zügige Verurteilung früherer Machthaber. "Die Menschen sind sauer, weil die Gerichtsverfahren immer wieder hinausgezögert werden", sagte ein 26-jähriger Mitarbeiter einer Bäckerei, der Steine in der Hand hielt. Zudem forderten sie auch den Rücktritt des Chefs des Militärrates. Das Gremium regiert Ägypten seit dem Sturz von Husni Mubarak als Präsident. Augenzeugen äußerten allerdings die Vermutung, den Protestteilnehmern gehe es eher um Randale als Inhalte.

Die Straßen um den symbolträchtigen Platz, dem Zentrum der Proteste gegen Mubarak und Schauplatz von Polizeiangriffen auf Demonstranten, waren mit Steinen übersät. Schwarzer Rauch stieg von einem abgefackeltem Motorrad auf. Bereitschaftspolizisten hinderten die Menge daran, bis vor das Innenministerium zu ziehen. Die Demonstrationen hatten am Vortag in einem angrenzenden Viertel begonnen, als Angehörige der mehr als 840 Menschen gedachten, die bei dem Volksaufstand ums Leben gekommen waren.

Der frühere Innenminister Habib al-Adli ist wegen Korruption zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Wie auch andere Mitglieder der Mubarak-Regierung muss er sich zudem vor Gericht wegen der Todesfälle verantworten. Der frühere Präsident ist deswegen ebenfalls angeklagt. Mubarak droht die Todesstrafe. Sein Prozess soll am 3. August beginnen.

Reuters/DPA / DPA / Reuters